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Kuno Gonschior kann man...

Das Schaufenster-Atelier

22.02.2009 | 12:27 Uhr

Malen in einem ehemaligen Ladenlokal: Kuno Gonschior hat in der Oberstraße ein "gläsernes Atelier" entdeckt.

Seit Anfang des Jahres steht ein Mann fast jeden Tag im leeren Ladenlokal an der Oberstraße 5. Neugierige drücken sich an der Scheibe die Nase platt, denn der Mann malt. Ach was, er spachtelt. Mit dem Messer und einem Acryl-Gel-Gemisch arbeitet er an einer gewaltigen, fast zehn Quadratmeter großen Leinwand.

Der Mann ist Kuno Gonschior, 73, gebürtig aus Wanne-Eickel, wohnhaft in Bochum und Berlin, mit Atelier in Hattingen, nahe der Henrichshütte. Dass er zur Abwechslung in Witten arbeitet, liegt an der dauerhaften Kälte. „Mein Atelier ist nicht beheizbar, da sind mir die Farben eingefroren”, sagt Gonschior.

Im ehemaligen Geschäft für Brautmoden fand er vorübergehend eine kostenlose Bleibe – er kennt den Vermieter. Zunächst arbeitete er mit einer Folie vor den großen Schaufenstern. Erst „als ich das Bild im Griff hatte, als es Kraft hatte”, begann er vor den Augen der Wittener zu malen.

Das Bild, inzwischen vollendet, ist ab Anfang März auf der Kunstmesse in Karlsruhe zu sehen. „Für eine Galerie, die mich dort ausstellt”, erklärt Gonschior. Ein Spediteur wird es am Donnerstag abholen und dorthin transportieren. Dann haben die Jungen und Mädchen der umliegenden Schulen nichts mehr zu gucken und zu staunen. Die seien immer alle sehr interessiert gewesen, freut sich Gonschior, der anfangs skeptisch war, wie die Jugendlichen seine abstrakte Kunst wohl so finden. Die Reaktionen seien eindeutig gewesen: „Die Jungs haben den Daumen hochgehalten, die Mädchen applaudiert.”

Schwarz grundiert hat Kuno Gonschior die Leinwand und dann Farbe in leuchtendem Orange, die sich nach oben hin verliert, auf die dunkle Fläche gebracht. Mit ein paar Sprenkeln in Lila, Grün und Blau. Wer draufschaut, dem tun erst mal die Augen weh. Vielleicht auch beginnt das Bild leicht zu schwingen. „Sternenhimmel” nennt der Künstler, der eigentlich nur gegenstandlose Bilder malt, sein Werk. „Früher ging es mir nur um die Farbe”, sagt Gonschior. Doch heute erlaube er dem Betrachter, mehr hinein zu interpretieren.

Plastisch wirken die Farbtupfer, wie aufgeklebte Papierschnipsel sehen sie von Weitem aus. Und das Tolle daran: Man darf Gonschiors Bild anfassen. „Das Material ist dauerelastisch. Da bricht nichts ab.” Sogar abwaschen könne er das Kunstwerk – dank des der Acrylfarbe beigemischten Gels, das Silikon enthält.

Wenn Gonschior mit Farbe arbeitet, dann gerät er in einen Rauschzustand: „Das ist für mich wie eine Droge. In der Zeit esse und trinke ich auch nicht.” Er höre die Bilder sogar, vernehme ihre Schwingungen. „Da ist manchmal so ein Summen.” Seine Werke – sie sind eben ein Erlebnis für die Sinne.

Kuno Gonschior studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie und der Uni Köln und war fast 20 Jahre lang Professor für freie Malerei an der Universität der Künste in Berlin. Seine letzte Ausstellung hatte er im Duisburger Museum Küppersmühle. Außerdem hängen seine Bilder in einer New Yorker Galerie. „Ich bin”, sagt der 73-Jährige, „so erfolgreich wie noch nie in meinem Leben.”

Annette Kreikenbohm

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