Das nächste Stadtoberhaupt könnte Schweppe heißen

In dieser Woche haben sich die Ereignisse in puncto Bürgermeisterkandidatur überschlagen. Da gerät der geharnischte Brief, in dem die SPD-Vorsitzende Humme der Spitzengenossin Bürgermeisterin parteischädigendes Verhalten vorwarf, glatt schon wieder in Vergessenheit. Die Schlagzeilen gehörten einem anderen, Frank Schweppe. Er könnte neuer Bürgermeister werden.

Natürlich entscheiden erst mal die Genossen, ob sie den Ersten Beigeordneten aufstellen und dann haben am 13. September die Wähler das Wort. Aber sollte Schweppe tatsächlich gemeinsamer Kandidat von SPD und CDU werden, wäre das schon ein Pfund. Vielleicht sogar die halbe Miete. Aber mit Bürgermeisterin Leidemann, der gewieften Taktikerin, ist immer noch zu rechnen.

Zunächst aber zu Schweppe. Es ist schon kurios, dass die Union ihm in einer Gesamtvorstandssitzung am Donnerstagabend den Rücken stärkt, noch bevor ihn die SPD, also seine eigene Partei, überhaupt aufgestellt hat. Das kann ihn am Ende ein paar Punkte bei den Genossen kosten. Noch ist er nicht durch. Einiges dürfte von den Regionalkonferenzen abhängen, auf denen sich die beiden SPD-Kandidaten bis zur Vertreterversammlung am 7. März präsentieren: Schweppe und Leidemann, das Duell der Giganten. Der Vize, der gegen seine Chefin antritt, was er angeblich nie wollte. Nun ja.

Schweppe ist Verwaltungsfachmann, gut vernetzt, in vielen Sportvereinen bekannt, und, keine Frage, er kann Bürgermeister. Die SPD müsste zudem ein Interesse daran haben, jemanden an die Spitze zu bringen, der mit der Großen Koalition regiert – und diese nicht gegen sich hat wie eben Sonja Leidemann.

Andererseits kann sich deren Bilanz sehen lassen. Im Stadtbild hat sich einiges zum Guten verändert. Witten ist lebenswert, familienfreundlich, hat eine starke Wirtschaft. Dass er die Stadt weiter nach vorn bringt, auch in ihrem Erscheinungsbild, muss Schweppe erst noch beweisen. Und: Kann der 56-jährige, mitunter Poltergeist, auch moderieren, diplomatisch sein?

Ob Leidemann selbst dann antritt, wenn sie in der SPD den Kürzeren gegen Schweppe zieht, lässt sie weiter offen. Es wird Zeit, dass sie uns bald reinen Wein einschenkt.