Leberwurst gibt Graupensuppe den Pfiff

Klaus Tüttelmann und Redakteurin Tina Bucek in „Tüttelmanns Kochstudio“
Klaus Tüttelmann und Redakteurin Tina Bucek in „Tüttelmanns Kochstudio“
Foto: Funke Digital Services
Was wir bereits wissen
Klaus Tüttelmann (76) verrät unserer Zeitung ein altes Familienrezept. Für den Eintopf à la Tüttelmann reisen sogar die Kinder extra an

Witten.. „Das isst der Pott“ heißt eine Aktion der WAZ, bei der Lieblingsrezepte der Menschen in unserer Region gesucht und vorgestellt werden. Zehn Wochen lang präsentieren wir Ihnen jeweils samstags Leserinnen und Leser aus Witten mit ihren Leibgerichten. In der neunten Folge kocht Klaus Tüttelmann für Redakteurin Tina Bucek Graupensuppe.

In Tüttelmanns gemütlicher Wohnung am Humboldtplatz ist die Küche nicht riesig – dafür die Freude am Kochen und Essen umso größer. „Die Graupensuppe mit Leberwurst“, erzählt Klaus Tüttelmann, der uns freundlich in seinem Reich empfängt, „gehört schon lange zur Familientradition“. Die damit begann, dass Tüttelmanns Onkel in Annen, Metzgermeister von Beruf, gerne schon mal eine Leberwurst spendierte. „Das war in der Nachkriegszeit: Erst haben wir den Eintopf immer mit Wurstbrühe zubereitet. Aber dann gab’s eines Tages keine Wurstbrühe. Da sagte mein Onkel: Klaus, versuch’s doch mal mit Leberwurst!“

Konditormeister gelernt

Schnell fanden Klaus und seine Frau Rita (75) Geschmack an dieser etwas ungewöhnlichen Zusammenstellung für ein in den Augen vieler Gourmets eher gewöhnliches Gericht. „Die Leberwurst gibt der Suppe einen ganz eigenen Geschmack.“ Sagt’s und zerschnippelt nebenbei Möhren, Kartoffeln und Lauch. Ein echter Graupensuppenkasper ist Tüttelmann inzwischen – seit er das Zepter in der Küche gelegentlich von Frau Rita übernimmt.

„Früher hat mein Mann gar nicht gekocht“, plaudert die aus dem Nähkästchen. Obwohl er ja mal Konditormeister gelernt habe. „Aber Zuhause am Herd? Nix.“ Doch dann kam der Tag, als der Herr im Haus in den Ruhestand ging – und die Dame noch zur Arbeit. „Da kam ein Anruf von meiner Firma, ich sollte einspringen“, erzählt Frau Rita. „Die Kohlrabi lagen ungeschält auf dem Tisch. Da sagt mein Mann: Soll ich das Essen machen? Ja und dann hat er das Essen gemacht. Und er hat es gut gemacht!“

Fleischklops plumpst in die Brühe

Das kann man auch über die Graupensuppe sagen, die inzwischen schon wohlriechend auf Tüttelmanns Herd vor sich hin köchelt. Wobei der Pfiff ja noch gar nicht im Topf ist: „Die Leberwurst müssen Sie aus der Pelle schälen und dann dazugeben.“ Chefkoch Tüttelmann zeigt’s uns, plumps, landet der Fleischklops in der Brühe. Jetzt noch ein bisschen ziehen lassen, Petersilie unterrühren: Fertig. „Dafür reisen sogar die Kinder extra an.“

Wir wollen Herrn Tüttelmann beim Tischdecken und Aufgeben helfen, höflicherweise, wo wir schon sonst nicht viel tun konnten außer rumstehen, reden und riechen. Aber der Meister kredenzt alles selbst, bis zum Schluss. „So, und jetzt wird gegessen!“

Das sind die Zutaten

1 Stange Porree
1 Möhre
1 Petersilienwurzel
1 Viertel Sellerieknolle
1 große Zwiebel
1 Knoblauchzehe
500 g Kartoffeln
100 g Graupen
150 g Pfälzer Leberwurst
500 g Hackfleisch, 1 Bund Petersilie

So wird’s gemacht

Porree, Möhre, Petersilienwurzel, Sellerieknolle, Zwiebel, Knoblauchzehe und Kartoffeln putzen und würfeln, alles schneiden und mit den Graupen (mittel fein) in einen Topf geben und mit Wasser auffüllen, bis alles gut bedeckt ist. Etwa 20 Minuten kochen. Danach Pfälzer Leberwurst (ohne Pelle!) in der Suppe auflösen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, eventuell noch ein bis zwei Brühwürfel dazugeben. Sollte die Suppe zu dickflüssig sein, noch entsprechend Wasser zugeben. Von 500 Gramm Hackfleisch mit einem Teelöffel kleine Portionen abstechen und in der Suppe garziehen lassen. Zum Schluss noch ein Bündchen Petersilie fein hacken. Diese auf die Suppe streuen, wenn diese auf den Tellern angerichtet ist.