Hier wurde die deutsche Küche erfunden

Museumsgründer und -leiter Pfarrer Methler liest in einem historischen Kochbuch von Henriette Davidis.
Museumsgründer und -leiter Pfarrer Methler liest in einem historischen Kochbuch von Henriette Davidis.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Henriette Davidis aus Wengern hat das erste Kochbuch mit überregionalen Rezepten geschrieben. Ihr Bestseller hat das Kochen in den Haushalten bis heute geprägt.

Witten.. Wenn Rezepte gesucht werden: Wo sollte man das besser tun können als hier an der Ruhr? Hier ist die deutsche Küche schließlich quasi erfunden worden. Von Henriette Davidis, die von Wengern aus das Kochen in Deutschland revolutionierte. Noch heute ist ihr Original-Herd zu sehen, eingemauert in der Bahn-Unterführung, an der Stelle, an der er früher im Pfarrhaus stand.

Zugegeben: Es ist nicht mehr Witten, sondern knapp hinter der Stadtgrenze. Aber so viel Blick über den Tellerrand muss ausnahmsweise erlaubt sein. Denn die Autorin war weit über Wetter hinaus eine Berühmtheit. „Sie war schon zu Lebzeiten die Kochautorität schlechthin“, sagt Walter Methler, der das Henriette-Davidis-Museum in Wengern betreibt. Ihre Leistung sei dabei nicht, 1844 das erste deutsche Kochbuch veröffentlicht zu haben – „es gab schon vorher welche“ –, sondern das erste mit Rezepten aus ganz Deutschland.

Pfefferpotthast ist legendär

Bis dahin habe es nur regionale Rezepte gegeben, erzählt der Experte. Die Pfarrerstochter hat sie alle gesammelt, ausprobiert, abgewandelt und dann in ihrem Buch zusammengefasst – und das wurde zum Bestseller. „So wurde praktisch die deutsche Küche erfunden.“ Noch heute schwärmen auch Spitzenköche wie Johann Lafer von der „Musterköchin“ – wie man im Museum nachlesen kann.

Das isst der Pott Ob einfach, hochherrschaftlich oder Resteküche: „Alle Rezepte sollten praktikabel, verständlich und von der Hausfrau gut zu bewältigen sein“, erklärt Methler Henriettes Konzept. Legendär ist bis heute ihr Pfefferpotthast. Das Blindhuhn – ein Bohnen-Möhren-Eintopf aus dem Lipperland – wurde durch sie zum Nationalgericht. „Sie hatte ein feines Gespür für gute Rezepte.“

Elf Bücher insgesamt hat die gelernte Erzieherin, die lange auch in Bommern auf Gut Frielinghaus beschäftigt war, veröffentlicht. Kochbücher, Erziehungshilfen, Anleitungen für Haushalt und Garten. Dass Henriette Davidis die Frau damit auf ihre Rolle am Herd festlegen wollte, den Vorwurf will Walter Methler so nicht stehen lassen. Schließlich habe die Autorin, die stets für ihren sehr eigenen Kopf bekannt war, in „Kraftküche nach Liebigs Fleischextrakt“ sogar ein Fertigprodukt akzeptiert. „Damit die Hausfrau mehr Zeit für anderes hat.“