Am zweiten Tag schmeckt der Kaps noch besser

Ulrike Richter kippt die Soße über den Kaps. Redakteurin Annette Kreikenbohm hält die Pfanne.
Ulrike Richter kippt die Soße über den Kaps. Redakteurin Annette Kreikenbohm hält die Pfanne.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Ulrike Richters Lieblingsgericht ist was für „echte Pottler“: Kaps in der Pfanne. Wenn Saison ist, kriegt sie den Kohl aus Papas Schrebergarten.

Witten.. „Das isst der Pott“ heißt eine Aktion der WAZ, bei der Lieblingsrezepte der Menschen in unserer Region gesucht und vorgestellt werden. Jeweils samstags präsentieren wir Ihnen insgesamt zehn Leserinnen und Leser aus Witten mit ihren Leibgerichten. In der sechsten Folge kocht Ulrike Richter für Redakteurin Annette Kreikenbohm Kaps in der Pfanne.

Für alle, die jetzt glauben, hier habe sich ein Fehler eingeschlichen: Ulrike Richter beharrt darauf, dass ihr Kohl tatsächlich „Kaps“ heißt und nicht Kappes. Basta! Und die 56-Jährige vom Sonnenschein, die in der Verwaltung der Hagener Polizei arbeitet, nennt gleich drei Gründe, die ihr Gericht unschlagbar machen: „Es ist gut, günstig und einfach.“ Außerdem „schmeckt’s am zweiten Tag noch viel besser“ – das bestätigen ihre erwachsenen Kinder Tim und Mareike, die wohl gerochen haben, dass Mama heute für die Zeitung ihr Leibgericht zaubert.

Das riecht bis auf die Straße

Apropos Geruch: „Das stinkt immer so ekelig“, sagt Ulrike Richter über den Weißkohl, den sie gerade geschnitten und dann in die Pfanne zu den Kartoffeln gegeben hat. „Das riecht man schon draußen auf der Straße.“ Dafür kostet der Kaps nicht viel. Und wenn Saison ist, sogar gar nichts. Denn dann stammt er aus dem Schrebergarten ihres 80-jährigen Vaters – wie so vieles, was bei der Wittenerin in die Töpfe und auf die Teller kommt. Jetzt gerade ist Salat-Zeit.

„Ich koche und backe alles“, sagt Ulrike Richter. Gelernt hat sie das von ihrer Oma Margarete, doch das heutige Rezept ist noch von Uroma Klara überliefert. Und es passt zu dem, was die ganze Familie am liebsten isst: deftige Hausmannskost. Nur einer schlägt da ein wenig aus der Art: Ehemann Klaus Apolinarski (51), über den die Gattin freiweg sagt: „Ich liebe ihn, aber nicht seinen Nachnamen.“ Klaus also, der mag den Kaps in der Pfanne nicht. Aber Klaus stammt aus Ahlen bei Hamm und damit eindeutig nicht aus dem Ruhrgebiet. Logisch, denn das Gericht sei halt nur was für „echte Pottler“, sagt Ulrike Richter. Gibt’s Kaps, kocht ihr Mann sich Hefeklöße mit Tomatensoße. „Da schüttelt’s mich.“ Dass auch Enkel Lenni der Kaps nicht schmeckt, mag an dessen Alter liegen: Lenni wird bald drei und isst am liebsten „Bäume“, womit er Brokkoli meint.

„Ich glaub’, das wird gut.“ Ulrike Richter kontrolliert, ob die Kartoffeln nicht zu sehr anbruzzeln. Sie ist zufrieden. „Das ging doch ratzi-fatzi.“ Und jetzt zieht auch ein köstlicher Duft durchs Haus.

Meine Zutatenliste (4 Personen):

4-6 Bratwürste (grob/fein)
500 g festkochende Kartoffeln
1 Weißkohlkopf, mittelgroß
ca. 200 ml Kräuteressig
200 ml Büchsenmilch (10%)
1-2 Zwiebeln, Salz, Pfeffer

Und so geht’s:

Die Bratwürstchen in der Pfanne in Öl braten und herausnehmen. Kartoffeln schälen, in Scheiben schneiden und in den Bratensud legen, mit Salz und Pfeffer würzen. Weißkohl in Streifen schneiden, blanchieren und auf die Kartoffeln schichten.

Nun aus klein gehackter Zwiebel, Salz, Pfeffer, Essig und Büchsenmilch die Tunke rühren. Sollte sie zu sehr eindicken, mit etwas Vollmilch verdünnen. Die fertige Soße über den Weißkohl geben. Bei geschlossenem Deckel 20 bis 30 Minuten dünsten.

Vorsicht: Die Kartoffeln brennen gerne an – deshalb ab und zu nachgucken. Nach dem Dünsten die Bratwürste noch einmal auf den Weißkohl legen, damit sie wieder warm werden. Pfanne auf den Tisch und zulangen!

Das sagt Profi-Koch Bernd Hoppe:

Puh, bei 30 Grad über ein Rezept zu sprechen, das eigentlich in die kalte Jahreszeit gehört, das ist schon eine Herausforderung. Kaps in der Pfanne, das ist eigentlich eins dieser klassischen Eintopfgerichte, wie zum Beispiel auch Schlabber-Kappes. In den gehört außer Weißkohl noch Gehacktes rein. Das gab es bei uns früher auch immer samstags. Die Kombination aus Kräuteressig und Büchsenmilch sorgt für eine angenehm süß-saure Note. Solche Gegensätze ergeben immer einen guten Geschmack. Vielleicht würde man heute statt Dosenmilch eher Sahne nehmen. Ich empfehle noch, Speck dazu zu geben – und Kümmel. Das ist klassisch westfälisch.