Das Haus im Park
22.12.2009 | 18:39 Uhr 2009-12-22T18:39:00+0100
Es ist Anlaufstelle für fast 500 Drogenkonsumenten, ehemalige Abhängige und Substituierte pro Monat. Es hat finanzielle Probleme und zu wenig Personal. Und es ist doch so wichtig für die Stadt: das Haus im Park an der Lutherstraße.
Hätte Marcus Reckert einen Wunsch frei, dann würde er sich einen zusätzlichen Kollegen wünschen. „Der könnte dann vielleicht Streetwork machen”, sagt der Sozialarbeiter, der seit sechs Jahren beim Verein „Haus im Park” arbeitet. Dass das unrealistisch ist, weiß der 43-Jährige nur zu gut. Denn natürlich sind auch hier die Kassen knapp.
2006 hat das Land, das mit Kreis und Land zu je einem Drittel für die Förderung sorgte, den Zuschuss um 10 000 Euro gekürzt. Seit 2007 tut sich deshalb ein Loch von 4000 bis 5000 Euro pro Jahr im Budget auf, das der Verein aus eigenen Mitteln stopfen muss. Reckert: „Wir sind auf Spenden angewiesen, aber die sind halt nicht fest einplanbar.”
Nicht nur das bereitet ihm Kopfzerbrechen. Auch das Beschäftigungsprojekt mit der Jobagentur, bei dem bis zu acht ALG-II-Empfänger im und rund ums Haus im Park arbeiten und entsprechend betreut werden, läuft immer nur ein Jahr – und zum 31. März aus. „Aber”, sagt Reckert, „da bin ich eigentlich frohen Mutes.”
Denn der Verein genieße hohe Akzeptanz bei anderen Einrichtungen. So habe die offene Kirche gerade einen Kickertisch spendiert. Und dank des Awo-Stadtverbands und einiger engagierter Bürger gibt es an diesem Dienstag ein Weihnachtsbüffet und kleine Geschenke. „Die Arbeit macht einfach Sinn, auch in dieser Stadt”, sagt Marcus Reckert, der sie gemeinsam mit seiner Kollegin Sabrina Leonhardt stemmt.
Immerhin habe sich die Zahl der Besucher 2009 fast verdoppelt: Kamen im Januar 266 Drogenabhängige, ehemals Süchtige oder Substituierte ins Kontaktcafe´, waren es in den letzten drei Monaten fast 500, die meisten aus Witten, rund zehn Prozent aus Wetter und Herdecke. „Oft tauchen Rückfällige wieder auf”, so Reckert.
Die meisten der Klienten seien chronisch mehrfach abhängig. Sie konsumieren gleichzeitig Heroin, Beruhigungsmittel, Cannabis, Alkohol, Kokain oder Speed. Fünf Todesfälle gab es unter den Besuchern in diesem Jahr. Vier kamen aus Witten. Letzten Samstag erst sei ein Klient aus Herdecke verstorben. „Zwei waren noch nicht 30, aber es waren auch über 50-Jährige dabei.” Sie starben zu Hause oder im Krankenhaus. An schlechtem Stoff oder einer Überdosis, vielleicht bewusst gewählt, wegen der Aussichtslosigkeit des Lebens, vermutet der Sozialarbeiter.
Das mache ihn schon traurig, sagt Reckert, „schließlich sind das nicht alles ganz schreckliche Menschen, die die Leute im Park belästigen.” Es seien auch liebenswerte Personen dabei, die sich untereinander gut verstehen, für die das Haus ein Zufluchtsort ist. „Und wenn sie hier sind”, sagt Reckert, „dann lungern sie nicht auf der Straße herum.”
07:07
Bei so viel sozialem Einsatz sollten auch Therapiemöglichkeiten (-zwänge) nicht vergessen werden. Im übrigen vermisse ich, dass lediglich Kürzungen im Artikel genannt werden, jedoch das aktuelle Fördervolumen außen vor bleibt.