Das Geheimnis des Lehrers Heinrich Signus

Repro: Barbara Zabka
Repro: Barbara Zabka
Foto: WAZ
Martin Rudolph brachte uns ein Bild mit einer Inschrift auf der Rückseite. Und damit einen Stein ins Rollen – Wie Leser bei der Suche nach einem Unbekannten halfen und sich ein Puzzle zusammenfügte

Witten..  Es begann mit der Signatur auf dem Rücken einer Lithografie. Martin Rudolph hatte sie in die Redaktion gebracht, weil ihn die Geschichte des Bildes interessierte. Dass der Druck des Sackträgerbrunnens auf dem Kornmarkt vom Wittener Maler Helmut Schäfer stammte, war schnell herausgefunden. Nicht aber, was es mit der Widmung auf der Hinterseite des Kunstwerkes auf sich hatte. „Herrn Lehrer Signus zum 40-jährigen Dienstjubiläum überreicht durch den Oberstadtdirektor“, besagt die Inschrift.

„Wer kennt Lehrer Signus?“ fragten wir unsere Leser (Ausgabe vom 5.2.2015). Und Leser meldeten sich. „Ich hatte beim Lehrer Signus ein halbes Jahr Unterricht“, erzählt Renate Erbe. Die 77-Jährige wühlt in ihren Erinnerungen. „Es war von Ostern bis Oktober 1950, ich ging damals in die dritte Klasse der Bruchschule.“ Besonders beeindruckt hat die Wittenerin die Musikalität ihres Lehrers, der damals nur als Vertretung in ihrer Klasse eingesetzt worden sei. „Er hat ganz wunderbar mit uns gesungen, ,Zogen einst fünf wilde Schwäne’, und er hat uns Walzer und Polka vorgeführt, damit wir ein Gefühl für den Rhythmus bekamen.“

Ein bisschen wie der Herr Dobrindt aus Bayern

Ein stattlicher Herr sei er gewesen, der Lehrer Signus, „wie sie eben so aussahen, die damals aus dem Krieg kamen.“ Sie überlegt. „Ein bisschen so wie der Herr Dobrindt aus Bayern.“ Später, in den 70er Jahren, habe sie ihn dann noch mal im Krankenhaus gesehen, „aber wir haben nicht miteinander gesprochen.“ Auch Jürgen Meischeider reagierte auf unsere Bitte um Informationen über das Schicksal eines Unbekannten. „Der Lehrer Signus hat mich in der 4. und 5. Klasse in der Bachschule unterrichtet“, erzählt der 73-Jährige. Das sei 1952 gewesen, Nachkriegszeit, „keine einfache Zeit“.

Wir wenden uns an Dr. Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Stadtarchives. „Wenn es einen Lehrer Signus in Witten gegeben hat, dann müssen wir darüber eine Akte haben, weil er im öffentlichen Dienst tätig war – das muss aufbewahrt werden“, sagt sie. Kliner-Fruck findet die Akte Heinrich Signus. Darin sein Examenszeugnis von 1920, einen selbst geschriebenen Lebenslauf von 1946, ein Zeugnis mit der Benotung seiner Leistungen als Lehrer von 1948, das Schreiben der Schulleiterin der Bachschule zum 40-jährigen Dienstjubiläum von 1952 – anlässlich dessen Signus die Lithografie mit dem Sackträgerbrunnen geschenkt bekam, die heute Martin Rudolph gehört.
Quelle: Stadtarchiv Witten, Personalakte Heinrich Signus, Signatur 140.1999.1.388