Das Evangelische Krankenhaus Witten tütet Arzneien ein

Hans-Jörg Negele, Leiter der Apotheke des Evangelischen Krankenhauses Witten, mit Tabletten in einer Folienverpackung.
Hans-Jörg Negele, Leiter der Apotheke des Evangelischen Krankenhauses Witten, mit Tabletten in einer Folienverpackung.
Foto: Diakonie Ruhr
Was wir bereits wissen
Um das Thema Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie ging es auf einem Kongress, zu dem das Evangelische Krankenhaus eingeladen hat.

Witten.. Ein Thema, das nicht nur ältere Menschen betrifft, die aber in besonderem Maße: Denn viele Senioren nehmen eine Vielzahl von Medikamenten ein. Neben- und Wechselwirkungen müssen von Ärzten bedacht werden. Was diese aber nur können, wenn die Patienten sie auch über jede Arznei informieren, die sie schlucken. Auch hierüber wurde auf dem Kongress Arzneimitteltherapie-Sicherheit gesprochen, zu dem das Evangelische Krankenhaus eingeladen hat.

Über 90 Mitarbeiter von Kliniken, Apotheken, Einrichtungen der Altenhilfe und von Gesundheitsbehörden nutzen den Kongress, um sich zu informieren. Einer der Referenten war Prof. Daniel Grandt vom Klinikum Saarbrücken, Mitglied des Vorstandes der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

ASS zur Blutverdünnung nicht zusammen mit Ibuprofen nehmen

Grandt wies darauf hin, dass es wichtig sei, dass sich Ärzte über die Medikamente austauschten, die ein Patient bekomme. Wenn jemand vom Internisten, Kardiologen und Neurologen behandelt werde, müssten alle wissen, was die jeweiligen Kollegen an Arzneien verordneten, um das Risiko von Neben- und Wechselwirkungen zu verringern. Der Mediziner nannte ein Beispiel, betonte, dass Menschen, die Acetylsalicylsäure (ASS) zur Blutverdünnung einnehmen, nicht gleichzeitig zum Schmerzmittel Ibuprofen greifen dürfen. „Denn dies hebt die blutverdünnende Wirkung der Acetylsalicylsäure auf.“ Für Menschen, die auf eine Blutverdünnung angewiesen seien, könnte dies dramatische Folgen haben – bis hin zum Herzinfarkt, zum Tod.

Leider, so Grandt, wüssten Patienten oft nicht genau, welche Mittel sie bekommen. „Da wird dann von der rosa, der kleinen und großen Tablette gesprochen.“ Wenn Menschen ihre Mittel in verschiedenen Apotheken kauften, fiel auch dort nicht unbedingt auf, wenn etwas nicht zusammenpasse.

Klinik-Apotheker lernte Verblisterung in Holland und Dänemark kennen

Holger Görges, Dienststellenleitung der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal, ging beim Kongress auf Fehler bei der Tablettenvergabe in Alten- und Pflegeheimen ein. Hierzu könne es kommen, wenn das Stellen der Arzneien in Einrichtungen nebenbei geschehe, etwa während das Telefon klingele. Fehler, die vermieden werden könnten, wenn Heimbewohnern Medikamente nicht lose von der Pflegekraft, sondern portionsweise in Folie eingeschweißt gegeben würden.

Experten sprechen hierbei von einer Verblisterung von Arzneimitteln. Etwas, das am Evangelischen Krankenhaus Witten schon seit 1993 üblich ist. Eine spezielle Maschine, die die Medikamente verpackt, macht es möglich. Hans-Jörg Negele, Leiter der Klinik-Apotheke, hat dafür gesorgt, dass Pillen im EvK nicht mehr lose in Plastikbechern oder Schächtelchen ausgegeben werden. „Die Verblisterung habe ich in Holland, Dänemark und England kennengelernt.“

Auf den Medikamenten-Tütchen stehen wichtige Angaben

Negele überzeugte seine Klinikleitung in Witten von den Vorteilen “eingetüteter“ Arzneien. Eine etwa zwei Meter hohe Maschine im EvK kann rund 330 Medikamente in Folie verpacken. Auf den Packungen stehen wichtige Angaben, etwa der Name des Patienten, zu welcher Uhrzeit die Arznei genommen werden soll, wie das Mittel aussieht, wer es hergestellt hat. Sogar das Geburtsdatum des Patienten steht auf dem Tütchen. Negele: „Weil es in einer Klinik ja mehrere Liselotte Müller geben kann.“

Vier Krankenhäuser aus der Region beziehen beim EvK, Sitz des Blisterzentrums EN, ihre eingetüteten Medikamente. Das Ev. Altenzentrum Fritz-Heuner-Heim in Dortmund seit Herbst letzten Jahres – erst einmal probeweise. Leiterin Frauke Gorontzi: „Dass die Mitarbeiter Medikamenten-Tütchen an die Bewohner verteilen, gibt ihnen mehr Sicherheit.“