Das achte Gebot und die Siebe des Sokrates

Aufgeregt kommt jemand zu Sokrates gelaufen. „Hör mal, ich muss dir erzählen, wie dein Freund ...“. „Halt, Moment!“ unterbricht ihn der Philosoph, „hast du das, was du sagen willst, durch die drei Siebe geschüttelt?“ – „Drei Siebe?“ fragt der andere erstaunt, „welche drei Siebe?“ – „Ja, mein Freund, drei Siebe.“

Das erste Sieb ist die Wahrheit. „Hast du, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es auch wahr ist?“ – „Ähm, nein, ich hab es von jemand anderem gehört.“ – „Hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft, dem Sieb der Güte? Das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist, ist es denn wenigstens gut?“ – „Ähm, nein, im Gegenteil.“ – „Dann nehme ich das dritte Sieb und frage, ob es notwendig ist, mir zu erzählen, was dich so erregt!“ – „Notwendig ist es gerade nicht.“

Sokrates lächelt: „Wenn, was du mir erzählen willst, weder wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“

Wie oft passiert es, dass ein unbedachtes Wort herausrutscht. Und schon wird es von anderen aufgeschnappt und weitergetragen. Du kannst es nicht wieder einfangen und es richtet Schaden an.

„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“. Das 8. Gebot der Bibel meint viel mehr als nur: du sollst nicht lügen. Nicht lügen, nicht falsch jemandem hinterher reden, nicht geschwätzig sein, nicht tratschen, nicht mobben, nicht verraten. Die biblischen Gebote sind Hinweise für ein Leben in Freiheit! Wie praktisch und wie hilfreich.
Pfarrer Hinrich Schorling, Ev.-Luth. Kreuzgemeinde