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Darwins Dilemma

01.10.2009 | 12:00 Uhr

Neben Jubiläen der Künstler Schiller, Haydn, Händel und Mendelssohn-Bartholdy wird dieses Jahr auch der 200. Geburtstag des Naturforschers Charles Darwin gefeiert.

Bei der Montagsreihe der Bürgeruniversität, einer langjährigen Kooperation zwischen VHS Witten und Uni Witten/Herdecke, sprach Bernd Rosslenbroich im Haus Witten über Aspekte menschlicher Evolution, die Darwin bereits überschaute, und solche, die der Gelehrte übersah.

Die durchweg besonnen vorgetragenen Ausführungen eröffnete Rosslenbroich damit, dass er auf ein grundsätzliches Dilemma der Evolutionsforschung hinwies: „Einerseits erscheint der Mensch in einer Reihe von Lebewesen als Geschöpf der Natur. Andererseits tritt er permanent als Kulturschöpfer und aktiver Gestalter seiner Umwelt hervor.” Einmal als Natur-, einmal als Kulturfaktor wirkend, bleibt die Frage des Philosophen Kant offen: Was ist der Mensch?

Rosslenbroich, Leiter des Instituts für Evolutionsbiologie und Morphologie an der Uni Witten/Herdecke, zeigte nun auf, dass auch Darwin sich zwischen jene Pole eingespannt sah. Sein Umgang damit war zugleich – entgegen populären Verlautbarungen – durchaus sensibel. Während Darwin die gemeinsame Abstammung der Lebewesen als Merkmal biologischer Evolution klar fassen und belegen konnte, war er sich beim oft zitierten „Kampf ums Dasein” längst nicht so sicher. Es lässt sich Selektion zwar im Reich des Lebendigen feststellen, ebenso aber auch Kooperation und Symbiose, die evolutionäre Vorgänge bewirken.

Um eine Synthese von Natur- und Kulturperspektive zu schaffen, schlug Rosslenbroich schließlich vor, Darwins Betrachtungen um eine Komponente zu erweitern: die relative Autonomiezunahme einzelner Individuen in Bezug auf ihre Umwelt. Während Darwin stets die Anpassung der Organismen an die Umwelt betont, meint Rosslenbroich „in der Tendenz zur Flexibilisierung zunehmende Freiheitsgrade der Organismen” zu erkennen. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die Lebewesen in ihrer Struktur das Freiheitsfundament aufweisen, das vom heutigen Menschen – zum Guten wie zum Bösen – tatkräftig ergriffen werden kann. Diese Freiheit, das ist der Mensch.

Der britische Naturforscher Charles Darwin (1809-1882) gilt als Begründer der modernen Evolutionstheorie. Seine Untersuchung „Die Entstehung der Arten” (1859) brachte dem Autor vor 150 Jahren viel Anerkennung und ist bis heute eine bedeutende Lektüre für Evolutionsdebatten.

Philip Kovce

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