Damit die Funken überspringen
10.11.2010 | 17:55 Uhr 2010-11-10T17:55:00+0100
Witten.Jeder Schüler weiß, dass eine gute Ausbildung wichtig ist. Aber wie der Job-Alltag so läuft und wie wichtig es ist, sich anzustrengen, das ist vielen noch nicht so klar. Die Azubis, die in der Otto-Schott-Realschule zu Gast waren, wissen es.
Und mit ihrem Besuch wollten sie erreichen, dass bei den Schülern der Funke überspringt.
„Funkensprung – Nah dran“ – so heißt auch das Projekt, das Autor Ralf Lilienthal erdacht hat und das von der „Projektfabrik“ und dem Rotary-Club Witten-Hohenstein ermöglicht wurde. Premiere war gestern in der Otto-Schott-Realschule. Und da gab es einen klassischer Seitentausch: Phillip Priebel, Jessica Brocke, Christian Münzer, Kevin Imming und Gregor Heuser saßen ganz vorne, dort, wo noch vor nicht allzu langer Zeit noch ihre Lehrer standen.
Und dort erzählten sie von ihrer Ausbildung: Phillip Priebel zum Beispiel ist im zweiten Ausbildungsjahr als Bankkaufmann bei der Sparkasse – und natürlich in seiner Arbeitskleidung, einem Anzug, erschienen. Er berichtete von seinen 38,5 Stunden Wochenarbeitszeit, die er sich dank der Gleitzeit einteilen kann. „Aber in der Schule war es lockerer“, weiß er. Die Lehrer hätten immer darauf geachtet, das sich die Schüler anstrengen. Im Job müsse man sich immer wieder selbst antreiben, könne sich nicht hängen lassen.
Das kann auch Christian Münzer bestätigen, der im ersten Lehrjahr zum Sozialversicherungsfachangestellten ist. „In der Schule hatte man mehr Freiheiten“, sagt der 22-Jährige. Aber natürlich sei es auch toll, durch die Ausbildung auf eigenen Füßen zu stehen.
Gregor Heuser (28) hat in seiner Karriere schon einige Kurven eingeschlagen. Nach dem Abi ging er zum Bundeswehr, dann zur Uni, um Mechatronik zu studieren. Doch weil ihm die Praxis fehlte, hörte er auf und startete in eine Ausbildung als Mechatroniker und studiert seither nebenbei. Diese duale Ausbildung kommt zwar bei Arbeitgebern gut an, bringe aber viele Einschränkungen fürs Privatleben mit sich: „Wenn das Kind spielen will, muss man oft sagen: Es geht nicht, ich muss lernen.“
Als es schließlich klingelte, waren die Zehntklässler wieder zurück im normalen Schulalltag. Aber sie haben etwas mitgenommen von dieser Doppelstunde: „Ich fand gut, dass man Eindrücke direkt aus den Jobs bekommen hat“, sagt Katharina (16). Und wenn andere Schulen ebenfalls Interesse an „Funkensprung“ haben, könnte Ralf Lilientahls Idee schon bald Schule machen.
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