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Serie "Tierische Jobs"

"Dafür muss man einen Spleen haben"

11.08.2009 | 17:57 Uhr
"Dafür muss man einen Spleen haben"

„Nachdem ich die Schildkröte bekommen hatte, habe ich kein einziges weiteres Geschenk ausgepackt”, erinnert sich Michael Kern. Das war vor 34 Jahren. Heute kriecht die „große Blonde”, das lebendige Kommunionsgeschenk von damals, immer noch durch Kerns Garten. Zusammen mit 80 bis 100 Schildkröten.

„Man muss dafür, glaube ich, einen Spleen haben”, gesteht der 43-Jährige, der seit Jahren zwei Unterarten (östliche und dalmatinische) der griechischen Landschildkröte züchtet und an Schildkrötenfans verkauft. Nur an private Käufer, betont Kern. Das Geschäft mit Tierhandlungen wäre für einen Züchter wie ihn finanziell wohl reizvoll. Doch darauf kommt es dem seit kurzem in Witten lebendem Arzt nicht an.

Kern investiert viel Zeit in die Beratung seiner Kunden. „Die meisten kommen zwei Mal vorbei. Einmal zum Schauen, erst beim zweiten Besuch nehmen sie die einjährigen Schildkröten dann auch mit", berichtet Kern.

Eine der ersten Fragen, die sich Interessierte gefallen lassen müssen, ist, wo sie ihre Tiere halten wollen. „Obwohl junge Tiere in ein Terrarium passen, ist eine solche Haltung absolut tabu”, erklärt der Schildkröten-Experte. Abgesehen davon, dass ausgewachsene Tiere nach rund 15 bis 20 Jahren mehr als tellergroß werden können und sich dann eine Terrariumshaltung alleine schon der Größe wegen verbietet, sollte man sich und den Tieren ein Freigehege im Garten gönnen. „Das ist zunächst einmal viel Arbeit”, so Kern. Zur Zeit wird in seinem Garten an zwei Gehegen gearbeitet, die zusammen rund 160 Quadratmeter groß sind. „Doch der Aufwand lohnt sich, wenn die Schildkröten dort artgerecht leben können.”

Kern selbst entfernte die Grasnarbe, sonst bekommen die gemächlichen Tiere nasse Füße in den zukünftigen Schildkröten-Behausungen und pflanzte Klee und Löwenzahn. „Die Tiere sollen sich beim Fressen anstrengen müssen”, erklärt er und fügt hinzu: „Wenn sie nur Fertigfutter bekommen, verformt sich der Schnabel.”

Bei all der Arbeit beim Neubau der Gehege und der Beratung von Schildkröten-Anfängern freut sich der Schmerztherapeut eines Bochumer Instituts vor allem auf ruhige Abende im Garten mit Blick auf die eigenen Tiere. „Ich weiß schon, wo ich die Bank hinstelle", sagt Kern freudestrahlend. „Da werde ich dann vom Alltag entspannen, vielleicht mit einem Zigarillo und einem Gläschen Wein.” Denn obwohl streitende Männchen auch mal sehr schnell werden können, ist das Beobachten der genügsamen, bepanzerten Wesen vor allem sehr beschaulich, so Kern.

Melanie Pohle

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