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Reaktion auf DGB-Kritik

Caritas Witten: Gleiche Arbeit, gleicher Lohn

03.08.2011 | 18:43 Uhr
Caritas Witten: Gleiche Arbeit, gleicher Lohn
Geringfügig beschäftigte und Vollzeit-Pflegekräfte bekommen laut Caritas das gleiche Geld. Foto: Tanja Schneider

Witten.In der Pflege hat die Caritas einen guten Ruf – doch wie ist es um die Barmherzigkeit bei der Mitarbeiter-Bezahlung bestellt? Nach einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm muss der Wohlfahrtsverband gleichen Lohn für gleiche Arbeit zahlen. Ein Fall, der nun auch in Witten Wellen schlägt.

Eine 400-Euro-Pflegekraft, der Caritas (kein Wittener Fall) hatte gegen den Verband geklagt. Trotz gleicher Arbeit hatte sie nur den Mindestlohn von 8,50 Euro bekommen – 1,50 Euro weniger als eine Vollzeitkraft. „Ein Unding“, kritisiert Michael Hermund, DGB-Vorsitzender der Region Ruhr-Mark. Die Bezahlung der Caritas sei oft undurchsichtig geregelt und ungerecht. Der Geschäftsführer der Caritas in Witten, Hartmut Claes, zeigte sich überrascht vom Urteil und der DGB-Kritik. In Witten gelte das Prinzip „gleiche Arbeit, gleicher Lohn“.

Alle sechs Minijobber, die in der ambulanten Wochenendpflege beschäftigt sind, würden den gleichen Stundenlohn bekommen wie die acht Vollzeit- oder die 30 Teilzeitkräfte in Witten, betont Claes. Jeder Mitarbeiter bekomme mehr als den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro. Eine Klagewelle für Witten erwarte er deshalb nicht, auch keine Forderungen von Mitarbeitern nach Ausgleichszahlungen. Näher wollte sich Claes nicht äußern. Anders der zuständige Personalleiter der Caritas.

Lohnunterschiede würden nur beim Brutto-Stundenlohn auftreten, so Norbert Altmann. Beim Nettolohn sei der Verdienst grundsätzlich bei allen Mitarbeitern gleich. Altmann begründete die Brutto-Unterschiede mit steuerlichen Abzügen bei Vollzeitkräften, von denen Minijobber nicht betroffen seien. Im Übrigen richte sich die Caritas bei ihren Löhnen zu 90 Prozent an den Tarifen der Kommunen aus. Das gelte auch für Witten.

Die gleiche Bezahlung in Witten sei zwar „ehrenwert“, so Michael Hermund vom DGB. Doch bei den Arbeitnehmerrechten hapere es gewaltig. „Bei der Caritas gibt es keine Betriebsräte, sondern nur Mitarbeitervertretungen.“ Gehör beim Chef würden Angestellte nicht finden. Außerdem sei unklar, wie die Höhe der Gehälter entsteht. „Die Caritas macht die Löhne unter sich aus“, sagt Hermund. Eine Kritik, die Personalleiter Altmann strikt von sich weist.

Die Höhe der Bezahlung werde von einer Kommission erarbeitet. Daran müssten sich alle Städte halten. Das Gremium sei je zur Hälfte mit Arbeitnehmern und Arbeitgebern besetzt. Das sei gerecht, findet er. „Nur wenn auch Arbeitnehmer ihr Ja geben, werden Löhne beschlossen.“

INFO

Nach dem Grundgesetz dürfen kirchliche Träger wie die Caritas das Arbeitsrecht für ihre Mitarbeiter selbst bestimmen. Gewerkschaften dürfen Gehälter nicht mit aushandeln, Mitarbeiter haben kein Streikrecht. Während der DGB das „eigene Rechtssystem“ der Caritas anprangert, macht der Wohlfahrtsverband ein Machtdenken der Gewerkschaften aus.

Dennis Sohner

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Kommentare
04.08.2011
08:02
Caritas Witten: Gleiche Arbeit, gleicher Lohn
von ThomasTebeck | #3

Lieber Ernst,
um Halbwissen geht es hier nicht, dazu kenne ich das System zu genau. Was mich ärgert, und deswegen muss man es machmal etwas polemisch zuspitzen, sind so Aussagen wie Barmherzigkeit in der Mitarbeiter-Bezahlung, oder die Bezahlung sei oft undurchsichtig geregelt und ungerecht. Das stimmt nämlich einfach nicht. Wenn Sie sich anschauen, wie auch bei den kirchlichen Einrichtungen um die Tarife gerungen wird, dann werden Sie feststellen, dass dort durchaus auf Augenhöhe verhandelt wird. Da geht es nicht um Barmherzigkeit, warum auch, sondern um nachvollziehbare Interessen beider Seiten. Und die müssen halt ausgehandelt werden. Ganz normal. Was dann dabei herauskommt, kann sich jeder aus dem Internet herunterladen, also Undurchsichtigkeit kann ich nirgendwo erkennen.
Ein gewaltiges Hapern an Arbeitnehmerrechten hört sich an, als seien kirchliche Mitarbeiter entrechtete Pyramidensklaven, und das möchte ich doch arg bezweifeln. Nur ein Beispiel: Für die MAVen gibt es eigene (kirchensteuerfinanzierte) Einrichtungen in denen sie ausgebildet und geschult werden und kein Dienstgeber würde die Daseinsberechtigung von MAVen anzweifeln. Das ist (leider) in vielen anderen Unternehmen heute nicht selbstverständlich.
Insgesamt bleibt für mich die Frage: Was soll eigentlich dieser Artikel? Da gibt es ein Urteil vom LAG das kein Wittener Fall ist. Es wird recherchiert, dabei kommt heraus, dass es dieses Problem in Witten auch nicht gibt. Das Ganze wird von höherer Stelle in Paderborn bestätigt. Das wars dann doch. Es gibt keine Story.

04.08.2011
06:43
Caritas Witten: Gleiche Arbeit, gleicher Lohn
von ErnstSuppe | #2

#1
Lieber Thomas,
Halbwissen reicht nicht immer aus. Der 3.Weg hat sich in der Tat bewährt, für die sich kirchlich nennenden Arbeitgeber. Die katholischen Kommissionen können soviel verhandeln und Lohnerhöhungen beschliessen, wie sie wollen. Das Letztentscheidungsrecht hat der Bischof. So war das schon mal, aber da befanden wir uns unter Gutsherren und nicht in einem demokratischen System.
Die bissigen Mitarbeitervertretungen haben die Möglichkeit vor kirchliche Schlichtungsstellen zu ziehen, Arbeitsgerichte bleiben ihnen versperrt. Und wer richtet dort? Vom Bischof und den Kirchenarbeitgebern handverlesene Richter.

03.08.2011
20:09
Caritas Witten: Gleiche Arbeit, gleicher Lohn
von ThomasTebeck | #1

Was hat sich denn Herr Hermund eingeworfen? - In seiner Position müsste er eigentlich wissen, wie es um die Regelungen im kirchlichen Arbeitsrecht steht. Natürlich passt das den Gewerkschaften nicht. Der dritte Weg der Kirchen hat sich aber, trotz aller nicht zu leugnenden Schwierigkeiten, dauerhaft bewährt und hat auch seinen Sinn. Und keine Sorge: Mitarbeitervertretungen können genauso bissig und selbstbewußt sein wie Betriebsräte. Und das ist gut so. Was Herr Hermund macht, ist das Aufwärmen uralter Forderungen, die selbst die Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen so nicht teilen können. Armer DGB, dass er ein solches Sommerloch braucht. Soll er sich doch mal anschauen, wie Mitarbeiter in gewerkschaftsnahen Einrichtungen behandelt werden. Wie ist es denn beim ASB? Oder bei den Gewerkschaften selbst? Schweigen im Walde. Oder ist es mal wieder das so beliebte Kirchen-bashing? So gehts nicht: Die anerkannt gute Arbeit der Caritas in Witten hat es nicht nötig sich schlecht reden zu lassen. Das gilt übrigens auch für den Redakteur...

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