Café im Kulturstall feiert den ersten Geburtstag

Die Medizin-Studentinnen Hanna Sommer (25, l.) und Lea Bengel (23) hatten die Idee zum Café im Kulturstall auf dem Christopherus-Hof.
Die Medizin-Studentinnen Hanna Sommer (25, l.) und Lea Bengel (23) hatten die Idee zum Café im Kulturstall auf dem Christopherus-Hof.
Foto: Funke Foto Services
Hanna Sommer und Lea Bengel betreiben seit einem Jahr das Café im Kulturstall auf dem Christopherus-Hof nahe der Uni. Und es läuft gut.

Witten.. Heute haben sie die Holztische ‘rausgestellt auf den idyllischen Hof, auf den so schön die Sonne scheint. Vögel zwitschern, Tassen klirren, leise unterhalten sich die Besucher. Zwischendurch singt jemand ein Ständchen. Denn das Café im Kulturstall, wie sich das Projekt des Christopherus-Hofes und Studierender der Uni Witten/Herdecke nennt, feiert den ersten Geburtstag.

Überglücklich sind an diesem Tag vor allem Hanna Sommer (25) und Lea Bengel (23), die beide im siebten Semester Medizin studieren. Denn das Café ist ihre Idee. „Als ich im ersten Semester beim Spazierengehen über den Hof gelaufen bin, habe ich noch gedacht: Hier würdest du gern ein Café eröffnen“, erinnert sich Hanna Sommer. Doch erst später sollte dieser Gedanke in die Tat umgesetzt werden – als die Uni entschied, in Sachen Essen die Struktur in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern, also mehr Bio- und regionale Produkte anzubieten.

Weil der Christopherus-Hof in direkter Nachbarschaft liegt und offen für alles Neue ist, „das die Lebenswelt von Menschen mit geistiger Behinderung auch für die Außenwelt erfahrbar macht“, so der stellvertretende Leiter Werner Körsgen, nahm das Café bald Gestalt an. Ein „Raum der Begegnung“ soll es sein – nicht nur für Bewohner und Studierende, sondern für alle Bürger. „Gutes Essen gehört als Seelennahrung natürlich dazu“, so Hanna, die in Lea Bengel eine begeisterte Mitstreiterin fand.

Das Café, betonen sie, habe nichts mit dem Studium zu tun – außer, dass bei beidem das Interesse am Menschen im Mittelpunkt steht. Nicht unwichtig: Die jungen Frauen kochen und backen leidenschaftlich gern.

Jeden Mittwochabend bereiten sie – inzwischen mit einem Team von bis zu 30 Leuten – sowie einigen Bewohnern der Wohn- und Lebensgemeinschaft Süßes und Herzhaftes zu. Zum kleinen Jubiläum können die Gäste etwa Ananas-Orangen- oder Avocado-Schoko-Torte schlemmen. Letztere vegan und glutenfrei. Außerdem gibt’s eine Quiche mit Räuchertofu. Zwar sei auf jeden Fall alles Bio-Qualität, „aber wir sind nicht total dogmatisch“, sagt Hanna. Demeter-Kost etwa sei einfach zu teuer. Sonst könnten sie das Essen nicht zum Selbstkostenpreis anbieten.

Die Gäste jedenfalls fühlen sich wohl. „Das ist super hier“, sagt Niklas Becker (31). Richard Knudsen (22) mag „das Ambiente“ und Luka Häfele (25) die ökologischen Produkte. Begeistert ist auch Magdalena Gleitz vom Café. „Das ist mit das Beste, das hier auf den Weg gebracht wurde“, lobt die Hof-Leiterin. Damit sei die Gefahr, sich als kleines Dorf inmitten der Stadt einzuigeln, gebannt. „Es ist klasse, dass wir diese Öffnung hingekriegt haben.“ Hanna und Lea wiederum wissen zu schätzen, dass sie den Umgang mit anderen Menschen lernen. Ganz selbstverständlich.