Buchholzer Protestanten nehmen Abschied von ihrer Kirche

Beim letzten Sonntagsgottesdienst
Beim letzten Sonntagsgottesdienst
Foto: Frank Oppitz
Mit einem emotionalen letzten Gottesdienst verabschiedeten sich die Buchholzer von ihrem evangelischen Gotteshaus. Die Predigt von Pfarrer Martin Marczinowski rührte viele Gläubige zu Tränen.

Witten..  Viele Abschiede hat die evangelische Kirche in Buchholz als Ort von Trauerfeiern schon gesehen. Doch der Abschied, den die Gemeinde am Sonntag feierte, wird für alle Mitglieder einen tiefen Einschnitt bedeuten. Bei einem bewegenden Gottesdienst, dem letzten Sonntagsgottesdienst vor der Entwidmung der Kirche, nahmen die Buchholzer feierlich Abschied von ihrer Predigtstätte. Es war einer der selten gewordenen Sonntagvormittage, an denen kein Sitzplatz mehr frei blieb und nicht wenige ihre Tränen trocknen mussten.

Bis zuletzt hatte Pfarrer Martin Marczinowski seiner Gemeinde auf dem schweren Weg beigestanden – bei immer geringer werdenden Finanzen und immer weiter steigendem Druck. „Ich habe mich damals mehr als einmal gefragt, warum machst du das alles? Doch ich wusste: Wenn du gehst, dann gibt es schnelle Lösungen. Also blieb ich.“ Doch wenn er in einigen Wochen in den Ruhestand geht, wird es keinen Nachfolger in dieser Kirche mehr geben.

Geschenkte und gute letzte Jahre

Schon um das Jahr 2000, damals gehörte die Kirche noch zu Blankenstein, war über Schließungen nachgedacht worden, weil die Kirchgänger weniger wurden. „Die Insider wussten, dass es so nicht lange weitergehen würde“, erinnerte sich der Pfarrer in der Predigt. 2002 hatten Gemeindemitglieder über 160 Postkarten an den Superintendenten geschrieben, um für den Erhalt der Kirche zu bitten.

Damals hatten sie vorerst Erfolg, denn 2005 sei die Rettung gekommen, sagt Martin Marczinowski in der Rückschau. Seitdem gehört die Gemeinde Buchholz zu Herbede. Damals mussten zunächst die Vormholzer Protestanten ihre Kirche aufgeben. Das Buchholzer Gotteshaus aber wurde für die kommenden 10 Jahre gerettet. „Es waren geschenkte Jahre und es waren gute Jahre“, so Marczinowski. 2007 etwa wurde das 50-jährige Bestehen gefeiert.

Dass irgendwann der letzte Gottesdienst kommen könnte, sei schon zu diesem Zeitpunkt immer klarer geworden. „Damals wollte ich aber auch gar nicht daran denken.“ Doch die Mitgliederzahlen sanken weiter und damit das zur Verfügung stehende Geld. Mittlerweile hat die Gemeinde nur noch knapp 700 Mitglieder.

Im Frühjahr des letzten Jahres wurde die Entscheidung des Presbyteriums bekanntgegeben, dass diese Kirche als Gottesdienststätte aufgegeben werden muss. „Es war eine Entscheidung mit Verstand und Herz.“ Mit Herz, vor allem, so tröstete Martin Marczinowski seine Gemeinde, weil der Förderverein das Gebäude erhalten werde.

Doch wie geht Pfarrer Marczinowski als Theologe mit dem Beschluss um? „Als Protestant muss ich sagen: Die Kirche ist etwas Vorläufiges. Das Reich Gottes ist das Ziel.“ Seiner Gemeinde möchte er einen Spruch aus dem 1. Korintherbrief mitgeben: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei.“. Denn: „Wenn wir in Zukunft notgedrungen diese Predigtstätte schließen müssen, dann ist das doch wohl hoffentlich nicht das Ende eures Glaubens. Der Glaube sollte mehr sein als eine Kirche.“

Förderverein plant erste Veranstaltungen – u.a. mit WDR und Landtagspräsidentin

Die regelmäßigen Gottesdienstfeiern sind in der Buchholzer Kirche damit beendet. Pfarrer Martin Marczinowski wird in den kommenden Wochen noch Urlaub haben. Ende August wird er in der Herbeder Kirche offiziell verabschiedet. Für Gläubige wird ab sofort eine Fahrgelegenheit eingerichtet, die sie zu den Gottesdienstfeiern in die Herbeder Kirche bringt.

Das Buchholzer Gotteshaus soll zum 31. Dezember entwidmet werden. „Das ist nur noch ein Schreibtischakt“, weiß Presbyter Helmut Gaul, der sich auch als Geschäftsführer im neuen Förderverein Bündnis für Buchholz engagiert. Noch sei also nicht ganz Schluss: Bis Jahresende dürften noch Trauungen und Kindergottesdienste stattfinden. Für Trauerfeiern werde die Kirche auch nach ihrer Entwidmung weiter zur Verfügung stehen.

Statt Abendmahl mit Traubensaft werde das Gebäude aber bald mit „Käse, Frankfurter Mettwurst, frischem Brot, Wein und guter Unterhaltung“ belebt. So zumindest lautet das Motto, unter dem der Förderverein ab Juli immer einmal im Monat einlädt.

Vorsitzender Peter Niemann, freut sich schon auf den November: „Dann kommen Landtagspräsidentin Carina Gödecke und die WDR-Sendung ’Hallo Ü-Wagen’.“