Britta Lennardt macht seit 15 Jahren Kindertheater

Britta Lennardt feiert mit dem Brille-Theater ihr 15-jähriges Jubiläum.
Britta Lennardt feiert mit dem Brille-Theater ihr 15-jähriges Jubiläum.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Zum kleinen Jubiläum ihres Brille-Theaters hat Britta Lennardt das erste Stück neu inszeniert: den Quastenför. Den gibt’s aber eigentlich gar nicht.

Witten..  Sie ist untrennbar mit dem Kindertheater „Brille“ verbunden – und das jetzt schon seit 15 Jahren. Damals erschuf Britta Lennardt den „Quastenför“, der ihrem ersten Stück zwar den Namen gab, aber selbst nie in Erscheinung trat. Was es damit auf sich hat, verrät die 44-Jährige im folgenden Gespräch, in dem es außerdem um Schlafprobleme, ihre Hochzeit und ein Botaniklexikon geht.

Wenn Sie zurückblicken: Ihr erster Gedanke?

Britta Lennardt: Ich wundere mich selbst und denke: Ups, toll, wie sich alles entwickelt hat – zu einem kleinen Unternehmen, das stabil läuft. Zum Team gehören inzwischen sieben Leute plus Techniker.

Sie haben keine Schauspielschule besucht. Wie sind Sie zum Theater gekommen?

Bei einem kreativen Workshop bin ich, ja, fast sowas wie entdeckt worden. Ich habe gespielt und die Leute waren so still. Hinterher hat man mir gesagt: Du musst das machen. Ich war aber nicht bereit, den schweren Weg mit Aufnahmeprüfungen zu gehen. Ich bin sehr sensibel, hatte Angst vor der Konkurrenz. Ich bin sehr spielerisch und naiv an die Sache herangegangen. Eins hat sich aus dem anderen ergeben und ich bin dem gefolgt. Das war ähnlich wie bei meiner Hochzeit. Da gab’s ein rustikales Büffet, die Torte hat eine Freundin selbst gemacht und der VW-Käfer war mit Schleifchen geschmückt.

Warum machen Sie Kindertheater?

Ich habe schon immer ein Herz für Kinder gehabt. Eigentlich bin ich ja Grundschullehrerin, habe also zunächst den sicheren Weg gewählt. An der Gerichtsschule habe ich mein Referendariat gemacht, war dann anderthalb Jahre im Schuldienst. Mein Vater war auch Lehrer, mein Mann ist es noch. Wir sind ein Lehrergeschlecht.

Sie schreiben Ihre Stücke selbst. Wie entstand das erste?

In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich Schlafprobleme und wollte die Zeit nutzen. So entstand nachts am Schreibtisch der Quastenför. Und was dann passierte, war wunderbar. Ich habe es einer Freundin vorgelesen, die Theater spielt, und sie sagte sofort, sie würde mitmachen. Wir haben dann auf der Couch geprobt, dabei viel gelacht und es später meinem Mann im Wohnzimmer vorgespielt. Und dann war das mit dem Brille-Theater wie mit einem Schiff, bei dem man die Segel hisst.

Ein unbekanntes Wort

Wer das Stück nicht kennt, wundert sich über den Quastenför. Wer oder was ist das?

Es ist ein Fantasiewesen, das ich mir beim Durchblättern eines Botaniklexikons ausgedacht habe, eine Mischung aus Quastenflosser und Föhre. Das Wort sollte es noch nicht geben. Im Stück schiebt das Mädchen Pauline, dem ständig Missgeschicke passieren, immer alles auf den Quastenför.

Zum kleinen Jubiläum haben Sie das Stück neu inszeniert. Was ist anders?

Früher habe ich darin das Kind gespielt, jetzt die Mutter. Ich werde schließlich älter, die Dinge müssen sich ändern. Erst musste ich schon schlucken, aber jetzt genieße ich’s. Ansonsten gibt es ein neues Bühnenbild und neue Kostüme, aber der Text ist fast der gleiche. Er hat nichts von seiner Aktualität verloren. Es geht darum, Kinder in ihrer Persönlichkeit zu bestärken.

Sie machen also, wie man so schön sagt, pädagogisch wertvolles Theater?

Das hört man als Künstlerin ja nicht so gerne. Ich mache Theater mit einer Botschaft. Ich möchte damit die Seelen berühren und habe den Wunsch, dass das Theater etwas im Betrachter verändert. Er kann sich einfach nur gut unterhalten oder davon bewegt sein.

Die Silberne Hochzeit wird groß gefeiert

Was bedeutet Witten für Sie?

Ich bin in Dortmund aufgewachsen, das ist meine Heimat. Aber Witten ist mein Zuhause. Die Stadt bietet eine sehr kreative Plattform für mich und meine Arbeit.

Ihre beiden Töchter sind 13 und 16. Ein stressiges Alter?

Nein, ich genieße es, dass wir uns mehr und mehr auf Augenhöhe begegnen. Wir leben hier inzwischen mehr wie in einer WG.

Nächstes Jahr haben Sie und Ihr Mann Stefan Silberne Hochzeit. Feiern Sie?

Ja, das soll diesmal richtig groß werden. Ich bin so froh, dass ich mit diesem Mann verheiratet bin, das muss gefeiert werden und alle sollen daran Anteil haben.