Brasilianer gaben Anstoß für Ermittlungen gegen Drogenring

Ein Drogenspürhund fand den Koffer des mutmaßlichen Wittener Kuriers.
Ein Drogenspürhund fand den Koffer des mutmaßlichen Wittener Kuriers.
Foto: Volker Hartmann / Archiv
Was wir bereits wissen
Schon 2014 wurde ein Bochumer mit Kokain in São Paulo gefasst. Die Polizei konnte nun die „Verteilerebene“ der Bande in Witten und Bochum ausschalten.

Drogen Nach dem Schlag der Polizei gegen eine international tätige Drogenbande am Sonntag werden immer mehr Einzelheiten bekannt. Nicht nur der Kurier, der am Flughafen in Düsseldorf aufflog, kommt aus Witten. Auch zwei Wohnungen in Witten wurden durchsucht, weitere sieben in Bochum. Dabei stellte die Polizei scharfe Schusswaffen und geringe Mengen Rauschgift sicher.

Witten.. Inzwischen sind Haftbefehle gegen den 35-jährigen mutmaßlichen Drogenkurier aus Witten sowie gegen sieben Männer und eine Frau im Alter zwischen 28 und 37 Jahren erlassen worden. Bei den Verdächtigen handelt es sich um Deutsche ohne Migrationshintergrund.

Hinter der Bande sind die Ermittler schon seit November 2014 her, als ein Bochumer (25) den brasilianischen Behörden am Flughafen von São Paulo ins Netz ging. Die dortige Polizei erwischte ihn mit Kokain mit einem Schwarzmarktwert von 400 000 Euro. Jetzt sitzt er eine achtjährige Haftstrafe ab. Landes- und Bundeskriminalamt unterstützen seitdem die Bochumer Fahnder.

Dem Drogenring wird vorgeworfen, 100 Kilo Kokain im Wert von rund 3,5 Millionen Euro und 20 Kilogramm Marihuana für 100 000 Euro geschmuggelt zu haben. „Uns ist ein großer Schlag im Ruhrgebiet gelungen“, sagt Polizeisprecher Volker Schütte zu der Razzia am Sonntag.

Durch einen Tipp habe man gewusst, dass der Kurier von Brasilien mit Zwischenstopp in Spanien nach Düsseldorf unterwegs war. Seinen Koffer habe ein Drogenspürhund erschnüffelt. Der Wittener war sofort geständig. Zeitgleich schlugen die Beamten in Bochum und Witten zu.

Die Köpfe hat man noch nicht

Die Ermittlungen dauern an, da zwar jetzt „die Verteilerebene“ der Rauschgiftbande ausgeschaltet ist, nicht aber deren Köpfe. Festgenommen wurden meist Kurierbetreuer. Sie werben Schmuggler an, die oft in Geldnöten stecken und der Polizei größtenteils unbekannt sind. Die Betreuer organisieren dann falsche Urlaubsreisen nach Brasilien.

„Witten ist keine Hochburg der organisierten Rauschgiftkriminalität“, sagt Hauptkommissar Volker Schütte. Die Bande habe sich Witten wohl zufällig als Wohnort ausgewählt. „Es gibt noch weitere dieser Gruppen im Ruhrgebiet und wir haben noch einiges an Ermittlungsarbeit vor der Brust.“ Die Bande in Witten und Bochum sei aber zerschlagen.

Das sichergestellte Kokain war laut Polizei übrigens nicht fürs Ruhrgebiet bestimmt. Doch die Mittelsmänner in den Niederlanden warten jetzt vergeblich auf das Rauschgift des 35-jährigen Wittener Kuriers.