Branchensterben in Witten mit Happy End

Liebt ihren neuen Job und glaubt an die Zukunft der Videotheken: Filialleiterin Kimete Ramadami (25) in der „Empire“-Videothek, die fast ausschließlich Neuerscheinungen anbietet.Foto: Thomas Nitsche
Liebt ihren neuen Job und glaubt an die Zukunft der Videotheken: Filialleiterin Kimete Ramadami (25) in der „Empire“-Videothek, die fast ausschließlich Neuerscheinungen anbietet.Foto: Thomas Nitsche
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Kimete Ramadani (25) führt die nunmehr einzige Videothek Wittens an der Hans-Böckler-Straße. Ihr Verleih setzt auf Filmfans und Gelegenheitsgucker.

Witten..  Die letzte in Witten verbliebene Videothek gibt es schon seit 20 Jahren: Das „Empire“ befindet sich an der Hans-Böckler-Straße 1 und wird seit wenigen Monaten geführt von Kimete Ramadani. Die erst 25-Jährige machte ihr Hobby zum Beruf – und freut sich: denn der Filmverleih laufe gut.

Dabei ist die Blütezeit der Videotheken vorbei. Erinnern Sie sich noch an die Videokassetten, die man sich zum Beispiel in den Geschäften an der Ruhrstraße oder der Ardeystraße holte? Bei „Empire“ kann man auf ein treues Stammklientel zählen.

Rentner Werner Hedemann etwa kommt jede Woche. Er zelebriert daheim das Filmgucken regelrecht: „Wir haben eine drei Meter breite Leinwand, den Film schauen wir über einen Beamer, manchmal kommen auch Freunde. Eine Nachbarin fragt schon immer, was auf dem Programm steht.“ Diesmal „The Equalizer“, den hat Kimete Ramadani für den Herdecker beiseite gelegt. „Denzel Washington ist immer gut“, sagt sie. Jemima Potworny (19) ist zum ersten Mal da. „Ich kaufe mir keinen Film mehr, solange ich nicht weiß, wie gut der ist“, sagt sie. Online ausleihen möge sie nicht, „weil ich dann die Bonus-Sachen nicht habe.“

Sortiment ist querbeet sortiert

Wer geht heute noch in die Videothek? „Filmenthusiasten, die das gesamte Werk sehen möchten“, sagt Günter Hellwig von den Empire-Videotheken, die etwa ein Drittel Marktanteil in Deutschland halten. Und ist der Filmverleih ein Saisongeschäft? „Früher ja, inzwischen nicht mehr“, sagt Kimete Ramadani und zeigt die Bilanz vom letzten Wochenende: 222 Kunden, trotz bestem Grillwetter. Das Klientel habe sich geändert – so werden vorwiegend Blu-Ray-Discs nachgefragt, um der Qualität willen. Sie setzt fast ausschließlich auf neue Filme. Und zwar querbeet sortiert, weil die Kunden stöbern sollen. Was übrigens, so Ramadani, am besten laufe, seien Serien und Spiele für die Playstation 4.

Wo ist eigentlich diese gewisse andere Abteilung? Für die zensierten Filme gibt es von außen einen Extra-Eingang, zeigt Ramadani. Heimlich hinter den Vorhang gucken, das geht also nicht mehr.

Die Vormholzerin war früher selbst Stammkundin der Videothek, „ich bin halt Filmfan“. Gelernt hat die junge Mutter Restaurantfachfrau. Aber irgendwie musste was anderes her, „kochen muss ich auch zuhause.“ Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es nun, die neuen Bestellungen auszusuchen, gibt sie zu, nimmt den gelben Textmarker und murmelt: „96 Hours Taken 3. Den nehm’ ich.“