Bootspartie auf dem Borbach

Eine winterliche Spritztour mit dem Kajak auf der Borbach unternimmt hier Helmut Heemann.
Eine winterliche Spritztour mit dem Kajak auf der Borbach unternimmt hier Helmut Heemann.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Helmut Heemann und Christoph Kessler wollen im Winter nicht aufs Kanufahren verzichten. So wählen sie Routen vor der Haustür – etwa auf dem Borbach.

Witten..  Seit 1998 geht Friedhelm Werner täglich am Hammerteich mit seinem Hund spazieren. Aber sowas hat der 75-Jährige in all den Jahren nicht gesehen: Da sitzen zwei Herren in Neopren in ihren kleinen Plastikkajaks und schieben sich die Windungen des Borbachs entlang.

Helmut Heemann und Christoph Kessler könnten Vater und Sohn sein, aber es sind Kanu-Lehrer und -Schüler. „Aber wir sind auch normal denkende Menschen“, ergänzt Heemann, der als Hobby eine Kanuschule betreibt. Erlebt haben sie schon vieles: Im Sommer fahren sie Wildwasser-Strecken in den Alpen, in Slowenien oder Frankreich. Im Winter liegen ihre Strecken im Umkreis, sind aber nicht minder anspruchsvoll: durch Monschau etwa, rät Heemann. Svenja Kessler, Kanutin und Gattin von Christoph, lobt die Wupper und die Erft. Und die Volme! „Bei der Volme muss man schon im Regen los fahren, sonst hat sie unten kein Wasser mehr.“

Aber dieses Rinnsal von Borbach ist natürlich kein Kanuten-Gebiet. „Die Idee kam mir Weihnachten beim Klavier spielen“, erklärt Heemann. „Der Borbach müsste eigentlich genug Wasser haben.“ Am zweiten Weihnachtstag vor 30 Jahren, bei „Hochwasser“, hatte er die Erstbefahrung des Borbachs gewagt. Die Tour glückte. „Aber ich habe damals meinen schicken Pepita-Hut verloren.“

Beim zweiten Versuch am letzten Sonntag war der Bach rappelvoll. Statt Hut tragen sie Helm, aber auf die sonst übliche Schwimmweste verzichten sie – bei einem Wasserstand von nicht mals 40 Zentimetern und einer Bachbreite von gut einem Meter. „Die Leute lachen uns doch aus.“ 2,5 Kilometer sind befahrbar, zwischen der Straßenbrücke am Kohlensiepen bis zum Hammerteich. Etwa anderthalb Stunden brauchten sie dafür, denn viele Stellen (Brücken, umgekippte Bäume) müssen zu Fuß überbrückt werden.

Das wollten wir sehen! Helmut Heemann und Christoph Kessler schleppen erneut ihre Ausrüstung zum Borbach und frieren sich fast die Füße in ihren dünnen Plastikschuhen ab. 3 Grad hat das Wasser. „Aber man fährt auch bei minus 10 Grad Ski“, sagt Heemann. „Es kommt auf die Ausrüstung an.“

Der grauhaarige Herr möchte „aus Imagegründen“ weder Alter noch Beruf nennen. „Paddelstudienrat“, witzelt er, das ginge, und zeigt seinen Trick mit den kalten Händen: Der Unterkörper steckt schließlich in dem wärmenden Kokon des Bootes, obenrum gibt es Schutzkleidung, die Hände aber sind der Schwachpunkt. Man merke sich: beide Hände eine Minute lang ins eiskalte Wasser stecken, bis sie schmerzen. Dann die Arme kreisen, „dass das Blut in die Fingerspitzen schießt“. Bis es schmerzt. „Und das drei Mal.“

Oje. Dann bitten wir hiermit um die Drittbefahrung des Borbachs. Nun Kessler und Heemann steigen ein. Kessler ist zu schwer, der Bootsboden hängt im Bachbett. Mit ruckenden Bewegungen schiebt er sich vorwärts, ein Lachanfall lässt sich nicht vermeiden. Heemann kann ein bisschen paddeln, muss sich aber mit den Händen abdrücken. Der Borbach hat inzwischen einfach zu wenig Wasser. Spaziergänger Friedhelm Werner schaut lachend vom Ufer aus zu. „Hören Sie auf! Sie machen sich doch den Boden ihrer Joghurtdose kaputt!“

Schade. Aus der Drittbefahrung wird nix. Heemann und Kessler schnallen ihre Boote auf ihr Autodach und fahren weiter – zur Müngstener Brücke. Kessler: „Auf zur Wupper. Wupper ist super.“