Bochumer wollen sich Wittener Fähre angeln

Der „Iserne Gustauv“, Gustav Diergardt (r.), war der letzte Fährmann der „Stiepeler“ Fähre.
Der „Iserne Gustauv“, Gustav Diergardt (r.), war der letzte Fährmann der „Stiepeler“ Fähre.
Foto: Stadt Bochum
Was wir bereits wissen
Initiative möchte alte „Hardenstein“ zwischen Stiepel und Blankenstein einsetzen. Wabe erwägt, das Fahrzeug zu stellen und auch selbst zu betreiben.

Witten.. Drei Männer aus Stiepel wollen erreichen, dass es wieder eine Fährverbindung zwischen Stiepel und Blankenstein gibt. Sie haben dafür auch schon ein Fahrzeug „an der Angel“: Am liebsten würden sie dort die alte – die kleine – Fähre Hardenstein einsetzen, die in Witten 2010 durch eine größere Fähre abgelöst wurde.

Im zehnten Jahr betreibt die Wittener Wabe jetzt eine Fähre zwischen Schleusenwärterhaus und Ruine Hardenstein, mit zuletzt 140 000 Fahrgästen im Jahr. Wabe-Geschäftsführer Thomas Strauch bestätigt die Anfrage aus Bochum und kann sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen. Verkaufen will er die alte Fähre dabei nicht. Sein aktuelles „Denkmodell“ sieht so aus, dass die Wabe selbst den Betrieb zwischen Stiepel und Blankenstein übernimmt – und die Fähre gleich mitbringt. „Wir hätten dann eine Fährmannschaft, die beide Fähren bedient,“ so Strauch.

Einsatz nur an etwa drei Tagen

Der neue Fährbetrieb müsste etwa 30 000 Euro abwerfen, um Kosten zu decken, für die es keine Förderung gibt. Anders als in Witten, wo sie in der Saison an sieben Tagen von 9 bis 21 Uhr fährt, soll die Stiepeler Fähre zunächst nur freitags bis sonntags fahren. 15 000 bis 20 000 Fahrgäste hält Strauch für realistisch. Um die Kosten einzuspielen, müsste jeder Fußgänger 1 Euro Fährgeld bezahlen, jeder Radfahrer 1,50 Euro.

Die alte „Hardenstein“, zugelassen für 16 Personen, ist in Witten das Ersatzfahrzeug für die neue, die für 45 Fahrgäste ausgelegt ist. Aber, so Strauch: „Das neue Schiff ist so zuverlässig, dass wir Ausfalltage eigentlich nur bei Hochwasser haben – und dann darf die kleine auch nicht fahren.“ Indem sie in Bochum einsteigt, würde die Wabe also „Kapital einsetzen, das hier liegt und davon auch nicht besser wird“.

Angedacht ist eine Verbindung zwischen „Alte Fähre“ und der Schleuse Blankenstein, um zwischen Kemnader Brücke und Koster Brücke eine Möglichkeit zu schaffen, das Ufer zu wechseln.

Die Fahrt würde nur wenige Minuten dauern. Gustav Diergardt war der letzte Fährmann dort. Mit einer Glocke konnte man den „Isernen Gustav“ rufen, dann kam er angerudert. 1960 war Schluss mit dieser Verbindung. 200 Jahre hatte sie bestanden. Drei Stiepeler wollen sie wieder fahren lassen: Pfarrer Jürgen Stasing, Horst Schott und Klaus Thormälen haben die „Projektinitiative Ruhrfähre“ ins Leben gerufen. Schon einmal – 2008, als die Stiepeler Dorfkirche 1000 Jahre alt wurde – hatte das Trio einen Vorstoß gewagt, sich allerdings ein deutliches „nein, geht gar nicht“ abgeholt.

„Das aber lag daran“, so Thormälen, „dass das von uns angedachte Gebiet Wassergewinnungsgebiet ist.“ Das allerdings nur noch bis Ende des Jahres. Dann bekommt Bochum das Trinkwasser aus dem Gelsenwasser-Wasserwerk Herbeder Straße in Witten. Deshalb der neue Vorstoß. Nun sollen mehr Menschen mitmachen, mehr Menschen informiert, mehr Menschen überzeugt werden.

Trinkwasser aus Witten für Bochum

Die Trinkwassergewinnung am Wasserkraftwerk Stiepel Blankenstein soll 2015/2016 eingestellt werden. Die Stadtwerke Bochum hätten für 20 Mio. Euro die Aufbereitung von zwei auf vier Stufen ausbauen müssen. Stattdessen bauen sie für 7,5 Mio. Euro die Leitung von Witten nach Bochum.

Erhalten bleibt aber die Produktion von Ökostrom durch Wasserkraft. Dafür wird die Anlage bis 2017/2018 erneuert.