Blumengeschäft zieht in Gotteshaus

Dirk und Kathrin Arntzen freuen sich auf den Einzug in die ehemalige Kirche
Dirk und Kathrin Arntzen freuen sich auf den Einzug in die ehemalige Kirche
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Dirk und Kathrin Arntzen aus Witten hatten einen Traum: Sie wollten für ihren Floristikbetrieb im Stockumer Bruch ein neues Ladenlokal finden. Wie der Traum jetzt Wirklichkeit wurde

Witten..  Seine Meisterprüfung als Florist legte Dirk Arntzen im Xantener Dom ab. Viele Jahre später zieht es den heute 46-Jährigen wieder beruflich in ein Gotteshaus. Der Wittener und seine Frau Kathrin haben die Kirche der Neuapostolen an der Pferdebachstraße/Ecke Stockumer Straße gekauft. „Für uns wird damit ein Traum wahr“, sagt Dirk Arntzen.

Ein Traum, der für den Erben eines seit 85 Jahren in Witten ansässigen Floristikbetriebes erst in den vergangenen Monaten greifbar geworden war. Denn über vier Jahre befand sich das Gebäude mit rund 250 Quadratmeter Wohnfläche auf dem Immobilienmarkt, bevor es für die Arntzens überhaupt erschwinglich wurde. „Wir haben es seit 2010 im Auge gehabt. Die Lage hier an der großen Verkehrsader ist top. Die Kirche ist von innen in einem sehr guten Zustand. Das Grundstück von über 1000 Quadratmeter kommt unseren Vorstellungen von einem modernen Blumengeschäft entgegen.“ Als die Besitzer den Kaufpreis senkten, griffen die Arntzens zu. „Da waren wir dann doch die ersten. Wahrscheinlich, weil sich niemand anderer so leicht vorstellen konnte, in einer ehemaligen Kirche zu wohnen oder zu arbeiten.“

Hohe Decken und Empore sollen bleiben

Für Dirk Arntzen ist der Gedanke aber kein Hindernis. „Die Gläubigen schwinden. Die Kirchen werden nicht mehr gebraucht. Da ist es doch gut, etwas Sinnvolles mit den Gebäuden zu machen. Und Blumen sind doch etwas Schönes. Es hätte hier ja auch ein Beerdigungsinstitut einziehen können.“ Und: Die Arntzens mögen den Charakter des ehemaligen Gotteshauses, das im Jahre 1989 erbaut wurde. „Die hohen Decken sind herrlich.“ Neun Meter hoch erstrecke sich die Wölbung. „Die wollen wir erhalten, genau wie die Empore. Da wird unser Büro entstehen.“ Ein bisschen umbauen müssen die neuen Besitzer dennoch, zurzeit bevölkern Handwerker die Räume. „Wir brauchen Schaufenster, einen Liefereingang und eine Klimaanlage. Außerdem wird der Boden gefliest.“ Einer der Räume werde an eine Immobilienfirma als Büro vermietet.

Kunden finden es interessant

Noch vor Ostern sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann will das Ehepaar sein Blumengeschäft vom Stockumer Bruch in die Kirche verlegen. „Die Gärtnerei bleibt, wo sie ist“, erzählt Kathrin Arntzen. Nur der Laden ziehe um. „Für unsere Kunden ändert sich nicht viel. Die Anfahrt zu unserem neuen Standort ist weniger beschwerlich. Das Problem mit dem Anliegerverkehr fällt weg. Und genügend Parkplätze gibt hier es auch“, betont die 38-Jährige. Um genau zu sein zwölf, fügt Ehemann Dirk hinzu. Bedenken aus der Kundschaft habe er ob des neuen Domizils auch nicht gehört, im Gegenteil. „Viele Kunden haben gesagt, dass sie es interessant finden, dass sie jetzt in einer Kirche Blumen kaufen können.“ Auch die drei Kinder der Arntzens, 16, zwölf und acht Jahre alt, ziehen mit. „Als wir ihnen gesagt haben, wir wollen eine Kirche kaufen, fanden die das nur gut“, sagt Kathrin Arntzen. Auf die Frage, ob er selbst gelegentlich in die Kirche gehe, nickt Dirk Arntzen. „Vielleicht nicht so oft, wie ich sollte - da wir auch sonntags geöffnet haben, ist das mit den Zeiten schwierig. Aber ich bin gläubiger Christ.“ Außerdem werde sich das ja auch jetzt ändern mit den Kirchgängen. „Ab April stehe ich jeden Tag in der Kirche.“