Blinkende Gedanken enthüllen Sinn des Festes
26.12.2010 | 14:23 Uhr 2010-12-26T14:23:00+0100
Witten.„Hoffentlich ist auch Andromedar wieder da“, sagt Isabella auf der Fahrt zum Saalbau. Ganz gespannt ist die Zehnjährige wieder auf die Weihnachts-Oase der Martin-Luther-Kirchengemeinde. Denn sie ist nicht zum ersten Mal dabei.
Diesmal bricht der Saalbau noch nicht vor dem Besucheransturm auseinander und wir können uns in Ruhe unsere Plätze suchen. Der Grund liegt draußen: der viele Schnee. Endlich geht es los: Ein großes Maul ist schon zu sehen, dann kommt das braune Höckertier gemeinsam mit Peter Unger vor den Bühnenvorhang. „Es sind immerhin doch eine Menge Leute gekommen“, blicken die beiden freudestrahlend umher. Zwar sind die hinteren Reihen frei, doch dem Familiengottesdienst schadet es nicht.
Während das bewährte Duo noch das Publikum befragt, wer denn wohl die weitestete Anfahrt hatte, schwirren schon lauter blinkende Lichter auf der Bühne umher: Es sind Gedanken. Die Herren und die Dame in Schwarz beeinflussen die Menschen mit dunklen Gedanken. Rot steht für Tradition und Grün nicht als Gegner für Atomkraft, sondern für Konsumgedanken. Während sich die Großen noch über die beliebt ironischen Äußerungen von Andromedar amüsieren, erblicken die Kleinen den Lichtgedanken – eingewickelt in einer hellen Lichterkette schreitet dieser über die Bühne. Was das wohl zu bedeuten hat? Stirnrunzeln macht sich bei Isabella breit. Jetzt wird erstmal gesungen, einstimmen aufs Fest. Und zwar mit einer deutschen Version von „Last Christmas“.
Apropos Fest: Genau hier geht es auch auf der Bühne weiter. Während die Mutter die Tafel festlich herrichtet, kommt Sohn Jonathan gelangweilt um die Ecke und hockt sich Nintendo spielend an den Tisch. Auch die Oma der Familie trägt nicht zum Weihnachtsfrieden bei, obwohl sie ihren besten Kittel frisch gewaschen und gestärkt hat. Als dann noch der Vater die Bühne mit den Worten betritt „Scheiß Baum“, hat sich auch der letzte im Publikum lachend wieder erkannt: Alle Jahre wieder – jeder versucht seinen Spagat zu schaffen.
„Doch was war denn eigentlich noch der Weihnachtssinn? Warum feiern wir Jahr für Jahr?“, fragt Diakon Peter Unger. Für jeden gibt es eine andere Antwort. „Gott will dein Freund sein“, sagt der Weihnachtsgedanke zu Jonathan. Für die Oma ist es, nicht mehr die schwere Last des Gedenkens an den verstorbenen Mann tragen zu müssen. Und auch die Mutter darf sich an Weihnachten einfach mal ausruhen. Nur leider lassen die drei den Lichtgedanken immer wieder von den schwarzen, grünen und roten Gedanken übertönen. Nur einer nicht: der Vater. Er lässt Jesus in sein Leben hinein.
Und wie jedes Jahr wird auch diesmal „Gloria in excelsis deo“ zum Abschluss gesungen – gefolgt von der Premiere einer Zugabe. Wieder einmal hat das Team es geschafft, im Saalbau eine zugleich besinnliche und erheiternde Oase inmitten der Weihnachtshektik zu schaffen.
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