Das aktuelle Wetter Witten 4°C
Witten

Blinde: Nur gemeinsam sind wir stark

04.08.2011 | 15:12 Uhr
Blinde: Nur gemeinsam sind wir stark
Marion Tölle ist Vorsitzende des Blinden- und Sehbehinderten-Vereins Witten. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Witten. „Nur gemeinsam ist man stark. Darum ist es so wichtig, sich im Verein zu engagieren.“ Marion Tölle ist Vorsitzende des Blinden- und Sehbehinderten-Vereins Witten. Der besteht jetzt seit 90 Jahren.

Marion Tölle ist 56 Jahre alt und blind. Sie sorgt mit dem Verein dafür, dass sich Menschen, die das Augenlicht verlässt oder verlassen hat, in der Stadt orientieren können. „Da ist ja schon viel passiert“, sagt sie nicht ohne stolz. Und bescheinigt der Stadt sogleich guten Willen und Kooperationsbereitschaft. Blindenampeln gebe es in zwischen. Und die Stadt würde stets zügig reagieren, wenn der Hinweis käme, dass eine davon defekt ist.

Bevor der Bau des Busbahnhofs startete, wurden „wir gefragt, wo Tafeln, wo Aufmerksamkeitsfelder, also diese Bürgersteigstücke mit den dicken Noppen zur Orientierung“, angebracht seien. Es gebe eine Leitlinie für Blinde vom Bahnhof zur Ampel. „Und bald soll es so eine Linie auch vom Berliner Platz gleich ins Einkaufszentrum geben“, freut sich die Wittenerin. Sie beschreibt das Problem einer fehlenden Linie so: „Sagen Sie einem Blinden mal, er soll einfach geradeaus über den Platz gehen. Nach drei Schritten driftet er ab.“

46 Mitglieder zählt der Verein. „Die Zahl geht zurück. Leider ist es schwer, junge Leute zu gewinnen.“ Doch Marion Tölle findet: „Wer Blindengeld bekommt, der gehört auch in einen Verein.“ Denn ohne das Engagement von Blindenvereinen gäbe es das Blindengeld nicht. „In manchen Ländern wird es nicht mehr gezahlt. NRW macht das noch. Aber für die Interessen muss man sich gemeinsam einsetzen.“ Darum ist ein Ziel des Vereins, selbigen für Jüngere attraktiv zu machen. „Da überlegen wir noch, was wir tun können.“

Denn das Angebot ist bereits umfang- und abwechslungsreich. Seit Februar 2009 gibt es an jedem ersten und dritten Dienstag im Monat eine Beratung für Betroffene von 14 bis 16 Uhr im Rathaus (Zimmer 232). Zum Stammtisch treffen sich die Mitglieder an jedem vierten Mittwoch im Monat um 16.30 Uhr im Ratskeller.

Auch Bewegung steht auf dem Programm. Die Wandergruppe - entstanden 1967 - ist sehr aktiv. „Jeden Monat gibt es eine Wanderung“, so Marion Tölle. Dazu kommen Sommerausflug und Sommerfest, Adventfeier und Aktionen wie das „Café Schwarz“ am „Aktions- und Begegnungstag Barrierefreies Witten“, in dem Kaffee und Kuchen in völligem Dunkel genossen werden konnten, damit Sehende verstehen: So fühlen sich Blinde.

„Ganz neu haben wir ein Wochenendseminar anbieten können. Denn die Krankenkassen haben nicht nur einen Topf für Büromaterial, sondern auch für Seminare“, sagt Tölle. Eine blinde Referentin informierte über Mimik und Gestik. „So etwas wollen wir öfter organisieren.“

Doch zunächst wird gefeiert: Und zwar am Samstag, 13. August, ab 15 Uhr in den Räumen der „Wittener Kanuslalom Gemeinschaft“. Langjährige Mitglieder sollen geehrt werden: Rudi Leopold z.B. ist seit 60 Jahren dabei. Beate Telgheder gehört auch zum Verein. Sie wird Akkordeon spielen. Info: 424032.

Liliane Zuuring

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4932667/create

Aktuelle Fotos und Videos
Schäden am Rathaus
Bildgalerie
Bauschäden
Die 5. Nacht der Offenen Kirchen
Bildgalerie
Kirchennacht
Deutschland vor...
Bildgalerie
Fan-Artikel
Aus dem Ressort
Leise bröckelt der Putz
Rathaus
Der vom Rande des Rathausdaches abgeplatzte Beton liegt noch auf dem Gehweg, der Bereich wurde großräumig abgesperrt. „Am Freitagnachmittag wurde per Gerüst ein Fußgängertunnel errichtet, damit die Leute wieder sicher hier hergehen können“, erklärt der städtische Bauleiter Udo Klapp (48).
Hunde, teuer
Debatte um Hundesteuer
In die Diskussion um die geplante Hundesteuer-Erhöhung von 50 Prozent kommt Bewegung. Sowohl die Steuerhöhe als auch der Fortfall der Ermäßigung bei bedürftigen Personen wurden im Sozialausschuss kritisiert.