Bewusst leben, bedacht einkaufen: Vom Wachsen der Wittener Bio-Supermärkte

Der Hofladen auf dem Bauernhof "Trantenrother Hof"  besteht seit rund 15 Jahren. Stefanie Dittmar bedient seit über 10 Jahren im Hofladen die Kundschaft:
Der Hofladen auf dem Bauernhof "Trantenrother Hof" besteht seit rund 15 Jahren. Stefanie Dittmar bedient seit über 10 Jahren im Hofladen die Kundschaft:
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Was wir bereits wissen
Dank steigender Nachfrage wächst auch der Hofladen am Trantenrother Weg. Vor 15 Jahren wurde er neu gebaut, als Folge der BSE-Krise.

Witten..  Ökologisch Wertvolles wird auf dem Trantenrother Hof an der Stadtgrenze zu Langendreer schon lange verkauft: Erst nach Selbstbedienungsprinzip in einer Garage, seit 15 Jahren in einem Hofladen, der sich mittlerweile zu einem richtigen Supermarkt gemausert hat. Der Wille, bewusster einzukaufen, wächst offenbar – wenn auch nur bei einem bestimmten Klientel. „Reiche und Idealisten kaufen bei uns ein“, sagt Verkäuferin Gudrun Braukmann augenzwinkernd.

Die 51-Jährige und Kollegin Stefanie Dittmar (43) verkaufen seit zehn Jahren in dem Lädchen. Da gibt es eine vielfältig gefüllte Käsetheke, zwei Kühlschränke mit Fleischwaren, eine üppige Gemüseauswahl und das Basissortiment, das von der Trockenerbse bis zum Wassereis reicht. Im Prinzip könnte man hier seinen kompletten Bedarf an Lebensmitteln decken.

Zurzeit aber geht es ganz geruhsam zu. Drei Hunde dösen vor dem Laden, auf der Bank sitzt ein Ehepaar in der Sonne. Der Hof liegt zwar zentral an der Autobahn aber irgendwie auch abseits. Wer kommt, der möchte folglich auch ein bisschen Land-Flair genießen. Der Einkauf ist nicht Pflicht, sondern Kür.

Kunden sind übrigens gerade nicht zu sehen. Denn ein Gros der Hauptkunden macht gerade Ferien – es sind die Kinder und Eltern rund um die Wittener Waldorfschulen. 150 Leute kommen mitunter an einem Samstagvormittag, nur zehn Personen an einem Ferienmontag. Sie wollen „vor allem frisches, saisonales Gemüse“, sagt Dittmar. Hokkaido, rote Beete, Kohl, Mangold, Feldsalat, Fenchel, geerntet auf dem Hof. Auch für die Eier ist man am Trantenrother Hof bekannt, deren Hühner man beim Freilauf beobachten kann.

Auch Brigitte Woitschell kauft gerade Eier, gleich drei Pakete. „Ich kaufe regional“, erklärt sie. „Ich weiß, was ich hier kaufe, kommt vom Feld nebenan. Das gefällt mir.“ Den Hof kannte die 54-Jährige schon als Kind. „Ich war Waldorfschülerin.“ Da haben wir’s wieder.

Gezahlt wurde auf Vertrauensbasis

Bis heute kommen Hofladen-Kunden brav mit Korb oder Beutel zum Einkaufen. Es gibt ja höchstens Papiertüten im Laden. Ganz versteckt hat Stefanie Dittmar auch Plastiktüten, „falls einer mal zwei Kilo Spinat möchte.“

Wie ist denn der Hofladen-Kunde so? Da grinsen die Verkäuferinnen verschmitzt und Braukmann meint liebevoll: „Naja, wir sind schon ein Hot Spot an Eigentümlichkeiten. Mancher hat eben seine eigene, verschrobene Lebensphilosophie, die hier aber gewollt ist.“ Wer bedachter lebt, kauft auch langsamer ein. „Da erzählt dir mancher an der Kasse seine Lebensgeschichte, auch wenn der nächste mit seiner Möhre wartet.“ Andererseits: Eine Dame käme regelmäßig mit ihrem Rollator aus Bommern angereist. Nur für ein paar Eier – da hat sie sich ihr Schwätzchen auch verdient.

Mit dem Hofverkauf aufwärts ging es laut Bert Schulze-Poll, Chef des Trantenrother Hofs, mit dem Neubau, ein Folge der BSE-Krise im Jahr 2000. Vorab gab es eine etwas skurrile Form des Warenerwerbs: Die Angebote waren in einer Garage mit zwei großen Flügeltüren aufgebaut. Dort bediente man sich selbst: wog das Gemüse oder füllte Milch ab. „Das Geld steckte man in eine Kiste oder man schrieb seine Schulden auf“, erinnerte sich Schulze-Poll. Mancher überwies auch vorab einen Betrag, pauschal für den ganzen Monat. „Man vertraute sich halt. Aber irgendwie hat dieses Prinzip nicht richtig funktioniert“, scheint sich Schulze-Poll regelrecht zu wundern. Zudem wurde so wenig Umsatz gemacht, dass „es sich nicht lohnte, da jemand reinzustellen“. Und jeder scheint hier zu wissen: Jeder Lebensmittelskandal, ob Gammelfleisch oder Vogelgrippe, spült mehr Kunden in den Hofladen. Man muss eigentlich nur ‘n bisschen dösen und warten.