Bewohner aus Witten retten sich durch Sprung vom Balkon

Ein Polizeibeamter begutachtet von außen die Erdgeschosswohnung in der Diakonissenstraße. Rechts ein Blick in das Kinderzimmer, in dem es gebrannt hat.
Ein Polizeibeamter begutachtet von außen die Erdgeschosswohnung in der Diakonissenstraße. Rechts ein Blick in das Kinderzimmer, in dem es gebrannt hat.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Es brannte im Kinderzimmer einer Parterrewohnung in der Diakonissenstraße. Sprungpolster und Feuerwehrleiter retteten die Bewohner im ersten Stock.

Witten.. Es hätte mehr passieren können, viel mehr. Dramatische Szenen spielten sich aus Sicht der Bewohner am Freitag (2.1.) in der Diakonissenstraße ab. Der Brand in einer Erdgeschosswohnung sorgte für so starken Qualm, dass Mietern im ersten Stock der Fluchtweg durchs Treppenhaus versperrt war. Die Polizei spricht von vier Verletzten.

Die Feuerwehr setzte ein Sprungpolster ein, was die Rettung für eine Mutter, zwei kleinere Kinder und einen Jugendlichen bedeutete. Vom Balkon aus ließen sie sich fallen. Weitere fünf Menschen – ein Mann, eine Schwangere, ein Baby sowie eine weitere Frau und ein Junge, die ebenfalls auf einem Balkon im Obergeschoss Zuflucht gesucht hatten –, wurden per Leiter gerettet. Die Bewohner kamen mit dem Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus.

„Mama, komm, Feuer!“ rief das Kind

Mittags war der Alarm bei der Feuerwehr eingegangen. „Mama, komm, Feuer!“ Eines der drei Kinder einer Familie aus dem Kosovo hatte die Flammen im Kinderzimmer entdeckt. „Als ich die Tür aufmachte, war schon alles voller Qualm“, erzählt die geschockte Mutter. Acht Personen sollen sich zu diesem Zeitpunkt in der Wohnung aufgehalten haben. Sie können sich selbst noch ins Freie retten. Als Feuerwehr und Polizei eintreffen, liegt dichter Rauch über dem Hof. Das zweigeschossige Haus liegt zwischen Diakonissen- und Westfalenstraße.

„Meine Schwester hat noch Panik gekriegt. Sie dachte, ihr Neffe sei noch im Kinderzimmer“, berichtet ein Bruder, der gerade zu Besuch ist. Der Vater kommt, als alles schon vorbei ist. Draußen im Hof: ein verkohltes Sofa, ein zerstörter Drehstuhl und anderes verrußtes Mobiliar. Alles steht in einer großen Löschwasserpfütze. Wo die Scheibe war, sieht man nur noch in ein schwarzes Loch.

Brennende Polstermöbel sorgen für viel Rauch

Gerade die brennenden Polstermöbel hätten für die enorme Rauchentwicklung gesorgt, erklärt Einsatzleiter Thomas Becker (49). Beißender Brandgeruch schlägt einem entgegen, wenn man das Haus betritt. Die Erdgeschosswohnung ist erst einmal unbewohnbar. Die Kripo ermittelt wegen der Ursache.

Es sollte nicht der einzige Brand an diesem Nachmittag bleiben. Brandamtsrat Becker war gerade zurück auf der Wache, als schon wieder Alarm ausgelöst wurde: Küchenbrand „In der Mark“! Die Bewohnerin kann die Flammen selbst löschen, kommt aber vorsichtshalber ins Krankenhaus.

Frau nicht per Handy erreicht

Derweil wird Richmond Ofori (36) aus Ghana seine Frau hoffentlich gefunden haben. Sie war es, die u.a. mit einem dreijährigen Kind vom Balkon in der Diakonissenstraße sprang. Als Richmond hinzukommt, ist die Feuerwehr schon abgerückt. Verzweifelt versucht er, seine Frau per Handy zu erreichen