Bettina Radic ist neue Datenschutzbeauftragte der Stadt

Hier fließen Millionen von Daten: Bettina Radic zeigt den Serverraum der Stadt.
Hier fließen Millionen von Daten: Bettina Radic zeigt den Serverraum der Stadt.
Foto: Jörg Fruck
Was wir bereits wissen
Gigantisch ist der Datenfluss bei der Stadt zwischen Ämtern und Bürgern. Bettina Radic hat ein Auge darauf, dass die Sicherheit gewährleistet ist.

Witten..  Zwei Zahlen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte: Es gibt in Deutschland 30 000 Vorschriften zum Umweltschutz. Und satte 80 000 Datenschutz-Vorschriften.

Was zeigt, wie wichtig das Thema im Internet- und Handy-Zeitalter ist. Gerade auch bei Kommunen, wo täglich Unmengen an Daten zwischen Ämtern hin- und herfließen, aber auch zwischen der Stadt und ihren Bürgern.

„Die Kollegen haben richtig darauf gewartet, dass sie wieder einen Ansprechpartner haben“, sagt Bettina Radic. Die 45-Jährige ist neue Datenschutzbeauftragte der Stadt Witten. Seit Juli 2015 war die Stelle unbesetzt. Da war Vorgänger Heinz-Josef Göbeler in Ruhestand gegangen. Seit 2000 ist es verpflichtend, dass größere Firmen und Kommunen einen Datenschutzbeauftragten haben.

Bettina Radic, die sich in einer internen Ausschreibung durchsetzte, sieht ihre breite Verwaltungserfahrung als Vorteil für ihre neue Stelle: Lange Zeit war sie im Sozialamt, außerdem in der Vorläuferbehörde des heutigen Stadtmarketings und zuletzt stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte. Insgesamt ist sie seit 27 Jahren bei der Verwaltung beschäftigt.

Schon beim Online-Service der Stadt geben Bürger persönliche Daten weiter

„Ich finde es spannend, Mitarbeiter für den Datenschutz zu sensiblisieren. Für viele Kollegen wirkt das selbstverständlich. Aber man denke nur an Mails, bei denen sich mancher nicht klarmacht, wie viele sie mitlesen können“, meint Radic.

Wer darf Zugriff auf die Lohn- und Gehaltsdaten der 1400 städtischen Mitarbeiter haben? Dürfen in Urlaubspläne auch Krankenstände aufgenommen werden? Darf die Krankenquote einzelner Ämter öffentlich dargestellt werden? Auf solche und viele andere kniffelige Probleme muss die Datenschutzbeauftragte ein Auge haben. Für den Bürger beginnt die Datenweitergabe schon, wenn er beim E-Government, dem elektronischen Rathausservice, Online einen Termin bei der Bürgerberatung vereinbart. Denn dazu muss er Vor- und Zunamen und E-Mail-Adresse angeben. Zudem klickt er eine Einverständniserklärung an, dass seine Daten zwar nicht an Dritte weitergeleitet, aber zu statistischen Zwecken genutzt werden dürfen.

Der Schutz von Sozialdaten ist ein großes Thema

„Ein großes Thema ist der Sozialdatenschutz“, sagt Radic. Beispiel Jugendamt: Wegen der Vielzahl unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge bekommt die Behörde acht neue Mitarbeiter, die in die bestehenden Büros integriert werden. „Da darf es natürlich nicht so sein, dass ein Besucher mithört, wenn mit einem anderen etwa darüber gesprochen wird, dass er mit dem Kindsunterhalt im Rückstand ist“, gibt die Datenexpertin ein Beispiel.

Das Problem wird sich in nächster Zeit noch verstärken, wenn im Rahmen des Rathaus-Umbaus 150 Mitarbeiter mehr dort einziehen werden. Radic: „Zur Planung der neuen Büros gibt es deshalb eine Projektgruppe. Bei der wirken auch Kollegen des Bauordnungs- und Personalamtes, der Projektsteuerer und ich mit.“

Bürger können die Datenschutzbeauftragte Bettina Radic erreichen unter: Tel. 581-1019 oder datenschutz@stadt-witten.de