Betrüger bringen falsches Silber ins Pfandhaus

Um an Geld fürs Koksen zu kommen, griffen ein 46-Jähriger und sein Onkel zum Silberbesteck: Sie brachten es ins Pfandhaus -- unter anderem in Witten. Erst später merkten die Geschäfte: Das Silber war gar kein Silber. Vor dem Amtsgericht wurde das Duo nun zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Der 46-Jährige muss wegen Beihilfe zum Betrug in fünf Fällen für ein Jahr und acht Monate in Haft, sein Onkel, ein 62-Jähriger, ein Jahr wegen Beihilfe in zwei Fällen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Verteidiger in Berufung gehen, sie hatten Freisprüche gefordert. Die Angeklagten hatten ihre Unschuld beteuert und argumentiert, sie hätten nichts vom „falschen Silber“ gewusst. Laut Aussage der beiden Dortmunder waren sie zum Tatzeitpunkt im August 2013 schwer drogenabhängig. Die Hartz-IV-Empfänger wollen dann in Dortmund von einem Mann beauftragt worden sein, Silberbesteck in Leihhäusern zu Geld zu machen: Einem Rumänen, Codename „Kobra“, der mit einem schwarzen Mercedes und beigen Sitzen unterwegs gewesen sei. Dafür bekamen sie nach eigenen Angaben etwas „Taschengeld“ und Kokain, „Kobra“ machte Reibach.

Mit den Bestecksets, die jeweils aus über hundert Teilen bestanden, machten sich die Männer auf den Weg in die Pfandhäuser. In Herne bekam der Jüngere in einem Fall 2000 Euro ausgezahlt, sein Onkel in Witten in zwei Fällen 4600 Euro. Es folgten zwei Fälle in Bremen.

Was die Besitzer der Pfandhäuser nicht wussten: Es handelte sich nicht um massives Edelmetall - das Besteck war einfach versilbert und mit einem Stempel versehen worden. Trotz Tests mit Lupe, Feile oder Säure flog der Schwindel zunächst nicht auf. Erst als sich die Abgabe von Silberbestecken häufte - angeblich immer „aus Omas altem Hotel“ -, sei er misstrauisch geworden, sagt ein Leihhausbetreiber. Er griff zum Mikroskop, der Betrug flog auf. Sein Urteil: „Das Silber wurde sehr professionell gefälscht.“

Vor Gericht kristallisierte sich heraus, dass die angeklagten Fälle wohl nur die Spitze eines riesigen Eisberges an Taten sind, die Banden in ganz Deutschland begehen - und „kleine Fische“ wie den 62-Jährigen und seinen Neffen, zwei Männer vom Zirkus, ausnutzen und ins Pfandhaus vorschicken.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE