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Böser Brief am Auto

Beschimpfungen per Brief

25.07.2012 | 18:41 Uhr
Beschimpfungen per Brief

Witten. „Ich wünsche Ihnen einen baldigen Motorschaden mitten im Nichts um 23 Uhr bei minus 18 Grad.“ Solch ein Zettel mit weiteren Beschimpfungen hing hinter dem Scheibenwischer des Anneners Ulrich Volmerhaus. Er hatte außerhalb gekennzeichneter Flächen geparkt - das ist illegal.

Die Situation in der Noellestraße in Annen für Autos ist eng. Zu wenige offizielle Parkbuchten für zu viele Autos. Oft kann man Pkw außerhalb der Flächen stehen sehen. Denn in der nächstgelegenen Straße zu parken, das wollen die Wenigsten. Manchmal stecken auch blaue Zettel vom Ordnungsamt hinter den Scheibenwischern. Ulrich Volmerhaus stellt sein Auto ebenfalls häufig so ab. Er achte aber immer darauf, niemanden zu behindern. „Ich weiß, dass ich es nicht darf, aber was soll ich machen? Zumindest ein wenig in der Nähe meiner Wohnung möchte ich schon parken. Sonst laufe ich länger, als ich Auto fahre.“

Eines Morgens hing der Zettel mit den harten Worten an seiner Windschutzscheibe. „Unfähiges Arschloch“ und „Wenn Sie noch mal so parken, kippe ich Ihnen Gülle in die Lüftung“ steht auf dem beleidigenden Papier. Da habe er erst einmal schlucken müssen, so Volmerhaus. Dass der Schreiber dem Annener die Höflichkeit des Siezens erweist, wird bei solchen Kraftausdrücken zur Nebensache.

Von wem der Zettel kommt, weiß der 55-Jährige nicht. Computergeschrieben und anonym war die Beleidigung. Bei der Polizeiwache Witten, wo er den Zettel hinbrachte, konnte man ihm nicht helfen. Hier sagt ein Polizist: „Wir kriegen kaum solche Fälle rein. Das liegt vermutlich daran, dass nur wenige Autofahrer zu uns kommen, wenn sie solche Zettel an ihren Wagen finden.“ Von einer Anzeige hat Ulrich Volmerhaus abgesehen. „Dann liegt sie wochenlang in der Schublade bei der Polizei und irgendwann wird das Verfahren eingestellt. Das nutzt mir auch nichts.“

„Vollidiot“, „Wer so parkt, sollte gar kein Auto mehr fahren“ oder „Unkollegiales Verhalten“, solche Zettel an parkenden Pkw sind kein Einzelfall. Schnell geschrieben, äußern sie oft den Frust des Parkplatzsuchenden. Dass die Beleidigungen und Beschwerden mittlerweile härter als früher ausfallen, vor allem im Kundendienst (wir berichteten), weiß man nun. Solch ein Zettel, wie er an dem Auto von Ulrich Volmerhaus hing, ist dann aber doch noch eine Nummer härter als normal. Ulrich Volmerhaus sagt: „Man kann mit mir über alles reden. Aber das hat schon sämtliche Formen der Menschlichkeit verlassen.“

Seine Theorie: Der Zettelschreiber habe mehrere solcher Briefe angefertigt und schneide sie dann immer zurecht, wenn er sie gerade brauche. „Dann steckt er den Wisch ans Auto und lässt so Dampf ab“, so Volmerhaus. Falls der 55-Jährige jemals erfahren sollte, wer den Zettel geschrieben habe, würde er ihn anzeigen. Gefallen lassen müsse er sich nichts. Die Chance, weiß Volmerhaus, ist gering.

Franziska Bombach

Kommentare
27.07.2012
08:42
Beschimpfungen per Brief
von boxensport | #5

Zitat:"...aber was soll ich machen? Zumindest ein wenig in der Nähe meiner Wohnung möchte ich schon parken. Sonst laufe ich länger, als ich Auto...
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2012-07-25 18:41
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