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Berufsvorbereitende Maßnahmen - nur eine Warteschleife?

08.04.2010 | 18:20 Uhr
Berufsvorbereitende Maßnahmen - nur eine Warteschleife?

Witten.Warteschleife? Das sei ihm ein zu negativer Begriff für die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen, die als Alternative zu schwindenden Ausbildungsplätzen wachsen und wachsen. „Statt zu warten“, sagt Kolping-Geschäftsführer Meinolf Melcher, „erweitern wir ja Kenntnisse, schaffen eine Perspektive.“

Tatjana Bendlin (20) und Theresa Buschek (18) würden das so unterschreiben. „Wir haben Luftsprünge gemacht“, sagt Tatjana. Im März hätten sie die Zusage für einen überbetrieblichen Ausbildungsplatz in der Altenpflege bekommen. „50 Bewerbungen hatte ich geschrieben“, verrät Theresa. Die Maßnahme hat sich für beide gelohnt.

Seit September 2009 haben sie eine 39-Stunden-Woche, besuchen je einen Tag das Berufskolleg und den Unterricht im Kolpinghaus, an drei Tagen lernen sie in der Werkstatt für Gesundheit und Soziales. So wie gestern, als sie mit Werkbereichsleiterin Katrin Valtin Puppen einen Kopfverband verpassen. Fast 7000 Euro lässt sich die Agentur für Arbeit die Maßnahme pro Jahr und Teilnehmer kosten.

22 Prozent brechen ab

Tatjana hat 2007 ihren Hauptschulabschluss an der Overbergschule gemacht. Es folgten Tätigkeiten bei Zeitarbeitsfirmen. „Ich habe nicht schlecht verdient“, sagt sie. „Aber ich wollte eine sichere Ausbildung.“ Sie versuchte, die Fachoberschulreife nachzumachen, begann nebenher die Vhs-Maßnahme „Kombi Vermittlung und Begleitung“, brach dann aber erst die Schule und schließlich die Vhs ab, um ins Kolpinghaus zu wechseln. Das hat sich ausgezahlt.

77 von 158 Teilnehmern haben die Wittener Kooperationspartner – neben den Kolping-Bildungszentren Ruhr die Vhs-Tochter Nova und das Bildungszentrum des Handels – 2008/09 zu einer Ausbildung verholfen. Weitere zehn Prozent machten nach der Maßnahme einen Schulabschluss nach, noch mal fünf Prozent fanden gar eine Arbeitsstelle.

Es gibt aber auch die Abbrecher: 22 Prozent waren es 2008/09. Über die Gründe kann Meinolf Melcher nur spekulieren: „Der Kontakt zur Arbeitslosigkeit ist heute präsenter. Manche denken sich vielleicht: Warum soll ich morgens um acht auf der Matte stehen, wenn es sich auch so leben lässt?!“

Praktikum ja, Ausbildung nein

In diesem Jahr nehmen schon rund 200 junge Menschen in Witten eine berufsvorbereitende Maßnahme wahr – etwa 50 mehr als im Vorjahr. Seit ein paar Jahren sind auch junge Leute mit Fach- oder sogar Vollabi darunter, weil auch sie keine Ausbildung finden. Die Kolping-Bildungszentren versuchen zu helfen, neben Gesundheit und Sozialem, Installationstechnik oder Hauswirtschaft etwa im Frisörwesen.

Dort lernt auch Zoi Morfini. Die 20-Jährige ist nach einem zweimonatigen Praktikum zum ersten Mal wieder im Übungssalon des Kolpinghauses – und begeistert von ihren Eindrücken: „Ich durfte Haare waschen, färben, schneiden. Ich hatte sogar einen eigenen Schlüssel von dem Laden.“ Kolping-Geschäftsführer Melcher und seine Mitarbeiter wissen: Vielen der Teilnehmer, die herkommen, mangelt es vor allem an Selbstvertrauen. Sie kennen nur ihre Schwächen, nicht aber ihre Stärken.

Zoi hat ein paar davon nun kennen gelernt -- aber weniger Glück als Tatjana und Theresa. „Kann der Frisör dich nicht in eine Ausbildung übernehmen?“ möchte Melcher wissen. „Leider nicht“, antwortet Zoi und unterbricht die Arbeit an der Dauerwelle ihrer Übungspuppe für einen Moment. „Das bekommen sie finanziell wohl nicht hin.“

Die aktuellen Zahlen zum Ausbildungsmarkt und einen Kommentar zum Thema lesen Sie am Freitag in Ihrer WAZ oder WR.

Florian Riesewieck

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Kommentare
15.04.2010
09:25
Berufsvorbereitende Maßnahmen - nur eine Warteschleife?
von skippy1909 | #2

@1:
Scheinbar haben Sie sich mit dem Thema ausreichend befasst, so dass Sie sich eine qualifizierte Meinung dazu bilden können. Bitte erst mal informieren, vielleicht sogar mal zu einem Träger gehen und schauen und dann bewerten.

09.04.2010
07:48
Berufsvorbereitende Maßnahmen - nur eine Warteschleife?
von Ferdinand Mehrich | #1

Berufsorientierung/Berufswahlvorbereitung usw. sind sicherlich sinnvollere Maßnahmen, als Jugendliche einfach in einen Job zu stecken und dieses ggf. ohne weitere Aussicht auf langfristig ausgelegte Qualifizierung oder Ausbildung.

Ein von der Landesregierung stets gehegtes Negativbeispiel ist das Projekt Jugend in Arbeit. Scheinbar dient es mehr der Selbstbefriedigung einiger Landesbediensteter als der qualifizierten Eingliederung in die Arbeitswelt.

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