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Berliner Platz als neue Gastromeile

11.09.2012 | 18:55 Uhr
Berliner Platz als neue Gastromeile
Der Berliner Platz ist eine gefragte Adresse, seitdem Café Extrablatt eröffnet hat. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool.

Witten. Der Berliner Platz wird zur gefragten Gastromeile, seitdem dort das Extrablatt eröffnet hat.

„Summertime“ dröhnt aus den Boxen im Casa Cuba, draußen flackern Kerzenlichter. Zwei Tische vor der Tür sind besetzt, drinnen ist an diesem Abend um neun auch nicht mehr los. Nebenan, im Impuls: ebenfalls tote Hose. Ratskeller? Draußen Ebbe, drin sitzen ein paar mehr Gäste. Nur am Berliner Platz brummt der Bär.

Es mag eine Momentaufnahme und der Reiz des Neuen sein. Aber derzeit ist ein klarer Trend zu beobachten: Erstmals verschiebt sich das gastronomische Zentrum in der Innenstadt zum Berliner Platz, der sonst am Abend wie tot dalag. Ob drinnen auf den Lederpolstern, draußen vor der Glasfront unter den Heizstrahlern oder unter roten Decken mitten auf dem Platz: Das Ende August neu eröffnete Café Extrablatt zieht viele Gäste an. Junge wie die 16-, 17- und 18-jährigen Jannis, Yannik, Mark, Dietrich und Alice, die nur etwas trinken wollen, oder auch die Generation Ü 30- bis Ü 50, die zu Salat oder Crêpe gerne am Rotwein nippt.

Plätze drumherum ausgestorben

Warum ins Extrablatt? Die Kommentare der Jugendlichen gehen durcheinander. „Nette Bedienung“, ruft der eine, „schöne Atmosphäre“, der andere. „Zu teuer“ heißt es aber auch. Da gehe man - zum Cocktailschlürfen allemal - dann doch lieber ins Casa Cuba. Jetzt noch ein „Starbucks“ nebenan, vielleicht auch ein Club - und die jungen Leute hätten einen Grund mehr, abends in Witten zu bleiben. Das neu eröffnete Extrablatt finden sie gut, „nur drumherum stimmt nichts“, sagt Alice, das einzige Mädchen in der Runde. Jannis (16) bricht eine Lanze für die Kneipen am Rathausplatz: „Casa Cuba ist das absolut Beste!“

Und was sagen die Älteren? Sie tun das, was viele im Moment tun: „Weil’s neu ist einfach mal gucken“, wie Achim (40) aus Stockum zu Protokoll gibt, der sich abends mit einem Freund auf ein Bierchen im Extrablatt trifft. Geht man den ebenfalls noch recht neuen City-Bogen nach 19 Uhr weiter, passiert man leere Eiscafés, einen Platz ohne Menschen vor der Stadtgalerie und landet schließlich in einer ebenso ausgestorbenen unteren Bahnhofstraße. So sehr sich das Leben am Berliner Platz derzeit auch knubbeln mag, drumherum herrscht Flaute - und Frust.

„Man guckt nur auf die leere Straße“, meint Jusuf Kilinc (46), der seit zwei Jahren das „Jané“, das frühere Kaffeehaus, in der Bahnhofstraße betreibt. Dass die nahe Stadtgalerie jetzt schon um 19 Uhr statt um 20 Uhr dicht macht, hat ihn hart getroffen. „Das macht viel aus. Diese Menschen, die sonst noch nach Feierabend eingekauft haben, fehlen jetzt auch mir.“

Jetzt ist früher Zapfenstreich

Früher, sagt Kilinc, habe er um 22 Uhr Schluss gemacht, jetzt schon um neun. Eine Kellnerin habe er entlassen müssen. Zum Extrablatt sagt er: „Klar, eine Bereicherung. Aber einige werden daran noch zu knabbern haben.“ Er hätte die Systemgastronomie mit fast 60 Filialen lieber im Novum gesehen - um die Kunden über die untere Bahnhofstraße zu führen. „Stattdessen lässt man diesen Superbau verkommen.“ Und der Lauf der Passanten geht weiter an ihm vorbei.

Unser Rundgang führt uns zur Stadtgalerie, wo bis auf S.Oliver fast alle Geschäfte nach 19 bzw. 19.30 (dm) geschlossen sind. Überall heruntergelassene Gitter. Nur die Rolltreppe rollt noch nach oben zum Parkhaus. Ich treffe drei Teenager. Was sie hier noch tun? „Chillen.“ Sie hätten sich wie viele andere Kunden weiter längere Öffnungszeiten gewünscht. Vor der Stadtgalerie begegnen mir Laura (19) und Lea (25), die aus dem Extrablatt kommen. Laura ist Krankenschwester, Lea Ingenieurin. Auch sie wären gerne noch auf einen Sprung ins Center gegangen.

Gelassen, aber auch skeptisch

Mein Weg führt mich wieder zum Rathausplatz, der verwaist in der Dunkelheit liegt. Im Casa Cuba macht man sich keine Sorgen wegen der neuen Konkurrenz: „Die Stammgäste gucken mal und kommen wieder.“ Im Impuls ist Kellnerin Christina (51) skeptischer: „Am Wochenende war relativ wenig los. Man merkt es schon. Abwarten.“ Im Casa Cuba begrüßt der Wirt zwei junge Mädels mit Küsschen auf die Wange. Das sieht man im Extrablatt noch nicht so oft.

Jürgen Augstein



Kommentare
13.09.2012
08:49
Berliner Platz als neue Gastromeile
von buntspecht2 | #7

Sehr viele vorschluss Lorbeeren mal den Herbst und Winter abwarten

13.09.2012
06:41
Berliner Platz als neue Gastromeile
von Danle | #6

@Voodoofone
Das kann ich nur unterstützen. Das Cafe ist ja sehr schön geworden. Aber den halben Berliner Platz mit Stühlen und Tischen damit zuzupflastern finde ich auch etwas übertrieben.

13.09.2012
01:03
Extrablatt
von Voodoofone | #5

Haben sich letzlich die Geschäftsinhaber und Anwohner rund um den Platz nicht über den Lärm der spielenden Kinder am Fontänenbrunnen beschwert? Was machen die eigentlich jetzt, wo der Lärm doch um ein vielfaches stärker ist? :-) Aber mal Spaß beiseite... ist das Extrablatt nicht rein optisch eine Nummer zu groß für Witten? Jetzt wo dieser Biergarten mindestens die Hälfte des Platzes einnimmt wirkt alles doch sehr beengt. Ein kleinerer Biergarten würde proportional doch eher zu Witten passen.

12.09.2012
19:16
Man kann nur hoffen,
von p.s.a | #4

dass die Gastronomie durchhält, egal ob da nun ein eigentlich unnötiger Franchisegeber mit durch gefüttert wird oder nicht. Ansonsten bliebe nur eine tote Pflasterfläche.

12.09.2012
10:25
Berliner Platz als neue Gastromeile
von Allesmerker | #3

Ist auch neu.... und warm draußen.

Mal sehen, wie belebt der Platz ist, wenn es um 18 Uhr stockdunkel ist und nur noch 5 Grad sind.

12.09.2012
08:45
Berliner Platz als neue Gastromeile
von NRWMilka | #2

Also generel finde ich die Idee gar nicht so schlecht, allerdings tut sich da bei mir ein bitterer Nachgeschmack auf. Ich würde ungern mit einer Freundin dort unten zu später Stunde herumlaufen, denn der Abschnitt der Bahnhofsstr. ab dem Berliner Platz ist für mich sehr "unheimlich". Ich habe ganz bestimmt nichts gegen unsere ausländischen Bürgen, aber auf der unteren Bahnhofstr. sind sie mir in zu großer Anzahl vertreten. Wenn ich dort am Tag schon angebaggert werde, möchte ich mir nicht ausmalen, was am Abend vorfallen könnte.
Das in vielen Kneipen eine Flaute herrscht habe ich schon oft erlebt. Ich treffe mich alle 2 Wochen mit einer Freundin, unser Plan ist es nett zu Essen und zu quatschen. Wir mussten allerdings unsere "Dates" schon oft frühzeitig beenden, da in den Kneipen oftmals ab 21 Uhr nichts los war und die Gastronome uns um 22 Uhr gebeten haben zu gehen. Wir haben aber jetzt die passenden Location gefunden, dass Mondo, da hat man uns bisher noch nie vertrieben !!!

11.09.2012
20:56
Berliner Platz als neue Gastromeile
von Peter.Pass | #1

Gab´s da nicht schonmal ´ne "Gastro-Meile" mit Eisdiele und dem über Wittens Grenzen hinaus bekannten "Dixie-Club"? Oh, ich vergaß: da war der Berliner Platz ja auch noch von ALLEN Wittener Bürgern reichlicht bevölkert, die Kinder konnten FREI spielen und.... tja, nun der Herzstich!, sämliche florierenden Läden waren eigenständig und mußten nicht dem "Hype" einer Kette hinterherhecheln. Oh,ich vergaß da noch etwas. Das EXTRABLATT ist ja auch nur "Franchise" - soll sagen: der Betreiber trägt´s Risiko, der Name und die Produkte sind durch-standardisiert.
Schön, dass es noch andere Gastronomie in Witten gibt, die eben nicht NUR den Zeitgeist als "Verweilsubjekt" in den Vordergrund stellen MUSS um zu überleben!

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