Benjamin (17) dreht einen Film in Ruanda

Machte mit 16 Jahren sein Abitur: Benjamin Ansari, der in der kleinen hessischen Gemeinde Schmitten am Feldberg zuhause ist.In dieser Woche hat er die Uni Witten/Herdecke besucht. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
Machte mit 16 Jahren sein Abitur: Benjamin Ansari, der in der kleinen hessischen Gemeinde Schmitten am Feldberg zuhause ist.In dieser Woche hat er die Uni Witten/Herdecke besucht. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
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Was wir bereits wissen
Er ist erst 17 und hat sich viel vorgenommen. Benjamin Ansari dreht einen Film in Ruanda. Ein Stipendium der Uni Witten/Herdecke macht es möglich.

Witten..  Er hat mit 16 sein Abi gemacht, fühlte sich zum Studium noch zu jung. Die Uni Witten/Herdecke hat ihm ein Jahr geschenkt, in dem er jetzt seinen persönlichen Traum verwirklichen kann: Benjamin Ansari ist der neue „Pfadfinder“-Stipendiat der Hochschule. Der Hesse wird sein Stipendium nutzen, um einen Film über Ruanda zu drehen. „Auf den Spuren meiner Großeltern“, wie der mittlerweile 17-Jährige erzählt.

Vergeben wurde sein Stipendium von den Studenten der Universität. Die möchten es Ansari mit der finanziellen Unterstützung ermöglichen, vor einem Studium ein Projekt zu verwirklichen, das ihm sehr am Herzen liegt. Wer ein Stipendium bekommt, wird mit einer öffentlichen Onlineabstimmung entschieden. Insgesamt gab es 60 Bewerbungen.

Ansaris Großeltern mütterlicherseits haben, im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz, fast zehn Jahre lang in Ruanda als Entwicklungshelfer gearbeitet und dem Enkel viel aus dieser Zeit erzählt. Sie haben 1994 in Ruanda die Zeit des Völkermords miterlebt. Benjamin Ansari möchte herausfinden, ob der Genozid die Menschen bis heute geprägt hat. Ihn interessiert vor allem, ob der Völkermord für die jetzige Jugend Ruandas, ihr Denken und Fühlen, überhaupt noch eine Rolle spielt.

Der 17-Jährige, der in der kleinen hessischen Gemeinde Schmitten direkt am Feldberg lebt, war noch nie in Afrika. Er wird vom 1. Juni bis zum 6. Juli in Kigali, der ruandische Hauptstadt, sein und dort Interviews führen. Sein Großvater Rudolf Fischer, der noch viele Kontakte im Land hat, „das etwa so groß wie Hessen ist“, wird ihn drei Wochen lang begleiten.

Der 76-Jährige erzählt, dass 1994, beim Völkermord an den Tutsi in dem ostafrikanischen Land, rund 800 000 Menschen zu Tode kamen. „Die damalige Militärregierung hat dem Morden tatenlos zugesehen.“ Radikale Hutu töteten auch Gemäßigte aus den eigenen Reihen, die sich weigerten, beim Morden mitzumachen.

Benjamin Ansari betont, dass er aber auch die positive Entwicklung Ruandas in den vergangenen Jahren in seinem Film zeigen möchte. „Wer weiß schon, dass es dort eine Frauenquote gibt, dass ganz viele Frauen im Parlament sitzen.“ Ruanda, ergänzt der Großvater, sei aber immer noch ein sehr armes Land. „Extremen Reichtum gibt es in der Hauptstadt.“ Eine Situation, die für Entwicklungsländer sehr typisch sei.

Nach dem Abi noch recht „planlos“

Der Enkel, der auch ein freiwilliges soziales Jahr in Südafrika gemacht hätte, „dafür aber zu jung war“, glaubt, dass er in dem Jahr, das ihm mit dem Stipendium geschenkt wird, auch persönlich reift. „Nach dem Abi war ich noch recht planlos, wie es weitergehen soll“, gibt er zu. Er habe sich noch zu jung gefühlt, um zu studieren. Seine Eindrücke, die er in Ruanda sammelt, will er nicht nur im Film, sondern auch mit einem Blog – mit Fotos und Tagebucheinträgen – öffentlich machen.

Till Witzleben aus dem Vorstand der Studierenden-Gesellschaft der Uni gibt ihm mit auf den Weg: „Nutze die Zeit. Tu, was Du willst!“