Beim Gemeindekarneval wird der Pater zum Nachtwächter

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Was wir bereits wissen
In St.-Vinzenz in Witten feierten die Jecken am Samstag mit allem, was zur fünften Jahreszeit dazugehört. Ein Besuch bei ziemlich lustigen Narren

Witten. „Da war’n mer dabei, das war prima! Wir sind die Narrenschar!“ – so sangen die Clowns und Polizisten, die Cowboys und Vampire im Chor. „Wir“ – das sind die Jecken der katholischen St.-Vinzenz-Gemeinde, die pünktlich um 19.11 Uhr die Rakete zu ihrer Karnevalssitzung starteten.

Die Gruppe „Spätlese“ hatte den Abend monatelang geplant mit allem, was zu einem zünftigen Narrenabend dazugehört: Funkengarde, Büttenredner und viel Glitzer und Konfetti. Sicher fiel die Durchführung eine Nummer kleiner aus als die Kölner Karnevalssitzungen, dafür aber mit mindestens so viel Herzblut und Narrenfreude. „Und das macht uns als aktive, lebendige Gemeinde aus“, erzählte Hermann Kuper. Er moderierte den Abend, drohte aber gleich scherzhaft an: „Ich werde das Mikro sicher oft genug abgeben. Wartet’s nur ab!“

Was im nächtlichen Witten so passiert

Und er hält Wort. Gern überlässt er das Mikrofon dem singenden Nachtwächter – kein anderer als Pater Kasimir Zaranski. „Leute, Leute, lasst mich sagen. . .“, beginnt der seine Rede und erzählt dann, was ihm bes nächtliche Witten so vor die Füße fällt. Da sei zum Beispiel sein betrunkener Freund Karl, der nicht nach Hause wolle, weil seine Frau dort sicher schon „am Kochen ist“. Woraufhin der Nachtwächter nur verwundert fragt: „Was? Du bekommst so spät noch was zu Essen?“

Alte Witze in bunten Kostümen funktionieren immer an Karneval. Und Pater Kasimir hatte die Lacher auf seiner Seite. Ihm stand aber außerdem noch die ehrenvolle Aufgabe zu, die Orden an alle „Show-acts“ zu verteilen. Wie an die sieben reichen Araber, die mit ihren kurzen Kostümen besonders die anwesende Damenwelt in Jubelstürme ausbrechen ließen. Mit Sonnenbrille und Mini-Kaftan tanzten die Herren durch das Publikum und verbreiteten das, worum es beim Karneval geht: Stimmung und Schunkellaune.

„Wir feiern durch bis morgen früh“

Aber auch gehaltvolle Beiträge bereichterten den bunten Abend: Die Minnesängerinnen „Gweneweve, die Liebreizende“, und „Tijri, die Trollpatschige“, trugen mit Klampfe einige nordische Volksweisen vor und ernteten nicht nur Applaus, sondern auch eine der begehrten Gesangsraketen. Und die letzten Zeilen wurden von Stunde zu Stunde sinnerfüllter: „Bei Vinzenz wird gesungen, geschunkelt und gelacht. Wir feiern durch bis morgen früh, erst dann wird Schluss gemacht!“