Bei der Wittener SPD ist wieder Feuer unterm Dach

Verstanden sie sich da noch? Bürgermeisterin Sonja Leidemann (2.v.re.) und die damalige Bundestagsabgeordnete Christel Christel Humme, eingerahmt von den früheren SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering (li.) und Thomas Stotko.Foto:Liesenhoff
Verstanden sie sich da noch? Bürgermeisterin Sonja Leidemann (2.v.re.) und die damalige Bundestagsabgeordnete Christel Christel Humme, eingerahmt von den früheren SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering (li.) und Thomas Stotko.Foto:Liesenhoff
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Die Bürgermeisterin sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, die SPD als undemokratisch verunglimpft und die Partei geschädigt zu haben. Hat das Folgen?

Witten..  Kurz vor Ablauf der Vorschlagsfrist für die SPD-Bürgermeisterkandidaten brennt bei den Genossen wieder der Baum. In einem Schreiben wirft Stadtverbandsvorsitzende Humme Bürgermeisterin Leidemann parteischädigendes Verhalten vor. Humme sieht die SPD von ihr als „undemokratische Partei“ verunglimpft.

Wie berichtet, hatte Leidemann erklärt, für eine dritte Amtszeit antreten zu wollen – am liebsten als Kandidatin der SPD. So weit, so gut. Was Humme gegen den Strich geht, sind Leidemanns kritische Anmerkungen zum Nominierungsverfahren. Die Bürgermeisterin hätte sich gern dem Votum aller Genossen gestellt – sprich einer Vollversammlung, wie sie die SPD Ardey/Borbach ursprünglich beantragt hatte.

Leidemann fordert Mitgliederbefragung

Als die Borbacher ihren Antrag nach einer Konferenz aller Ortsvereine zurückzogen, auf der die Parteispitze gerade mit rechtlichen Bedenken argumentiert hatte, äußerte Leidemann schriftlich ihr Bedauern darüber und forderte eine Mitgliederbefragung. Man solle die Entscheidung über den künftigen Bürgermeisterkandidaten nicht allein 37 Delegierten überlassen, die am 7. März in einer Vertreterversammlung zusammenkommen, so Leidemann sinngemäß gegenüber dieser Zeitung. Sie hatte darin die SPD aufgefordert, sich auf ihre „basisdemokratische Tradition zu besinnen“. Das war wohl zu viel des Guten.

Die Äußerungen beinhalten für Parteivorsitzende Christel Humme den Vorwurf, „eine Vertreterversammlung spiegele nicht die tatsächliche Meinung der Wittener Partei wider und sei deshalb nicht demokratisch. Humme erinnert Leidemann in ihrem Brief daran, dass sie zweimal (2004/2009) durch diese „undemokratische“ Vertreterversammlung zur Bürgermeisterkandidatin der SPD gekürt worden sei. Niemand habe dieses Instrument damals in Frage gestellt.

Humme: „Entsetzt über das Demokratieverständnis“

Weiter schreibt Humme: „Jetzt, da etwas Gegenwind aufkommt, wird die Vertreterversammlung von Dir als undemokratisch gegeißelt.“ Humme fragt Leidemann, wie sie sich verhalten werde, „wenn diese Vertreterversammlung Dich erneut nominiert. Nach Deinen Ausführungen könntest Du das eigentlich nicht akzeptieren, da es sich ja nicht um eine demokratisch legitimierte Entscheidung handeln würde“.

Zum Schluss des Briefs an die „liebe Sonja“ heißt es: „Wir sind entsetzt über das Demokratieverständnis, das sich in Deiner öffentlichen Erklärung widerspiegelt.“ Und: „Du möchtest von der SPD unterstützt werden und wirfst ihr gleichzeitig undemokratisches Verhalten vor. Wie passt das zusammen?“