Barrierefreies Berufskolleg in Witten kostet viel Geld

Ein neuer Aufzug wird  an der Außenfassade des Berufskollegs zur Husemannstraße hin angebracht.
Ein neuer Aufzug wird an der Außenfassade des Berufskollegs zur Husemannstraße hin angebracht.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die Behindertenkonvention schreibt Barrierefreiheit an Schulen vor. Das Berufskolleg bekommt deshalb drei neue Aufzüge – für über 800 000 Euro.

Witten..  Im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention müssen alle Schulen barrierefrei sein. Das heißt unter anderem, dass gehbehinderte Kinder, Eltern oder Lehrer jeden Unterrichtsraum selbstständig erreichen können. So wird am Berufskolleg an der Husemannstraße zurzeit der erste von drei neuen Aufzügen gebaut. Er kostet 275 000 Euro. Macht zusammen in den nächsten Jahren schlappe 825 000 Euro.

Nur ein Gebäude des Berufskolleg hatte bislang einen Lift. Irgendwann soll der ganze Komplex aber komplett barrierefrei sein, so Kreissprecher Ingo Niemann. Der EN-Kreis betreibt die große Berufsschule in der Innenstadt mit 160 Lehrern und über 3000 Schülern. Und so soll bis September das A-Gebäude den neuen Aufzug erhalten. In den nächsten beiden Haushaltsjahren folgen die Gebäude D und E.

Bisher wurde bei Bedarf improvisiert

Wie ging man denn bislang mit Schülern im Rollstuhl um? „Da haben wir teils improvisiert“, sagt der stellvertretende Schulleiter Bernhard Wiesche. Der Unterricht wurde etwa ins Erdgeschoss verlegt oder in den Gebäudetrakt mit Aufzug. „Das konnte man durch organisatorische Maßnahmen ganz gut auffangen.“ In den IT-Berufen gebe es mitunter gehbehinderte Schüler.

Doch technische Berufe, etwa Elektro- oder Metalltechnik, habe bislang noch nie ein Rollifahrer ausgewählt. Dennoch will der Kreis die Aufzüge bauen lassen. Wiesche: „Das ist eine gute Sache, auch wenn sie hohe Kosten verursacht.“

Ältere Schulen haben Bestandsschutz

Die städtischen Schulen müssen ebenfalls barrierefrei sein – aber nicht alle. Alte Schulgebäude genießen Bestandsschutz. Sie werden nur nach Bedarf und Möglichkeit barrierefrei gestaltet. Neue Schulgebäude folgen neuen Standards.

So ist beispielsweise die neu gebaute Helene-Lohmann-Realschule in Bommern als einzige Wittener Schule komplett barrierefrei. Die anderen beiden Realschulen sind es nicht und müssen es auch nicht werden. Denn die Stadt darf gehbehinderte Kinder, die zur Realschule wollen, nach Bommern schicken, auch wenn der Fahrweg weiter ist.

Stadt plant keine teuren Umbauten

So hält die Stadt für fast jede Schulform ein Gebäude vor, das zumindest teilweise barrierefrei ist. Kostenintensive Um- oder Anbauten sind in nächster Zeit nicht geplant, weiß Stadtsprecherin Lena Kücük. Überhaupt: Bei der Frage, für welche Schule Eltern und Kinder sich anmelden, sei eine gute Beratung entscheidend. Kücük: „Und hier geben sich die Kolleginnen immer große Mühe, für jedes Kind die passende Schule zu empfehlen.“