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Bahn setzt bei Qualitätoffensive auf Wittener Weichenwerke

05.09.2012 | 05:45 Uhr
Bahn setzt bei Qualitätoffensive auf Wittener Weichenwerke
Der Bahnchef Dr. Rüdiger Grube (l.) besichtigte das Weichenwerk Witten. Simon Blanco-Weber (Mitte) und Detlef Wobbe zeigten ihm das traditionsreiche Werk. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Witten.   Die Deutsche Bahn hat sich zum Ziel gesetzt, eine bessere Qualität zu erreichen. Wichtige Komponenten sind hierfür Weichen aus Witten. Bahnchef Grube hat sich in Witten vom neuen Qualitätsstandard überzeugt.

Die Anspannung ist unter den Beschäftigten des Weichenwerks kurz vor der Ankunft deutlich zu spüren. Wann hatte sie zuletzt ein Konzernchef höchstpersönlich besucht? Lange her, in den 90ern. Doch als Bahn-Boss Rüdiger Grube schließlich mit einem großen schwarzen BMW forfährt, ist die Nervosität schnell verflogen. Dem 61-Jährigen gelingt es zügig, das Eis zu brechen und Sympathiepunkte in der Belegschaft zu sammeln.

Qualitätsoffensive der Bahn

Der mächtige Manager arbeitet in Witten am Langzeitprojekt „Imagepflege“. Diesmal weniger öffentlichkeitswirksam, sondern im kleinen innerbetrieblichen Kreis. An der Basis will sich Grube selbst ein Bild machen. „Wenn ich nur in Berlin im Bahn-Turm sitzen würde, könnte ich mir keinen richtigen Eindruck verschaffen“, meint der 61-Jährige. Mit seinem Besuch will er die Wertschätzung für die Arbeit im Wittener Weichenwerk ausdrücken. Im ICE-Werk, bei der Waggon-Ausbesserung, sei er schon gewesen. Nun im Weichenwerk. „Jede einzelne Abteilung ist wichtig“, betont der Bahnchef.

Das Wittener Werk nimmt im Gesamtkonstrukt der Bahn AG eine Schlüsselrolle ein. Es soll eine im wahrsten Sinne des Wortes Weichen stellende Funktion erfüllen. 2010 kam man bei einer Qualitätskontrolle des Konzerns zu dem Ergebnis, dass viele Weichen erneuerungsbedürftig sind. Als Folge verwenden die Weichenbauer widerstandsfähigeren Stahl, der dreimal so viel aushält.Seitdem liefert Witten wieder 90 Prozent des im Netz verwendeten Materials.

Wie der härtere Stahl verarbeitet wird, zeigen Simon Blanco-Weber und Detlef Wobbe dem obersten Eisenbahner. Der 51-Jährige Wobbe kennt den alteingesessenen Betrieb an der Kronenstraße von Kindesbeinen an. Im zarten Alter von 15 Jahren begann er dort seine berufliche Laufbahn. Viele weitere Familienmitglieder arbeiten in dem 149 Jahre alten Betrieb. Doch bis dato hatte noch kein Wobbe mit einem Bahnchef persönlich ein Wort gewechselt. Doch nun demonstriert er dem aktuellen Boss, wie im Weichenwerk gearbeitet wird. „Als schöne Geste“ empfindet der langjährige Mitarbeiter den Besuch aus der Chefetage.

Doch Grube ist nicht nur gekommen, um eitel Sonnenschein zu verbreiten. Der Bahnchef will aus den Mitarbeitern kritische Bemerkungen herauskitzeln. Vor seiner Amtszeit waren die Stimmen der Basis nicht so gefragt. Es wurden Qualitätsstandards heruntergeschraubt, um das Verkehrsunternehmen fit für einen Börsengang zu machen. Das hatte kaputte Züge, eingefrorene Weichen und viele Verspätungen zur Folge. Die Fehler aus der Vergangenheit sollen korrigiert werden und die Mitarbeiter der Bahn dabei mithelfen. Sie sollen spüren, dass sich in ihrem Unternehmen etwas bewegt.

Zur Qualitätssteigerung muss das Schienennetz immer wieder ausgebessert und an manchen Stellen erweitert werden. Zwar ist die Zukunft des Rhein-Ruhr-Expresses - 2015 war als Baubeginn angepeilt worden - noch nicht abzusehen. Wenn er jedoch verwirklicht wird, dann setzt Grube auf die Qualität aus Witten. „Die Kapazitäten für den Streckenausbau würden wir gerne nutzen.“

Stefan Rebein


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