Aziz schimpft auf das Wittener Marien-Hospital

Aziz geht es nach der Übertragung gut.
Aziz geht es nach der Übertragung gut.
Foto: DKMS
Was wir bereits wissen
Blutkrebs-Patient fühlt sich falsch behandelt. Berührendes Video auf Facebook.Klinik weist Vorwürfe zurück: „Umgehend in Krebskinderzentrum verlegt“

Witten..  Gute Nachrichten von Aziz: Drei Tage nach der Übertragung der Stammzellen in der Essener Uniklinik geht es dem Neunjährigen gut. „Er macht schon wieder Scherze“, erzählt seine Tante Elmas Sahin. Allerdings: Noch mehrere Wochen muss der kleine Kerl, der an Blutkrebs erkrankt ist, auf der Isolierstation bleiben. Ob die Übertragung erfolgreich war reagiert, wird sich frühestens in drei Wochen zeigen. „Wenn nicht, könnte sein, dass eine weitere Übertragung gemacht werden muss“, so die Tante. In sechs bis sieben Wochen wisse man dann endgültig mehr.

Die Übertragung selbst sei aber problemlos verlaufen. „Wie – und für das bisschen haben wir so lange gewartet“, habe Aziz gestaunt, als der kleine Beutel mit dem lebensspendenden 500 Millilitern Blut gebracht wurde – ein „genetischer Zwilling“ war Ende des Jahres gefunden worden. Nun, drei Tage später, sei Aziz gut drauf und optimistisch, meint seine Tante.

Berührendes Video

Aber er ist nicht nur fröhlich, sondern offenbar auch stinksauer. Das zeigt er in einem berührenden Video, das er am Tag nach der Übertragung auf Facebook auf seiner Seite gepostet hat. „Hey, ich bin Aziz“, beginnt er den 80 Sekunden langen Film. Belogen worden sei er im Marien-Hospital. Fünfmal sei er da gewesen, nur einmal hätten die geguckt. „Sie denken, ich bin wenig krank, aber ich war richtig viel krank – ich bin fast gestorben“, schimpft der Neunjährige. Was er damit meint? „Sie konnten im Marien-Hospital ja lange nichts feststellen, aber er ist dort auch gar nicht richtig getestet worden“, sagt die Tante Elmas Sahin. Aziz sei gar nicht ernst genommen worden. Das wurmt Aziz: Stark sei er gewesen und hätte Haare gehabt. „Nun bin ich schwach und habe keine Haare mehr“. Aber der Junge versichert: „Ich will wieder stark sein, und das werde ich auch wieder.“ Er stelle den Film auf Facebook, damit alle das wissen: „Wenn ich nach Hause komme, zeige ich das Marien-Hospital an.“

Nach zwei Stunden verlegt

Ob das nötig ist? Die Wittener Klinik kann die Klage des Jungen nicht verstehen: „Nach unseren Unterlagen wurde bei Aziz kurz nach der Aufnahme im Marien-Hospital der Verdacht auf Blutkrebs diagnostiziert. Wir haben ihn umgehend mit dem Notarztwagen in das nächstgelegene Krebskinderzentrum verlegt. Zwischen Aufnahme und Verlegung lagen ungefähr zwei Stunden“, so der Geschäftsführer der St. Elisabeth Gruppe, Theo Freitag.

So oder so: Auf jeden Fall sollte Aziz jetzt seine Kräfte sammeln, um erst einmal nicht gegen das Krankenhaus, sondern vor allem gegen den Krebs zu kämpfen.