Autorin Anne M. Hadem starb in ihrer Wahlheimat Frankfurt

Anne M. Hadem 2013 im Wittener Stadtarchiv, wo die damals 89-Jährige vor Schülern des Ruhr- und Schiller-Gymnasiums ihr Buch „Zerreißproben“ vorstellte.Foto: Thomas Goedde / WAZ FotoPool
Anne M. Hadem 2013 im Wittener Stadtarchiv, wo die damals 89-Jährige vor Schülern des Ruhr- und Schiller-Gymnasiums ihr Buch „Zerreißproben“ vorstellte.Foto: Thomas Goedde / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Anne M. Hadem wuchs in der NS-Zeit in Witten auf. Ihre Erinnerungen daran vertraute sie ihrem Buch „Zerreißproben“ an. Jetzt starb Hadem 91-jährig.

Witten..  Noch im April vergangenen Jahres war Anne M. Hadem zu Gast in ihrer Heimatstadt Witten. Sie nahm an der Verlegung der Stolpersteine für die Familie des jüdischen Metzgers Herbert Klein teil, der mit seiner Frau und den Töchtern während der NS-Zeit in der Oberstraße lebte. Bis die Familie deportiert wurde und in Konzentrationslagern zu Tode kam. Anne M. Hadem ist jetzt 91-jährig in ihrer Wahlheimat Frankfurt/Main gestorben.

Sie war die Tochter eines Bahnangestellten, wohnte als Kind mit den Eltern in Heven, machte auf dem Lyzeum, dem heutigen Schiller-Gymnasium, das Abitur. Anne Hadem erlebte ihre Mutter während des Nationalsozialismus als „Rebellin“, wie sie erzählte. Eine Frau, die etwa Nazi-Parolen an jüdischen Geschäften entfernte und auch dort einkaufte. Als der Mann der Haushaltshilfe ihrer Familie – ein Kommunist – von Nazi-Schergen abgeholt worden sei, sei die Mutter schreiend hinterher gelaufen, so Hadem.

„Die Schicksale von Juden waren eines ihrer Lebensthemen“

Als junge Frau studierte sie in Berlin Mathematik, später wurde sie Mutter zweier Töchter. Ihre Erinnerungen an ihre Wittener Kinder- und Jugendzeit im Dritten Reich hat sie aufgeschrieben. Das über 750 Seiten starke Buch „Immer wieder Zerreißproben: und der Versuch schreibend zu überleben“ erschien 2013.

Vor zwei Jahren stellte die Autorin es auch im Wittener Stadtarchiv vor. Schüler des Ruhr- und des Schiller-Gymnasiums lauschten gebannt den Geschichten der Zeitzeugin. Auch die Wittener Kinderärztin Heide Dahlmann lernte Anne Hadem kennen. Durch eine Examensarbeit, die Dahlmanns Sohn Hans-Christian geschrieben hatte, über die „Arisierung“ und Gesellschaft in Witten, über Menschen, die von den Enteignungen jüdischer Mitbürger profitierten. Hadem las die Arbeit.

„Die Schicksale von Juden waren eines ihrer Lebensthemen“, betont Heide Dahlmann. So sei Anne Hadem auch sehr traurig gewesen, dass es ihr nicht gelang, mehr über den jüdischen Arzt Elias in Erfahrung zu bringen. Dieser sei mit ihren Eltern befreundet gewesen. Dahlmann: „Er war in der NS-Zeit spät aus Deutschland geflohen. Sie hätte so gerne gewusst, was mit ihm geschah.“