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Spritpreise

Autofahrer zwischen Wut und Frust

24.08.2012 | 18:39 Uhr
Autofahrer zwischen Wut und Frust
Erst zur Zapfpistole, dann tief in die Tasche greifen muss auch Tankstellenkundin Gabi Paar.Foto: Walter Fischer/WAZFotoPool

Witten. „Ich kann mich nicht erinnern, dass die Spritpreise mal höher waren!“ Rainer Gehring (53) fährt seit 17 Jahren Taxi.

„Unter meinen Gästen ist die Benzinabzocke derzeit ein Dauerthema.“ Für den Liter Super zahlten die Wittener am Freitag gut 1,75 Euro. Selten waren die Autofahrer so wütend.

Betroffen sind alle und viele gucken, wo sie ein paar Cent sparen können. Gerade Senioren seien gut informiert, „die haben jeden Spritpreis genau im Kopf“, weiß der Taxifahrer. Vielleicht auch, weil viele von ihnen wenig Rente bekämen. Da wäre jede Fahrt beim Blick auf die Tankstellenanzeigen schmerzhaft. Doch Wut im Bauch haben auch viele junge Leute.

„Ich bin Berufspendler und muss jeden Tag rund 60 Kilometer zur Arbeit und zurück fahren. Jannis Hesse (23) ist als Kfz-Mechatroniker in Schwelm beschäftigt und war kürzlich noch Auszubildender. „Zwei Drittel meines Verdienstes sind da für den Unterhalt des Autos draufgegangen. Eben auch, weil die Benzinpreise so astronomisch hoch sind.“ Ein Umstieg auf Bus und Bahn komme aber nicht in Frage. „Dazu sind die Verbindungen zu schlecht. Ich wäre pro Fahrt zur Arbeit mindestens eine Stunde länger unterwegs“, schätzt Hesse.

„Nicht dauernd Vollgas geben“, sieht Laurenz Tacke eine Möglichkeit, Benzin zu sparen. Der 22-Jährige war gerade auf großer Urlaubstour in der Schweiz mit dem Auto - über 2700 Kilometer hin und zurück. „Sicher ist das Luxus. Aber die Schmerzgrenze, an der ich nicht mehr fahren würde, ist noch nicht erreicht“, sagt Laurenz, der gerade das Abitur nachholt.

„Ich leihe mir das Auto meiner Mutter, wenn ich es brauche. Sonst fahre ich mit dem Schülerticket Bus und Bahn. Das ist viel billiger“, erklärt Renee Bechara (18). Und wenn sie tanke, dann nur für 20 Euro. „Für öffentliche Verkehrsmittel bin ich zu faul“, gesteht Sabine Fischer, die weitab in Bommerholz wohnt. Aber mit dem Rad zur Arbeit in die Innenstadt zu fahren, mache ihr nichts aus. „Oder ich nehme zum Spritsparen unser kleineres Auto“, erklärt die 51-Jährige. Der größere Wagen bleibe in letzter Zeit immer häufiger in der Garage.

Auf niedrigen Spritverbrauch hat Lothar Zimmer geachtet, der sich gerade einen Neuwagen zulegte. „Reine Spekulation“ nennt der 62-Jährige die hohen Benzinpreise. Als „riesige Abzockerei der Regierung und der Raffinerien“ sieht sie Volker Jäger. Der 48-Jährige verzichtet deshalb bewusst aufs Auto.

Frust herrscht aber auch auf der anderen Seite der Tankstellentresen: „Wir werden dauernd von den Kunden böse angemacht“, erzählt eine Pächterin. „Am meisten regen sich jene auf, die mit den größten Wagen ankommen.“

Michael Vaupel



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