Autistin fühlt sich bei Busfahrt in Witten belästigt

Bis zur Rathaushaltestelle, die sie sonst ansteuert, ist Martje Rode beim zweiten Zwischenfall gar nicht gekommen.
Bis zur Rathaushaltestelle, die sie sonst ansteuert, ist Martje Rode beim zweiten Zwischenfall gar nicht gekommen.
Foto: FUNKE Foto Services
14-Jährige ist bedrückt, nachdem sie mit Worten bedrängt wurde. Ihr Vorwurf: Niemand hat mir geholfen. Bogestra: Der Fahrer hat richtig gehandelt.

Witten.. Martje Rode ist verunsichert und verärgert. Der Grund: Die 14-Jährige fühlte sich auf einer Busfahrt zum wiederholten Male bedrängt. Ihr Vorwurf: Weder andere Fahrgäste noch der Busfahrer haben geholfen.

Die Schülerin des Schiller-Gymnasiums leidet unter dem Asperger-Syndrom, einer Form von Autismus. Jeden Morgen fährt sie mit der Linie 379 von der Haltestelle „Bommeregge“ bis zum Rathaus. Das Mädchen sitzt meistens auf dem Behindertenplatz hinter dem Busfahrer und hat ihre Tasche neben sich stehen. „Wenn mich jemand darum bittet, nehme ich sie aber sofort weg. Denn Plätze im Bus permanent zu blockieren, fände ich blöd“, sagt Martje.

Keine Personalien aufgenommen

So weit so gut. Bis zu Schuljahresbeginn ein Mann samt Kleinkind an der Husemannstraße zusteigt. Da ist der Bus ziemlich voll, die Plätze sind entsprechend rar. „Mir fiel er sofort unangenehm auf, weil er die anderen Fahrgäste laut aufforderte, ihm Platz zu machen“, sagt Martje. Als er sie direkt anspricht, entfernt sie ihre Tasche vom Sitz, so dass sich das Kind hinsetzen kann. Situation gelöst. Eigentlich.

Stattdessen, beklagt Martje, fährt der Mann fort, sich über ihr Verhalten zu empören. Er nimmt daran Anstoß, dass sie die Tasche nicht sofort weggenommen hat. Woraufhin sie versucht, sich mit Hilfe ihres Behindertenausweises zu erklären. Darin ist ihre 60-prozentige Schwerbehinderung vermerkt, ebenso ein H für „Hilflosigkeit“. Die Diskussion endet erst, als Martje den Bus an ihrem Ziel aufgeregt verlässt.

Bogestra: Fahrer oder Kunderbetreuer um Hilfe bitten

Als ihre Mutter den Vorfall bei der Bogestra meldet, lässt man sie wissen: Sobald sich jemand unangemessen behandelt oder bedroht fühle, wie es hier geschehen ist, solle er sich an Fahrer oder Kundenbetreuer wenden und dort um Hilfe bitten. Diesen Rat befolgt Martje rund eine Woche später, als sie wieder Ärger im Schulbus hat.

Derselbe Mann, von dem sie sich schon einmal belästigt fühlte, ist da im Bus. Martje bittet den Fahrer, seine Personalien aufzunehmen. Er lehnt das ab. Und habe damit richtig gehandelt, erklärt Bogestra-Pressesprecher Christoph Kollmann auf Nachfrage der Redaktion. Für die Aufnahme von Daten müsse ein konkretes Vergehen vorliegen, eine Fahrt ohne gültigen Fahrschein etwa. Genau das habe der Fahrer der Schülerin zu erklären versucht.

Busfahrer hat keine handgreifliche Situation beobachtet

Eine handgreifliche Situation, die Martje schildert, als sie ein Foto vom Fahrgast zu machen versucht, habe der Busfahrer hingegen nicht beobachtet, so Kollmann. Aber: „Er versuchte, verbal auf beide einzuwirken, weil sich die Situation hochgeschaukelt hatte.“ Da jedoch ist Martje schon derart aufgelöst, dass sie an der nächsten Haltestelle aussteigt. Sie wünscht sich, das nächste Mal etwas anderes sagen zu können als: „Da hat niemand was gemacht, die haben alle einfach weggeguckt.“