Ausstellung zeigt Frauen, die offen über ihr Leben sprachen

In der Wittener  Ausstellung können Betrachter der Fotos auch einen Blick in den Spiegel (Mitte) werfen.Foto: Manfred Sander/ WAZ FotoPool
In der Wittener Ausstellung können Betrachter der Fotos auch einen Blick in den Spiegel (Mitte) werfen.Foto: Manfred Sander/ WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Annette Schiffmann hat 99 Frauen über ihre Lebenserfahrungen sprechen lassen. 55 Interviewte zeigt derzeit eine Ausstellung in der Stadtbibliothek.

Witten..  Das, was die Türkin Aylin sagte, kann einem die Tränen in die Augen treiben. Die heute 37-Jährige überlebte einen „Ehrenmord“-Anschlag. „Der 27. Messerstich kam vom Jugendamt. Dass der Mann, der mir und meinen Kindern das angetan hat, um Erlaubnis gefragt wird, ob meine Kinder mich wieder sehen dürfen, weil er mit mir das Sorgerecht teilt – das hat mir das Herz gebrochen“, gestand die dreifache Mutter. Eine von 99 Frauen, die Annette Schiffmann interviewte. Die Heidelbergerin sprach mit ihnen über ihr Leben, ihre Erfahrungen mit Gewalt, ihren Stolz. Und machte daraus eine Ausstellung, die bis zum 27. Februar in der Stadtbibliothek zu sehen ist.

„Die Hälfte des Himmels – 99 Frauen und Du“ heißt sie. Ein Titel, der für die Erzieherin und heutige Öffentlichkeitsarbeiterin und PR-Beraterin Programm ist. „Eine Frau zu sein, ist eine Herausforderung“, meint Schiffmann. Und fügt hinzu: „Nicht, dass Männer es leicht hätten. Aber Frauen haben es – fast immer und fast überall – schwerer.“ Denn: „Wir müssen uns mehr anstrengen, mehr beweisen, mehr können, mehr ertragen.“

„Was ist für Sie das Schönste?“

Die 61-Jährige zeigt 55 ihrer 99 Frauen-Porträts in der Stadtbibliothek. Audioguides ermöglichen es den Betrachtern der Fotos, die mit Zitaten der Interviewten versehen sind, auch zu Ohrenzeugen der geführten Gespräche zu werden.

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In denen gab die Stenotypistin Micaela zu: „Manche Verletzungen können, glaube ich, gar nicht heilen. Sie verblassen irgendwie. Aber was bleibt, ist ein Grundmisstrauen gegenüber allen Menschen. Das ist traurig.“ Annette Schiffmann hat Frauen aus ganz Deutschland zu Wort kommen lassen, die jüngste ist 15, noch Schülerin, die älteste 92 Jahre alt. Menschen mit höchst unterschiedlichen Lebenswegen und -erfahrungen. Schiffmann wollte keine Frauen in der Opferrolle zeigen. Sie fragte nicht nur: „Sind Sie mit Gewalt in Berührung gekommen?“ Sondern auch: „Worauf sind Sie in Ihrem Leben stolz?“ Und: „Was ist für Sie das Schöne daran, eine Frau zu sein?“

Frauen wünschen sich, mit Respekt behandelt zu werden

Was die 47-jährige Optikerin Sabine mit dem Satz beantwortete: „Das Schönste ist, dass unser Körper in der Lage ist, etwas so Großes wie eine Geburt zu vollbringen und dass dir danach ein Bündel Wunder in den Arm gelegt wird.“

Einen Wunsch, den alle Befragten äußerten, war, mit Respekt behandelt zu werden. „Die Älteren sprachen von Achtung, gemeint ist das Gleiche.“ Worüber sich die Heidelbergerin freut: „Alle waren offen, sprachen nicht, wenn sie von sich erzählten, über Dinge, die sie angeblich bei der Freundin oder Nachbarin erlebt hatten.“

Wie die Apothekerin Felicitas, die ihr schilderte, dass sie zutiefst schockiert über die Gewalttätigkeit ihres Ehemannes gewesen sei und dass es ihr lange nicht gelang, dieser Situation zu entfliehen. Bekenntnisse, die Mut erfordern, vor allem, wenn man sich dabei öffentlich ins Gesicht blicken lässt.

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