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Auf Spurensuche nach Hans Werner Henze in Witten

19.02.2010 | 14:08 Uhr
Auf Spurensuche nach Hans Werner Henze in Witten

Witten. Hans Werner Henze gehört zu den wichtigsten Komponisten der Gegenwart. Im Kulturhauptstadjahr ist dem 83-Jährigen das große „Henze-Projekt” in vielen Revierstädten gewidmet. Und weil die Mutter des weltberühmten Komponisten aus Witten stammte, gingen wir auf Spurensuche.

Tatsächlich verfügt das Wittener Stadtarchiv über die Geburtsurkunde der Henze-Mutter. Unter „Ostherbede, am 4. Mai 1903” ist darin u.a. zu lesen, dass das Kind den Vornamen Margarethe Adele trage. Der Vater ist „der Eisendreher Carl Geldmacher”, seine Frau ist Elisabeth Johanna Geldmacher, geborene Haarmann. Weiter heißt es in der Urkunde, dass den beiden „ein Mädchen” geboren worden sei. Und zwar „in Heven, in seiner (also Carls) Wohnung am dritten Mai 1903 nachmittags um zehn Dreiviertel Uhr”.

Geburtsurkunde der Wittenerin Margarete Adele (geb. Geldmacher, 1907–1976), der Mutter von Komponist Hans Werner Henze.

Auch Sterbejahr und -ort von Henzes Mutter Margarethe Adele Geldmacher ist klein in einem Zusatz auf der Wittener Urkunde vermerkt: Sie starb am 1. Januar 1976 in Bad Salzuflen.

Nachfragen bei den heute noch in Witten ansässigen Familien Geldmacher, ob ihnen jene Margarethe Adele oder ihre Eltern bekannt gewesen seien, verliefen erfolglos. Arthur Geldmacher, Inhaber der Gärtnerei auf der Ardeystraße, durchforschte sogar akribisch seinen Familienstammbaum: „Wir können ihn bis 1832 in direkter Linie verfolgen. Aber eine Margarethe Adele kommt darin nicht vor. Und wir haben außerdem einen Carl Theodor, der lebte allerdings bereits von 1832 bis 1903, und einen mit K geschriebenen Karl, der ebenfalls nicht in Frage kommt”, erzählt Arthur Geldmacher.

Meldekarte von 1919

Hans Werner Henze selbst wurde übrigens in Gütersloh geboren und lebt seit Jahrzehnten in Italien. Seine aus Witten stammende Mutter war nach Gütersloh gezogen, als sie den aus Bielefeld stammenden Lehrer Franz Henze geheiratet hatte. Dazu finden sich dezidierte Unterlagen im Stadtarchiv von Gütersloh. „Wir haben hier eine Meldekarte von 1919, da hat sich Franz Henze in dieser Stadt angemeldet”, sagt Christiana Schulte vom dortigen Stadtarchiv. „Die Einträge sind noch in Sütterlinschrift und daher heute gar nicht mehr so leicht zu entziffern”, berichtet sie. Und weiter: „Hier steht, die Henzes seien im November 1928 nach Bielefeld, Am Schildhof 8, verzogen.” Und auch die Geburt zweier Kinder sei in der Gütersloher Zeit vermerkt: Am 1. Juli 1926 die von Hans Werner Henze, am 5. September 1927 die seines Bruders Gerhard.

Fazit: Man muss nicht in einer Weltstadt geboren werden, um eine Weltkarriere hinzulegen.

Michael Vaupel

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