Auf Sprachreise durch die Ruhrstadt

Eine abenteuerliche „Sprachreise ohne Koffer“ findet täglich beim Deutschen Roten Kreuz an der Annenstraße statt. Elf Kinder aus Flüchtlingsfamilien erleben und erlernen die deutsche Sprache hautnah. Auf dieser Sprachreise erkunden die Kinder ihre neue Heimat Witten. Sie erfahren, dass Witten an der Ruhr liegt. Gewinnen täglich neue Sicherheit im Alltag. Und lernen – ganz nebenbei und spielend – Deutsch.

Ester (12), Legdio (8), Erald (7) aus Albanien sind begeistert bei der Sache. Mit der deutschen Sprache sind sie schon sehr gut vertraut. Aber lernen wollen sie noch jede Menge. Jeden Tag ein wenig mehr. Obwohl gerade die Ferien – die süße Zeit des Nichtstuns – begonnen haben.

Dieser Sprachkurs hat es allerdings in sich. Morgens um halb zehn geht es mit einem gemeinsamen Frühstück los. Und schon in diesem Moment beginnt das Sprachtraining. Jeder Tag ist anders als der vorherige: ein Intensivkurs mit nur wenig Theorie, aber mit jeder Menge angewandter Praxis. „Wir haben ein handlungsorientiertes Konzept entwickelt“, erklärt Rotkreuzlerin und Pädagogin Tanja Knopp. „Die Kinder setzen sich ganzheitlich mit den einzelnen Etappen der Sprachreise auseinander.“ Mit Kopf, Herz und Hand wird sprachliches Grundwissen trainiert.

Dazu gehören Umgangsformen wie „Danke“ und „Bitte“. Aber auch so scheinbar einfache Dinge wie Zahlen, Farben oder die Uhrzeit. Jeder Tag der dreiwöchigen Reise hat ein anderes Etappenziel. Im Mittelpunkt stehen immer die kleinen Dinge des Alltags. Lebensmittel fürs Kochen und Backen oder Verkehrsmittel etwa sind Stationen auf der Reise, aber auch Körperpflege, Hygiene und Erste Hilfe. Zur Reiseroute gehören ebenfalls Themen wie Kleidung, Spiel und Sport sowie die faszinierende Tierwelt.

Eine Woche Sprachreise ist bereits verstrichen. Und alle Kinder haben schon gute Fortschritte gemacht. Selbst Sama (8) aus Syrien, Marvel (6) aus Ägypten und Saoirse (7). Sie ist erst kürzlich mit ihren Eltern aus Irland nach Deutschland zurückgekehrt. Bei der Erste-Hilfe-Aktion mit dem Rettungswagen waren alle aufgeregt und konzentriert zugleich.

Organisiert und betreut wird die Reise von zehn sachkundigen „Reiseleitern“ aus dem DRK-Team, viele arbeiten ehrenamtlich. Auf der Sprachreise sind momentan elf Kinder aus sechs Nationen unterwegs. Ihre gemeinsame Sprache ist Deutsch. Und die klappt von Tag zu Tag besser.