Auf Ausbildungsmission in Witten

Der derzeit beliebteste Ausbildungsberuf bei jungen Wittenerinnen ist die Arzthelferin. Bei Männern steht nach der Schule der Industriekaufmann an der Spitze der Berufswünsche, gefolgt vom KfZ-Mechatroniker.
Der derzeit beliebteste Ausbildungsberuf bei jungen Wittenerinnen ist die Arzthelferin. Bei Männern steht nach der Schule der Industriekaufmann an der Spitze der Berufswünsche, gefolgt vom KfZ-Mechatroniker.
Foto: Jakob Studnar
Was wir bereits wissen
Arbeitsagentur beginnt bundesweite Aktion für junge Menschen. In Witten suchen derzeit 500 Bewerber eine Lehrstelle. Angeboten sind jedoch nur 314.

Witten..  Seit Montag läuft die bundesweite „Woche der Ausbildung“. Um dieses Projekt der Arbeitsagentur zu unterstützen, besuchte Bürgermeisterin Sonja Leidemann gestern einige Wittener Betriebe. Sie will bei Unternehmen dafür werben, Lehrstellen anzubieten. Denn längst nicht alle Jugendlichen und junge Erwachsene aus Witten sind schon für Sommer versorgt.

„Wir haben derzeit gut 500 Bewerber auf Ausbildungsstellen“, sagt Ulrich Brauer von der Arbeitsagentur Hagen, die auch für Witten und den Ennepe-Ruhr-Kreis zuständig ist. Demgegenüber stünden 314 offene Stellen in der Ruhrstadt, die zwischen Oktober 2015 und diesem Februar gemeldet wurden. Fehlen also knapp 200 Ausbildungsplätze? Nein, erklärt Brauer, so einfach sei das Rechenspiel nicht. „Nicht jeder Ausbildungswunsch und jedes Angebot passen auch zusammen.“

Gute Chance auf eine Lehrstelle in Witten

Schwarzmalen sollen Jugendliche angesichts der Lücke zwischen Angebot und Nachfrage aber nicht. Brauer: „In den nächsten Wochen wird sich noch einiges tun und grundsätzlich hat man in Witten eine gute Chance, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.“ Ohnehin ist die Woche der Ausbildung nicht als lauter Hilfeschrei der Arbeitsagentur gedacht. „Damit wollen wir Impulse für die duale Ausbildung setzen.“ Viele Schulabgänger wüssten oftmals gar nicht, so Ulrich Brauer, welchen Beruf sie ohne ein Studium erlernen könnten. „Es gibt über 300 Ausbildungsberufe und für die meisten findet man in Witten auch jemanden, der darin ausbildet.“

Die Liste der aktuell beliebtesten Berufe unter Schulabgängern zeigt jedoch, dass viele die gesamte Bandbreite nicht kennen. Junge Männern mögen weiterhin besonders Industriekaufmann, KfZ-Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker sowie Einzelhandels- und Bürokaufmann. Bei Frauen steht die Arzthelferin an erster Stelle, gefolgt von kaufmännischen Berufen. Das muss nicht schlecht sein, denn der Handel bietet in Witten mit 55 Stellen derzeit die meisten hinter dem verarbeitenden Gewerbe (65).

Um überhaupt alle Zukunftschancen und Möglichkeiten zu kennen, rät Ulrich Bauer dringend, sich beraten zu lassen. Und: „Vernünftige Azubis suchen nicht nur in ihrem Sprengel“, sondern in anderen Städten und Regionen.

Einblicke in Berufe sollen Leidenschaft wecken

Bei ihrer Werbetour für Lehrstellen besucht Bürgermeisterin Sonja Leidemann ihr wohlvertraute Wittener Firmen. Sie lernt außerdem aktuelle und frühere Azubis kennen.

„Wir haben eine Verpflichtung, auszubilden“, sagt Wilfried Kogelheide vom gleichnamigen VW-Autohaus in Herbede. Die angehende Automobilkauffrau Mona Knöner macht seit rund sechs Monaten eine Lehre in seinem Betrieb. „Nach der Schule wusste ich nicht, was ich machen soll“, sagt die 19-Jährige. Ein Praktikum in dem Autohaus gab ihr die Antwort. Seither weiß sie, dass sie Automobilkauffrau werden will.

Die ehemaligen Azubis Julia Münter (27) und Mark Alexander Denkhaus (33) haben die Ausbildung schon hinter sich. Sie schwärmen auch nach einigen Jahren noch von ihrem Beruf. „Die Branche entwickelt sich stetig, bleibt spannend und macht immer noch Spaß“, sagt Münter. Die meisten Jugendlichen würden die vielen Facetten und Aufstiegsmöglichkeiten gar nicht kennen. Sollten sie aber, findet sie.

Dass zudem die Reisebranche sehr abwechslungsreich ist, erfuhr die Bürgermeisterin am Montagmorgen bei Hafermann Reisen, einem Familienbetrieb, der selbst ausbildet und noch Bewerber sucht. Die Bewerbung von Sophie Mertner (19) war bereits erfolgreich. Nach dem Abitur wollte sie zunächst ins Ausland, hat sich dann aber entschieden, Reiseverkehrskauffrau zu werden. „Hier habe ich wichtige Einblicke hinter die Kulissen bekommen. Das ist interessanter als ein Reisebüro.“

Kristina Zieron (27) sah dies damals ebenso und hat inzwischen durch das Unternehmen viel von der Welt gesehen. Jetzt ist sie beim Online-Marketing, das stetig wichtiger wird und eine spannende berufliche Zukunft verspricht.