„Atemlos“ durch den Musikschultag

„Aaaaatemlos, durch die Nacht!“ So niedlich wie am Sonntag klingt der Gassenhauer selten. 30 kleine Sängerinnen und Sänger stehen auf der Bühne vor Haus Witten und singen den Schlager aus voller Kehle. Auf diesen Tag haben die Schüler der städtischen Musikschule eifrig hingearbeitet. Viele der Musikusse stehen heute zum ersten Mal auf einer richtigen Bühne und zeigen stolz, was sie im vergangenen Schuljahr gelernt haben.

Bevor es mit dem Programm weitergeht, verteilen die Lehrer aber erst mal bunte Wäscheklammern im Innenhof. Nein, nicht für nasse Kleidung, denn der Himmel hält noch dicht. Aber am Nachmittag ist ein starker Wind aufgezogen. Er droht, die Blätter auf den Notenständern wegzuwehen. „Na, wir bleiben optimistisch“, scherzt Musikschulleiter Michael Eckelt mit einem Blick in die grauen Wolken. Die Stimmung leidet jedenfalls nicht unter dem Wetter. „Hier sind so viele Leute begeistert von der Musik. Ob Alt oder Jung, Ausländer oder Menschen mit Behinderung – Musik vereint uns und ist unsere Zukunft.“ Damit spielt Eckelt auch auf das Motto an, unter dem der Musikschultag in diesem Jahr steht: „MusikLeben – Erbe. Vielfalt. Zukunft.“

Die Vielfalt ist eines der Schlüsselwörter in der Musikschule. Das schlägt sich natürlich auch in der Musik wieder. Neben klassischen Streicherensembles stehen am Sonntag zum Beispiel die Bläserklassen der „Jeki“-Projekte („Jedem Kind ein Instrument“) auf der Bühne. In neongrünen Hemden fiebern die kleinen Posaunisten, Trompeter und Flötisten ihrem ersten Stück entgegen: „Old MacDonald had a farm“. Als es endlich so weit ist, spielen alle vor Schreck in doppelter Geschwindigkeit. Lehrerin Anja Richter winkt lachend mit dem Taktstock ab. „Die Trompeten spielen ja wie eine Elefantenhorde.“ Also das Ganze noch mal von vorn.

Im Haus geht es etwas ruhiger zu. Dort stellen die Lehrer der Musikschule ihre Instrumente vor. Klavier oder Keyboard? Bin ich schon alt genug fürs Geige spielen? Die Pädagogen beraten Eltern und Kinder gern und natürlich darf jedes Instrument auch ausprobiert werden.

Fine Wolf versucht sich heute zum ersten Mal an der Geige. Konzentriert streicht das Mädchen mit dem Bogen über die Saiten. Lehrer Edward Stachnik lobt und verbessert hier und da die Haltung. „Das ist ja richtig anstrengend“, findet die Achtjährige. „Jetzt tut mir glatt der Rücken weh.“ Die Drittklässlerin hat heute allerdings auch schon einen Auftritt hinter sich. Mit dem Jeki-Orchester hat sie heute auf dem Keyboard das Programm eröffnet. Das Tasteninstrument lernt Fine im Jeki-Unterricht an der Buchholzer Schule. Witten nimmt seit 2007 an dem ruhrgebietsweiten Programm teil. Dabei betreuen Lehrer der Musikschule die Kinder an 17 Wittener Grundschulen beim Erlernen ihres Instrumentes.

Auch Narikan Suipeng (6) nutzt den Musikschultag, um ersten Kontakt mit einem Instrument aufzunehmen. Die Querflöte hat es ihr besonders angetan. Vorsichtig pustet sie in des Mundstück und nach einigen Versuchen entlockt sie ihr tatsächlichen einen zarten Ton. Flötenlehrer Willhelm Markus schiebt ihre Finger auf die richtigen Tasten. Das ist gar nicht so leicht. „Ein bisschen musst du noch warten, bis deine Finger etwas länger gewachsen sind“, vertröstet er die Erstklässlerin. Narikan nickt. Sie will heute sowieso noch viele andere Instrumente ausprobieren.