Arbeitskreis poliert Wittener Stolpersteine auf

An die Opfer der Nazi-Diktatur erinnern die Stolpersteine. Sie wurden jetzt von den Mitgliedern des Wittener Arbeitskreises aufpoliert.
An die Opfer der Nazi-Diktatur erinnern die Stolpersteine. Sie wurden jetzt von den Mitgliedern des Wittener Arbeitskreises aufpoliert.
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Arbeitskreis Stolpersteine hat jetzt die Plaketten, die an Wittener Nazi-Opfer erinnern, aufpoliert. So soll die Erinnerung wach gehalten werden.

Witten..  „Nicht so viel Politur. Ein paar Tropfen reichen“, schallt es übereinstimmend aus dem Kreis der Umstehenden. Christoph Ebner vom Arbeitskreis Stolpersteine kniet gerade vor dem Haus Nordstraße 23 vor drei kleinen Metallplatten, um sie durch Reinigen wieder zum Glänzen zu bringen. Schließlich soll das Schicksal der drei jüdischen Mitbürger nicht in Vergessenheit geraten.

Sie wurden, wie zahlreiche andere Wittener, einst Opfer des Nazi-Terrors. Jene als Stolpersteine bezeichneten Messingplatten, die in den vergangenen Monaten in den Boden eingelassen wurden, erinnern in verschiedenen Stadtteilen an diese Schicksale. Weil die Inschriften auf den Oberflächen durch Verwitterung und das Darübergehen von Passanten allmählich schwer zu lesen waren, hatte der Arbeitskreis nun dazu aufgerufen, sie gemeinsam zu säubern. Gut 20 Teilnehmer folgten gestern Nachmittag dem Aufruf.

Sie teilten sich, ausgestattet mit Beuteln, in denen sich Besen, Politur und Lappen befanden, in zwei Gruppen. Während die eine durch die Beethoven-, Lessing- und Ruhrstraße zur Villa Hanf im Parkweg zog, um auf diesem Weg die Stolpersteinen zu reinigen, zog die andere Gruppe durch die Breite-, Körner-, Ober- und Johannisstraße.

Im Niederbücken drückt sich die Ehrerbietung vor den Opfern aus

Unter den Teilnehmern waren auch einige Schüler der Holzkamp-Gesamtschule. Beispielsweise Emma Beke Bandmann. „Emma hat’s drauf“, hieß es lobend aus der Gruppe, als die 17-Jährige mit Lappen die Gedenkplatten für die Familie Marx zum Glänzen brachte. „Ich habe schon die Verlegung mit vorbereitet. Aber bei der Aktion selbst war ich leider krank“, erzählt Emma. Sehr gut sei übrigens die Wanderausstellung zu den Stolpersteinen bei den Schülern der Holzkampschule aufgenommen worden, die dort sechs Wochen Station machte. „Die Ausstellung hat uns die menschlichen Schicksale viel näher gebracht. Weil diese Nazi-Opfer aus unserer Heimatstadt Witten stammten. Sonst ist Geschichte ja oft so weit weg“, findet Emma Beke Bandmann.

Christel Humme vom Arbeitskreis Stolpersteine erinnerte am Freitagnachmittag daran, dass mit dem Kriegsende vor 70 Jahren auch die „Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten“ ein Ende fand. Weil aber die „braune Saat“ heute noch auf fruchtbaren Boden zu fallen drohe, sei es „uns Verpflichtung und eine Daueraufgabe, unsere Demokratie und die Menschlichkeit als gesellschaftliche Grundlage zu verteidigen.“ Auch das wolle man mit dieser Aktion zeigen, so die Politikerin.

Doch ginge es nicht nur ums Reinigen der Messingplatten, so wurde von den Mitgliedern des Arbeitskreises betont: „Der Stolperstein-Künstler Demnig meint, dass das Niederbücken auch die Ehrerbietung vor dem Schicksal dieser Nazi-Opfer ausdrückt.“