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Landgericht

Anklage: Wittener tritt Opfern gegen Kopf und Bauch

15.02.2016 | 20:04 Uhr
Anklage: Wittener tritt Opfern gegen Kopf und Bauch
Eingang des Landgerichts in Bochum.Foto: Ingo Otto

Witten.   Mutmaßlicher Serienschläger (23) soll auch drei Frauen brutal verletzt haben. Seine Ex-Freundin sollte sich nicht mit andern treffen dürfen.

Wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstands gegen Beamte und Beleidigung muss sich ein 23 Jahre alter Wittener vor dem Bochumer Landgericht verantworten. Die von Staatsanwalt Mark vorgetragene Anklageschrift dokumentiert – wenn die Vorwürfe zutreffen – eine erschreckendes Gewaltpotenzial.

Frauen sind traumatisiert

Faustschläge ins Gesicht, wuchtige Tritte gegen den Kopf und in den Bauch seiner schon am Boden liegenden Opfer – wieder und wieder taucht diese Beschreibung bei den einzelnen Taten auf. Auf diese Weise soll er auch seine Wut und Eifersucht an seiner Ex-Freundin ausgelassen haben. Nachdem diese sich von ihm getrennt hatte, hatte er ihr angeblich „verboten“, sich mit anderen Freunden oder auch Freundinnen zu treffen. Als er sie unterwegs zu zwei Freundinnen „stellte“, richtete er laut Anklage nicht nur seine Ex-Freundin übel zu. Er suchte auch die Freundinnen auf und ging genauso brutal gegen diese vor. „Rohe Gesinnung“ und die Inkaufnahme, „sie in Lebensgefahr zu bringen“, hält der Staatsanwalt ihm vor. Beide Freundinnen mussten vier Tage im Krankenhaus behandelt werden, eine hat immer noch Schmerzen an der Wirbelsäule. Beide sind bis heute traumatisiert.

Flascher zerbarst beim Schlag ins Gesicht

Dem Wittener Wirt, der ihn wegen einer gestohlenen Flasche Rum zu Rede stellte, schlug er mit dieser „mit Wucht ins Gesicht“, so dass die Flasche zerbarst. „Ohne Anlass“ schlug er einer Passantin im „Örtchen“ ins Gesicht, zog so heftig an ihrem Zopf, dass es nicht nur schmerzte, sondern sie auch in Angst und Schrecken versetzte.

In WM-Nacht gewalttätig geworden

In der Nacht, in der Wittener den Fußballweltmeistertitel 2014 feierten, schlug der 23-Jährige am Kornmarkt auf eine Straßenbahn ein. Als ein Wittener ihn aufforderte, damit aufzuhören, schlug er ihm erst ins Gesicht, so die Anklage. Dann ging er weg, kam mit zehn Kumpels zurück, dann ging es erst richtig zur Sache. In der Nacht soll der Angeklagte wieder zwei Opfer krankenhausreif geprügelt und getreten haben. Als vier Polizisten neun Tage später in seiner Wohnung klingelten, um einen Haftbefehl zu vollstrecken, soll er – ohne Erfolg – versucht haben, einen der Polizisten zu schlagen. Außerdem soll er auch noch dessen Mutter beleidigt haben.

Höflich zum Richter

Im Kontrast zu diesen schweren Vorwürfen steht das Erscheinungsbild des jungen Mannes, der aus der U-Haft in den Sitzungssaal geführt wird. Mit kurz geschorenem Haar und schlanker Statur sitzt er dort nett und adrett, beantwortet die Fragen des Vorsitzenden höflich.

Seit 2000 lebt er mit seinen Eltern in Witten, sie kamen als Flüchtlinge aus dem Irak. In der Schullaufbahn zeigten sich erste Probleme. Zweimal flog er von der Schule. Jugendrichter schickten ihn zum Antiaggressionstraining, später wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung auch in dreiwöchigen Jugendarrest.

Whisky und Wodka flossen

Nach eigenen Angaben „feierte“ der 23-Jährige an Wochenenden regelmäßig mit Kollegen, dabei flossen Whisky und Wodka. Danach sei es einige Male zum „Filmriss“ gekommen. Da habe er sich tags drauf an nichts mehr erinnern können. Ob Muslimen der Genuss von Alkohol nicht grundsätzlich verboten sei, fragte Vorsitzender Richter Große Feldhaus. „Das stimmt, aber das habe ich nicht so ernst genommen wie andere. Das hätte mir wahrscheinlich gut getan, da haben sie Recht“, räumte der Angeklagte ein. Darauf der Vorsitzende: „Wer das Saufen nicht kann, soll es sein lassen.“

Johannes Kopps

Kommentare
16.02.2016
10:05
Anklage: Wittener tritt Opfern gegen Kopf und Bauch
von kalleknofel | #1

Die Taten des jungen Mannes sind, das steht ausser Frage, abscheulich.
Allerdings kenne ich dieses Verhalten auch von einem Jungen an der Schule...
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1 Antwort
P.S.
von kalleknofel | #1-1

Die Konsequenzen daraus, soweit das überhaupt möglich ist, sind vielfältig vor allem aus den verschiedenen Sichtrichtungen.
Das Leben des jungen Mannes ist durch den Krieg zerstört und sein Verhalten durch das erlebte de-sozialisiert. Seine Opfer und sein Umfeld müssen mit weiteren Entgleisungen kalkulieren.
Wie ihm und anderen geholfen werden, damit so etwas nicht symptomatisch für viele andere gleichgelagerte Fälle wird, darum sollten sich Soziologen, Psychologen und Analytiker Gedanken machen.

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2016-02-15 20:04
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