Das aktuelle Wetter Witten 17°C
Fahrereflucht

Angeeckt und abgehauen

20.05.2012 | 18:57 Uhr
Angeeckt und abgehauen
Der Zettel allein reicht nicht - die Polizei muss informiert werden. Foto: Marcel Näpel

Die Polizei spricht von einem „Volkssport“. In den vergangenen fünf Jahren ist die Anzahl der örtlichen Unfallfluchten insgesamt angestiegen. In Witten macht sich zuletzt mehr als jeder fünfte Verursacher eines Unfalls mit Sachschaden aus dem Staub, ohne sich zu kümmern.

„Meiner Meinung ist das viel“, erklärte der 1. Polizeihauptkommissar Mario Honsdorf auf Anfrage der WAZ. Er ist der ranghöchste Verkehrspolizist im Bochumer Polizeibezirk, zu dem auch Witten und Herne gehören. 3057 Mal hat es im Vorjahr allein auf Wittener Straßen gekracht. 662 Mal gab der Schuldige sofort Gas. Im Vergleich zum Jahr 2010 (712 Fluchten) gab es zwar einen kleinen Rückgang. Doch Honsdorf sagt: „Es sind auf jeden Fall immer noch sehr viele Fälle.“

Vor allem beim Rangieren auf großen Parkplätzen wird häufig angeeckt und abgehauen

Immerhin: In 42 Prozent aller Fälle wurden diese Verkehrssünder später erwischt. Da habe die Polizei zusätzlichen Personalaufwand investiert, „um dem Volkssport entgegenzuwirken“, sagt Honsdorf. Ermittelt wurden auch Autofahrer, die nach nur kleinen Antickern geflüchtet waren. Die meisten sagen, sie hätten nichts bemerkt. Aber das glaubt Honsdorf nicht: „Man hört es. Alles andere ist eine Mär. Das Geräusch am Pkw ist so klassisch laut, das nimmt man wahr.“

Vor allem beim Rangieren auf großen Parkplätzen wird häufig angeeckt und abgehauen. Das beste Aufklärungsmittel ist für die Polizei der Augenzeuge. Ebenfalls vielversprechend ist ein Autoteil am Unfallort. Dann klappert die Polizei die Werkstätten ab, um das passende Automodell samt Baujahr herauszufinden. „Da müssen die Kollegen richtig ackern.“ Nur die Farbe als Täterspur zu haben, sei hingegen zu wenig. „Fast chancenlos“ seien dann die Ermittlungen.

Wird jemand erwischt, bekommt er richtig Ärger. Unfallflucht ist eine Straftat. In jedem Fall wird die Staatsanwaltschaft aktiv. Es drohen eine Geldstrafe und der zeitweise Verlust der Fahrerlaubnis.

„Eines ist immer richtig: 110“

Oft wirken die Blechschäden läppisch: ein Beulchen in der Tür, ein paar Kratzer an der Stoßstange. Aber Honsdorf sagt, dass die Reparaturkosten „schnell bei 500 Euro“ lägen. Spiegel zum Beispiel stecken heute voller Technik. Da kann auch die Auswechslung eines Ersatzteils locker 250 Euro kosten.

Hinter den steigenden Fallzahlen vermutet Mario Honsdorf „einen Trend in der Gesamtgesellschaft“ - die Einstellung: „Was interessiert mich der andere?“ Hinzu komme die Angst vor einer Höherstufung der ohnehin teurer werden Versicherung und vor einem Verwarnungsgeld (35 €). Auch wegen Alkohol und Drogen im Blut, glaubt Honsdorf, würden manche einfach das Weite suchen.

Wer einen Unfall gebaut hat, auch nur einen kleinen mit einem parkenden Fahrzeug, sollte sofort die Polizei rufen. Eines, sagt Mario Honsdorf, sei „immer richtig: 110!“ Nur einen Zettel hinter der Frontscheibe zu hinterlassen, berge die Gefahr, dass er wegkomme, bevor der Geschädigte zurückkehre.

Angestiegen ist in Witten auch die Fallzahl der Unfallfluchten mit Personenschaden: von zwölf (im Jahr 2010) auf 17 (2011). Die Aufklärungsquote lag dabei zuletzt bei gut 76 Prozent.

Bernd Kiesewetter



Kommentare
Aus dem Ressort
Polizei in Witten fängt 20 tierische Ausbrecher ein
Ziegenalarm
Ein ungewöhnlicher Fall für die Polizei: Sie musste am Montag (1. September) 20 freilaufende Ziegen in der Straße Auf dem Schnee wieder einfangen. Die Grasfresser hatten ein Loch im Zaun entdeckt und sind wohl dadurch ausgebüxt. Das Schlupfloch ist mittlerweile wieder geschlossen.
Nora Hansel aus Bochum ist Weltmeisterin im Paratriathlon
Sport
Nora Hansel hat sich in Edmonton in Kanada zur Weltmeisterin im Paratriathlon gekürt. Nach einer nur mäßigen Leistung in ihrer wenig geliebten Disziplin Schwimmen rollte die 24-Jährige das Feld von hinten auf. Ihr Fernziel: 2016 wird der Paratriathlon zum ersten Mal olympisch sein.
Hakenkreuze an Hauswand in Witten geschmiert
Schmierereien
Unbekannte haben zwei Hakenkreuze an das ehemalige Gebäude der Kreishandwerkerschaft in der Kurt-Schuhmacher-Straße gesprüht. Die Tat geschah wohl zwischen dem 29. und 31. August. Der Staatsschutz des Bochumer Polizeipräsidiums bittet um Zeugenhinweise.
Wittener entführt Leser in Kriminalroman zum „Vogelfelsen“
Neues Buch
Der 74-jährige Ingo Dienwiebel hat seinen ersten Kriminalroman verfasst. Auf einer Koka-Plantage in Peru kam ihm die Idee zu dem spannenden Werk über Drogen, eine entführte Freundin - und Möwen. Sein Bekannter Marcelo Friedrich hat das Buch gelesen - und rezensiert.
Soroptimistinnen gründen dritten Club
Soziales
Die Wittener Soroptimistinnen, die sich für die Rechte und Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen und Mädchen einsetzen, werden bald einen dritten Club haben – Ardey. 25 Mitglieder zählen die „Neuen“ bereits, die sich einmal monatlich im Parkhotel treffen und sich für soziale Projekte engagieren...
Umfrage
Am 18. und am 19. September steigt im Bezirk des Bochumer Polizeipräsidiums die 7. Auflage des 24-Stunden-Blitzmarathons. Für die Polizei ist die Aktion längst eine Erfolgsgeschichte. Was halten Sie davon?

Am 18. und am 19. September steigt im Bezirk des Bochumer Polizeipräsidiums die 7. Auflage des 24-Stunden-Blitzmarathons. Für die Polizei ist die Aktion längst eine Erfolgsgeschichte. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Niedecken "Unplugged" beim Zeltfestival
Bildgalerie
Zeltfestival Ruhr
Film
Bildgalerie
Manta Manta
Anke Engelke und Co. unterhalten bestens
Bildgalerie
Zeltfestival Ruhr
Kunst
Bildgalerie
Offene Ateliers