Am Tag der Architektur zählte in Witten jede Steckdose

Die großflächigen Fenster im Wohnraum lassen die moderne Architektur hell und freundlich wirken. Zahlreiche Besucher kamen zum Hevener Bruch.
Die großflächigen Fenster im Wohnraum lassen die moderne Architektur hell und freundlich wirken. Zahlreiche Besucher kamen zum Hevener Bruch.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Dutzende Besucher informierten sich im Eigenheim-Neubau am Hevener Bruch und in der Tischler-Werkstatt im Salinger Feld über neue Lösungen des modernen Bauens. Schuhe aus und los.

Witten..  Vor der Haustür der Familie Camphausen reiht sich ein gutes Dutzend Schuhpaare. Die Besucher waren gekommen, um sich zu informieren und zu staunen: Am Tag der Architektur dürfen sie sich barfuß oder auf Socken von Architektin Nicole Hein durch die Wohnräume des Eigenheims in der Neubausiedlung am Hevener Bruch führen lassen.

Auch Tischler Uwe Klein öffnete die Pforten seines Firmensitzes im Salinger Feld. Seine Halle ist nicht nur funktional auf die Bedürfnisse des Betriebes abgestimmt, sondern auch mit modernem Schrägdach und einer besonderen Heiz-Variante ausgestattet. Hereinspaziert, umschauen erwünscht!

Besucherin Maren Schultheis lässt ihren Blick durch den Flur der Campschultes schweifen. „Ich finde die Offenheit beeindruckend, vor allem weil überall Licht ist. Es gibt keinen Raum, in dem man sich eingeengt fühlen würde. Alles wirkt hell und freundlich.“ Der Flur ist zweigeschossig, von dort aus kann man direkt ins Obergeschoss hinaufblicken. Trotz der Enge wirkt der Raum daher mit der hohen Decke groß. Einer der vielen Kunstgriffe von Architektin Nicole Hein, die die Besucher sich ganz genau erklären lassen.

Die junge Frau wird gelöchert: von der Dicke der Dämmung unter den Klinkern der Fassade („18 Zentimeter“) bis hin zu kleinen Details wie der in den Boden eingelassenen Steckdose unter dem Küchentisch („für Raclette oder Ähnliches“). Auch die Inneneinrichtung mit den Einbauschränken, den in die Wohnzimmerdecke eingelassenen Strahlern und den Schiebetüren, die Küche und Wohnraum trennen können, findet Gefallen. „Ich bin ganz erstaunt. Mit so vielen Besuchern hätte ich gar nicht gerechnet“, sagt Hein bescheiden.

Auch potenzielle Kunden sind gekommen. Ein Ehepaar aus Dortmund studiert bereits die Visitenkarte des Büros. „Wir wollen ein Haus bauen und sind auf der Suche nach einem guten Architekten. Da ist der Tag der Architektur eine gute Gelegenheit, um sich zu informieren.“

Ob man die moderne Bauweise auch altengerecht anpassen könnte? Malis (62) und Rainer Brockhoff (63) wollen frühzeitig an die Zukunft denken: „Es gibt nicht genügend Angebote in Witten, deshalb sind viele darauf angewiesen, ihre Wohnungen umzubauen.“ Erste Anregungen können da nicht schaden.

Während am Hevener Bruch meist Paare und Häuslebauer die Führungen besuchen, kann Tischler Uwe Klein vor allem Geschäftsleute und Kollegen begrüßen. Die Einrichtung seines Büros ist natürlich aus der eigenen Hand. Die Architektur stammt von Peter Senftleben. Auch er bekam manches Lob zu hören. „Ein Gewerbetreibender aus Unna hat sich zum Bespiel ganz genau die Heizanlage erklären lassen.“ Das Besondere: Dort kommen die Holzabfälle der Tischlerei zum Einsatz. Rundum durchdacht.