Am Girls’ Day einmal in Witten Feuerwehr spielen

Diesen beiden Schülerinnen hat ihr Ausflug zur Wittener Feuerwehr Spaß gemacht. Beim „Girls’ Day“ konnten sie auch in Schutzanzüge schlüpfen und einen Übungsparcour absolvieren.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
Diesen beiden Schülerinnen hat ihr Ausflug zur Wittener Feuerwehr Spaß gemacht. Beim „Girls’ Day“ konnten sie auch in Schutzanzüge schlüpfen und einen Übungsparcour absolvieren.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
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Was wir bereits wissen
Ins Arbeitsleben hineinschnuppern: Der Girls’ Day macht es möglich. Wittens Berufsfeuerwehr, die eine Brandmeisterin beschäftigt, hatte Mädchenbesuch.

Witten..  Sie schweigen und staunen. Und wenn sie etwas gefragt werden, zeigen einige von ihnen zaghaft auf. Siebt-, Acht- und Neuntklässlerinnen zu Besuch bei der Wittener Berufsfeuerwehr. Beim Girls’ Day am Donnerstag konnten Mädchen einmal in einen bislang noch klassischen Männerberuf hineinschnuppern. Und weil der Donnerstag auch der Boys’ Day war, begleiteten elf Jungen im Evangelischen Krankenhaus Pflegekräfte an Patientenbetten.

Typische Frauen-, typische Männerberufe – die gibt es immer noch. Die Idee des bundesweiten Girls’- und Boys’-Tages: Mädchen sollen Jobs im Handwerk, in den Naturwissenschaften, in der Technik und der IT-Brache kennenlernen, Jungen Berufe aus dem sozialen, erzieherischen und pflegerischen Bereich. Damit beide Geschlechter bei der späteren Berufswahl keine Scheuklappen aufhaben.

Oberbrandmeister Joscha Bazynski war gestern Ansprechpartner für 16 Mädchen. Sie bekamen von der Hardenstein-Gesamtschule, der Helene-Lohmann-Realschule, vom Ruhr- und Schiller-Gymnasium einen Tag schulfrei. Der 33-jährige Feuerwehrmann beeindruckte seine Gäste zunächst mit einigen Zahlen. 6100 Einsätze im Rettungsdienst hatte Wittens Feuerwehr im vergangenen Jahr, sie musste 175 Brände löschen, konnte 32 Menschen retten.

Brandmeisterin Ramona Wolf hat 88 männliche Kollegen

Dass man vor einer Ausbildung bei der Feuerwehr schon eine andere absolviert muss, dass jeder Feuerwehrmann auch Rettungssanitäter und Rettungsschwimmer ist, dass er lernt, große Löschfahrzeuge zu fahren, sich auch bei Unfällen mit Gefahrgut richtig zu verhalten – davon berichtete Bazynski, unterstützt von seiner Kollegin Ramona Wolf.

Sie war früher einmal Groß- und Außenhandelskauffrau und ist heute Brandmeisterin. Die 32-Jährige hat 88 männliche Kollegen und sagt: „In meinem ersten Beruf war ich auch allein unter Männern.“ Bevor ihre Girls’Day-Gäste in Schutzanzügen einen Übungsparcours abolvieren können, gibt die Ex-Münchnerin ihnen mit auf den Weg: „Viele Frauen unterschätzen sich. Sie können mehr leisten, als sie sich selber zutrauen.“

„Pflegekräfte können sich die Stellen häufig aussuchen“

Isabelle Wöhl und Amelie Conrad wissen, was die Brandmeisterin meint. Die Schülerinnen sind bei der Stockumer Jugendfeuerwehr. Amelie könnte sich vorstellen, später einmal in Ramona Wolfs Fußstapfen zu treten. „Denn ich möchte nicht den ganzen Tag im Büro sitzen.“

Im Evangelischen Krankenhaus sitzen elf Jungen auch nicht im Büro, sondern sind als „Hilfspfleger“ auf verschiedenen Stationen unterwegs. Der zehnjährige Julian vom Albert-Martmöller-Gymnasium und der gleichaltrige Sam vom Ruhr-Gymnasium stehen in der Klinik am Krankenbett von Wolfgang Strücker. Der 87-Jährige lässt sich unter Mithilfe der Kinder von Krankenschwestern einen Verband anlegen, den er gar nicht braucht. Weil die Jungs ja sehen sollen, wie so etwas geht.

Sie erhalten zwei Stunden lang Einblicke in den Klinikalltag, helfen bei der Essensausgabe, begleiten Patienten zu Untersuchungen, sehen, wie bei Diabetikern der Blutzuckerwert ermittelt wird – immer begleitet von einer Pflegekraft, versteht sich.

Krankenschwester Beate Plückelmann betont, dass im EvK 90 Prozent der Pflegekräfte Frauen sind und dass ihr Beruf leider ein Image-Problem habe. „Es gibt Leute, die meinen, dass wir Patienten ausschließlich den Po abputzen.“ Plückelmann wirbt gerne für die von ihr so geliebte Arbeit. „Was die Berufschancen angeht, da können sich Pflegekräfte die Stellen heute oft aussuchen, das ist ähnlich wie bei den Ärzten.“ Julian gesteht, dass er später gerne Menschen helfen möchte. Sams Vater ist Arzt. Sam möchte auch einmal Medizin studieren. Welche Fachrichtung? Das weiß er noch nicht. Ist ja auch noch etwas Zeit bis zum Abi.