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Altlasten schlummern in Nähe der Uni

14.12.2010 | 17:48 Uhr
Altlasten schlummern in Nähe der Uni

Witten.Acht- bis zehntausend Tonnen Altlasten schlummern auf einer vor zig Jahren wild angelegten Kippe zwischen Universität und Kleingartenanlage.

Im nächsten Jahr macht sich die Stadt an die Sanierung des Pferdebachsiepens - bevor die Gefahr für das Grundwasser näher rückt. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn die Schadstoffe - Bauschutt, verunreinigter Erdaushub, krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwassertstoffe (PAK) - wandern Jahr für Jahr auf dem abschüssigen Gelände um geschätzte anderthalb Meter weiter in Richtung Bachlauf und Kleingärten. Weil sie von sauberem Boden umschlossen seien, bestehe aber keine Austrittsgefahr, versichert Gerald Klawe, Vize beim Ordnungsamt und zuständig für den Umweltschutz in der Stadt. „Die über dem Grundwasserspiegel liegenden Altlasten wandern seitlich weg mit der Grundwasserströmung“, erklärt Klawe. Würde man nicht handeln, erreichten sie irgendwann den Bachlauf und die Kleingärten. Deshalb sei eine Gefahr für das Grundwasser auf Dauer nicht auszuschließen.

Wer seinen Dreck dort vor 20, 30 oder vielleicht sogar 40 Jahren vergraben hat, wisse man bis heute nicht. Es handele sich um eine landwirtschaftliche Fläche. Erste Gutachten seien vor zirka 15 Jahren erstellt worden. Damals hieß es noch: alles ausbaggern. Das hätte, so Klawe, 1,5 bis 1,8 Millionen Euro gekostet. Deshalb habe man so lange mit der Sanierung gewartet, zumal Förderanträge abgelehnt worden seien.

Jetzt hat die Bezirksregierung Arnsberg grünes Licht für eine Beseitigung der Altlasten gegeben. Wie die Behörde gestern mitteilte, unterstützt das Land die „Maßnahme zur Grundwasserreinigung“ mit 284 200 Euro. Das sind 80 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 350 000 Euro. Im Frühjahr sollen die Arbeiten voraussichtlich beginnen.

Nach Informationen der Bezirksregierung wurde der Pferdebachsiepen früher unkontrolliert mit Abfällen verfüllt. Das Grundwasser weise in diesem Bereich erhöhte PAK-Gehalte auf. Um die Altlast zu entschärfen, solle künftig eine „durchströmte Reinigungswand“ die Schadstoffe abfangen. Die Sanierungsart nennt sich „Funnel and Gate“, Funnel wie Trichter, Gate wie Tor.

Man stellte sich ein „V“ vor. Die beiden langen Strichen entsprechen stählernen Spuntwänden (Trichter), die bis zu vier Meter tief in die Erde gerammt werden und sich jeweils rund 20 Meter seitlich ausdehnen. Wo sich die beiden Seitenarme unten treffen, wie beim V, ist das Gate, das Tor. Über die Spuntwände wird der Grundwasserstrom wie bei einem Trichter in Richtung dieses Durchlasses (Gate) gelenkt und dabei mit Aktivkohle gereinigt. Dieser Aktivkohlefilter befindet sich ebenfalls in zirka fünf Meter Tiefe, bildet praktisch das Tor.

Betroffen ist eine 15 000 Kubikmeter große Fläche, zirka 150 Meter lang und 20 Meter breit. Es geht um die Wiese oberhalb der Kleingartenanlage. Spuntwände müssen ausgehoben werden, ebenso ein Graben, um den Filter zu versenken. An der Oberfläche wird von all dem kaum was zu sehen sein. Zum Glück: Um die giftigen Spuren der Vergangenheit zu entfernen, können bis zu 30 Jahre ins Land gehen.,

Jürgen Augstein

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